Düren - „Mundart ist für mich ein Stück Kultur“

„Mundart ist für mich ein Stück Kultur“

Letzte Aktualisierung:
6106292.jpg
Addy Clemens freut sich besonders auf den Auftritt von Tommy Engel beim 20. Mundartfestival im Willy-Brandt-Park in Düren. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Dürener Platt ist für mich ein Stück Kultur. Da schwingt immer jede Menge Herz mit.“ Addy Clemens (61), Vorsitzender der „AG Schnüss“ in Düren hat sich zwei Dinge auf die Fahnen geschrieben: Mundart und Musik. Am kommenden Wochenende, von Freitag, 30. August, bis Sonntag, 1. September, findet zum 20. Mal im Willy-Brandt-Park in Düren das beliebte Dürener Mundartfestival statt.

Im Gespräch mit „DN“-Mitarbeiterin Sandra Kinkel erzählt Addy Clemens, warum Mundart für ihn so eine Herzensangelegenheit ist und wie das Festival überhaupt entstanden ist.

Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der „Schweess Fööss“. Wie sind Sie zur Musik gekommen, immerhin haben sie Physik und Geografie studiert und sind heute Lehrer an der Anne-Frank-Gesamtschule.

Addy Clemens: Bei einer Veranstaltung der Rölsdorfer Karnevalsgesellschaft „Kick ens“ ist uns die Idee gekommen, selbst eine Mundartband zu gründen. Das war die Geburtsstunde der „Schweess Fööss“, und so bin ich zur Musik gekommen. Ich bin ja auch kein richtiger Musiker, aber man könnte sagen, ich bin ein selbst gestrickter Musiker.

Die „Schweess Fööss“ gibt es seit 28 Jahren. Wie ist das Mundartfestival entstanden?

Clemens: Die „Schweess Fööss“ und die „Echte Fründe“ hatten gemeinsam einen Auftritt beim Stadtfest. Und danach ist bei den Bandmitgliedern irgendwie die Idee entstanden, ein Mundartfestival ins Leben zu rufen. Wir haben in Düren ganz bescheiden angefangen auf der Pavillon-Bühne im Willy-Brandt-Park. Die Musiker haben Bons verkauft, gegrillt – und zwischendurch wieder einen Auftritt gehabt. Aber die Veranstaltung war ein Erfolg, deswegen haben wir uns entschlossen, weiterzumachen.

Aber von damals sind nur noch zwei Bands mit dabei.

Clemens: Ja, die „Schweess Fööss“ und die „Echte Fründe“. Einige der Mundartbands von damals gibt es heute gar nicht mehr.

Bei der Musik funktioniert Mundart immer.

Clemens: Das stimmt. Mundart-Musik ist nach wie vor unheimlich in. Gruppen wie „Brings“ oder Kasalla“ füllen ganze Stadien.

Befürchten Sie, dass das Dürener Platt ansonsten, also fernab der Musik ausstirbt?

Clemens: Ganz ehrlich habe ich diese Befürchtung schon. Ich hoffe aber natürlich, dass es nicht so kommt. Mein Opa hat überhaupt kein Hochdeutsch gesprochen, sondern nur Platt. Heute ist unser Dialekt aus den Familien irgendwie rausgewachsen und wird auch nicht mehr so an die Kinder weitergegeben wie früher. Das merke ich auch an meinen Schülern, einige verstehen und sprechen noch Platt, viele können aber überhaupt kein Platt. Deswegen finde ich es ja auch so wichtig, dass an den Schulen Mundart-AGs angeboten werden. Ich habe das an unserer Schule auch mal ein paar Jahre gemacht. Und auch heute wünschen sich die Schüler manchmal eine Unterrichtsstunde in Dürener Platt. Und dem Wunsch komme ich dann auch nach. Für manche ist es aber einfach verpönt, Platt zu sprechen.

Warum ist das so? In Bayern wird ja auch mit einer absoluten Selbstverständlichkeit Dialekt gesprochen.

Clemens: Ich kann es Ihnen nicht sagen. In Bayern wird mit Stolz bayerisch gesprochen, bei uns sprechen Leute, die sich für etwas Besseres halten, überhaupt kein Platt. Dabei schwingt beim Platt immer jede Menge Herz mit. Auf Platt kann man wunderbar Klartext reden, ohne verletzend zu sein. Für mich ist die rheinische Mundart darüber hinaus auch ein Stück Kultur. Ich glaube außerdem, dass man zumindest über die Musik, den rheinischen Dialekt am Leben halten kann.

Und da kommt dann die „AG Schnüss“ wieder ins Spiel. Wie viele Bands sind mittlerweile Mitglied?

Clemens: 25, aber das sind nicht nur Mundartgruppen, wir haben auch einige Oldie- und Rockbands dabei. Aber 22 der AG-Schnüss-Bands machen Mundartmusik.

Das Mundartfestival ist eine richtig große Veranstaltung geworden. Und fast alle bekannten Größen von Brings bis zu King Size Dick sind bei Ihnen schon aufgetreten. Ist Düren in der Mundart-Szene zu einer festen Größe geworden.

Clemens: Naja, natürlich muss man die Künstler schon davon überzeugen, ins kleine Düren zu kommen. Aber es ist wirklich so, dass viele von unserem Mundartfestival schon einmal gehört haben. Und das öffnet manche Türen schon ein bisschen einfacher. Als King Size Dick bei uns war, hat er nach dem Auftritt unsere Veranstaltung wirklich sehr gelobt und gesagt: ‚Da können die sich in Köln wirklich eine Scheibe von abschneiden.‘

Worauf freuen Sie sich beim 20. Dürener Mundartfestival am meisten?

Clemens: Natürlich freue ich mich auf unseren eigenen Auftritt mit den „Schweess Fööss“, aber mein persönliches Highlight ist in diesem Jahr der Auftritt von Tommy Engel. Aufgrund seiner Vielseitigkeit und seiner Persönlichkeit war das mein Wunschmusiker für das 20. Mundartfestival im Willy-Brandt-Park. Auf seinen Auftritt freue ich mich sehr.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert