Modernes in alten Gemäuern: Abschlussarbeit über Burg Nideggen

Von: Burkhard Giesen
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Nur ein Teil des Saalbaus würde in seiner ursprünglichen Breite realisiert, zu großen Teilen hält der Entwurf respektvoll Abstand zur Burgmauer.
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Um die Mächtigkeit des Palas zu betonen, wird die Dicke der Wand durch die tiefen Fensterausschnitte zum Burghof hin verdeutlicht.
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Foto: Burkhard Giesen Foto: Burkhard Giesen
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Die Perspektive täuscht etwas: Aus dem Tal heraus bliebe die Glasfront des neu entstandenen Palas nahezu unsichtbar. Foto: Gie

Nideggen. Wenn Lydia Post durch eine Stadt geht, sieht sie die Dinge anders. Sie sieht nicht nur, was ist, sondern auch, was sein könnte. Kein Wunder, bei einer jungen Architektin, die gerade ihren Masterabschluss geschafft hat – mit einer Arbeit über die Burg Nideggen, die sie zu neuem Leben erweckt hat.

Die 25-Jährige hat den Palas, also den Saalbau der mittelalterlichen Burg, wieder auferstehen lassen – als mächtigen, zugleich aber auch luftigen Bau. „Das Burggelände ist ein sehr faszinierendes Areal. Ich habe versucht, auf die Historie der Burg einzugehen und mir die Frage gestellt, wie sie früher aussah und wie der Palas tatsächlich konzipiert war“, erklärt Lydia Post. Dabei ging es ihr vor allem auch darum, die Mächtigkeit dieses Baus deutlich zu machen. „Von außen wird die Dicke der Wand durch tiefe Laibungen als konisch zulaufende Kuben in einer monolithischen Fassade für den Betrachter sichtbar. Im Innenraum schieben sich die tiefen Laibungen als konisch zulaufende Kuben in einen Luftraum, der so tief und so hoch wie die historische Mauer ist“, schreibt Lydia Post in ihrer Masterarbeit dazu. Einfacher ausgedrückt: „Ich wollte die enorme Spannbreite dieses Baus erlebbar machen und dabei den Bestand nicht ändern.“ Die nüchternen Zahlen sprechen zudem für sich: 61 Meter lang und 16 Meter breit war der Bau. Lydia Post: „Der Nideggener Palas war zu seiner Zeit der größte Saalbau auf einer deutschen Burg.“

Im Entwurf von Lydia Post fügt sich der neue Palas passgenau in die Burganlage ein, ohne die bisherige Nutzung zu beeinträchtigen. Im Gegenteil: sie wird ergänzt. Die geschaffenen Räume könnten sich für Seminare, Tagungen und Veranstaltungen eigenen, hinzu käme ein Café oder Bistro, ein Museumsshop. Über eine Galerieebene gibt es eine Anbindung zum Burgenmuseum, das den Palas in Teilen auch für Ausstellungen nutzen könnte. Nicht zu vergessen der riesige Veranstaltungssaal für Feierlichkeiten und Konzerte. Im 2. Obergeschoss gäbe es zudem 13 Gästezimmer, zum Beispiel für Tagungsgäste oder Wanderer, die die Burg besuchen wollen. „Mein Hauptaugenmerk lag auf einer musealen und kulturellen Nutzung des Baus. Ich wollte nicht das – wie in so vielen dieser Bauten – übliche Hotel schaffen“, erläutert Lydia Post. Ein wesentliches Problem konnte die Studentin bei ihrer Masterarbeit nicht lösen: die Denkmalschutzproblematik. „Ich musste die Arbeit in drei Monaten fertigstellen. Den Denkmalschutz zu berücksichtigen, hätte den Rahmen gesprengt.“ Allerdings hat sie vorausschauend darauf geachtet, dass Burg und Ruine ihre Eigenständigkeit behalten und der Palas durch seine Glasfront zum Tal hin eher in den Hintergrund tritt und kaum zu sehen ist. Zudem hat sie den Bau nicht komplett in seiner Spannbreite von 16 Metern entworfen, sondern über einen großen Teil nur zur Hälfte bebaut, so dass zwischen Glasfassade und Burgaußenkante ein zusätzlicher luftiger Raum entsteht. Ein Entwurf, der bei Nideggens Bürgermeisterin Margit Göckemeyer auf viel Gegenliebe stößt: „Hier hat jemand versucht, im historischen Kontext etwas Modernes zu schaffen. Das finde ich ungeheuer spannend. Ich fände es gut, wenn wir diesen Entwurf als Anlass nehmen würden, eine Weiterentwicklung der Burg ins Auge zu fassen.“ Dazu allerdings müsste ein Investor her.

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