Mit zwei kleinen Stromern in die Zukunft

Von: Burkhard Giesen
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Einfacher geht es für Diplom-Volkswirt Ingo Vosen von den Dürener Stadtwerken kaum: Auto an die Steckdose angeschlossen, aufgeladen, und schon kann man losfahren. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Wenn Ingo Vosen sich in sein neues Auto setzt und losbraust, dann hört man nichts. Zumindest nicht viel. Vielleicht ein Grundsummen, leise Rollgeräusche. Mehr nicht. Kein Wunder, der Fiat 500 des Vertriebsleiters der Dürener Stadtwerke ist eine von zwei Sonderanfertigungen mit Elektromotor, die die Stadtwerke übernommen haben und testen.

Knapp sechs Wochen hat Vosen den Kleinwagen schon gefahren und sein erstes Fazit fällt mehr als nur positiv aus: „Es gibt bisher überhaupt keine Einschränkungen im Nutzungsverhalten.” Eine Einschränkung gibt es allerdings doch. Der Kleinwagen ist bei den Mitarbeitern so begehrt, dass es für Vosen zunehmend schwerer wird, den Test fortzuführen.

Flächendeckende Infrastruktur

Das, was die Dürener Stadtwerke mit der Anschaffung von Elektro-Motorrollern angefangen haben, setzten sie jetzt mit den beiden E-Autos fort. Das Ziel ist klar umrissen: Einen Beitrag dazu leisten, eine flächendeckende Infrastruktur für Autos mit Elektroantrieb zu schaffen. Mindestens vier Ladetankstellen werden die Stadtwerke in Düren errichten, eine zentral im Bereich Marktplatz/Kaiserplatz, eine in der Nähe des Stadtcenters, eine in Bahnhofsnähe und eine bei den Stadtwerken. Kraftstromladepunkte heißen die übrigens im perfekten Amtsdeutsch. „Weitere Stromladepunkte hängen von der Nachfrage ab”, sagt Vosen. „Aber die Nachfrage soll nicht an der fehlenden Infrastruktur scheitern.” Wie gesagt: es ist ein Modellversuch, von dem sich die Stadtwerke viel versprechen. Aber von einer Euphorie zu sprechen, wäre übertrieben.

Frage der Reichweite

„Wir wissen nicht, wie sich die Elektro-Mobilität entwickeln wird oder wann sie massentauglich ist”, so Vosen. Die Zurückhaltung hängt vielleicht auch ein bisschen damit zusammen, dass Stadtwerke landauf, landab vor einigen Jahren mit großer Begeisterung die Umrüstung von Autos auf Erdgas bezuschusst haben. Vosen: „Das hat sich aber nicht durchgesetzt.”

Das wird auch von den Zahlen des Straßenverkehrsamtes belegt. Von den knapp 216.000 angemeldeten Autos im Kreis Düren sind derzeit nur rein 109 mit Gas betriebene Autos zugelassen. Zu wenig, um wirklich als Alternative zum Benzin betrachtet zu werden.

Die „Kraftstromladepunkte” sollen übrigens bis zum Ende des Jahres in Düren stehen. Für den Wagen der Stadtwerke dauert die Ladezeit dann rund 1,5 Stunden. Die Reichweite liegt bei etwa 160 Kilometer. Das ist noch wenig. Allerdings sieht Vosen hier auch eine stetig fortschreitende Entwicklung. „Die Akkutechnologie wird immer mehr verfeinert, so dass auch der Ladevorgang immer schneller abläuft. Die Zukunft sind kleine Wankelmotoren, die zusätzlichen Ladestrom liefern.”

Damit könnten zusätzliche Verbraucher wie Klimaanlage oder Radio gespeist werden. Vosen ist jedenfalls sicher, dass Reichweiten bis 300 Kilometer keine großen Probleme darstellen werden - und das dürfte für Autos, die als Zweitwagen vorwiegend für Stadtfahrten eingesetzt werden, vollkommen reichen.

„Und wenn man dann auf dem Parkplatz beim Arbeitgeber, zu Hause und in der Stadt sein Auto aufladen kann”, so Vosen, dann dürfte nicht nur für die Stadtwerke Düren aus dem Modellversuch der Alltag werden.

Mobilität auf Basis regenerativer Energien

Genau zwölf mit Strom betriebene Fahrzeuge sind derzeit schon beim Straßenverkehrsamt des Kreises Düren angemeldet. Fünf davon werden gewerblich genutzt, sieben privat.

Beim Dürener Service-Betrieb sind zwei E-Fahrzeuge im Einsatz. Dort würde man sogar gerne noch mehr Fahrzeuge anschaffen, zum Beispiel zum Einsatz auf Friedhöfen. Der Haken: Die Batteriekapazitäten der Fahrzeuge reichen noch nicht aus. Die meiste Energie wird beim DSB-Einsatz nämlich nicht etwa vom Auto selbst, sondern von den Aufbauten benötigt, zum Beispiel bei Kehrmaschinen.

Ingo Vosen von den Stadtwerken sieht übrigens in der zunehmenden Elektro-Mobilität noch einen ganz anderen wichtigen Aspekt: „Das größte Problem heute ist, dass man Strom schlecht speichern kann. Wenn Elektro-Autos mit ihren Akkus dazu beitragen können, wäre das perfekt.”

Er ist zudem auch der Ansicht, dass „die Elektro-Mobilität auf Basis regenerativer Energien” aufgebaut werden solle. Ingo Vosen: „Anders kann es nicht funktionieren.”

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