Mit Zahlen dem Stadtteil Struktur geben

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
6776209.jpg
Birgit Franz, Ina Ruick. Foto: Burkhard Giesen

Düren. In Düren-Ost gibt es günstigen Wohnraum, mehrere Kitas und Grundschulen, eine Gesamtschule, eine gute Versorgung mit Lebensmittelläden, viele Vereine, die sich sehr engagieren. Kurz: Es ist ein funktionierendes Netzwerk entstanden und viele junge Familien ziehen dort hin. Genau dieser Zusammenhang interessiert Ina Ruick und ihre Kollegin Birgit Franz von der Stadt Düren.

Angesiedelt beim Jugendamt, erstellen Ruick und Franz die so genannte Sozialraumanalyse für die Stadt Düren. „Unser Auftrag ist es, die Datenbasis für eine bedarfsorientierte Planung zu schaffen“, erklärt Ina Ruick. Und das bis ins kleinste Detail. „Wir wollen möglichst viel an Datenmaterial kleinräumig vergleichen“, erzählt Ina Ruick, also bis in die Stadtteile und Wahlbezirke. Das Ergebnis ist zum Beispiel die oben beschriebene Erkenntnis, dass sich junge Familien der Infrastruktur wegen überwiegend in Düren-Ost ansiedeln, während umgekehrt in Gürzenich viele Senioren leben. „Dort hat man die Struktur eines gewachsenen Stadtteils, es gibt viele Einfamilienhäuser. Da wird es dann erst in 15 oder 20 Jahren wieder einen Wandel geben“, sagt Ina Ruick. Wofür braucht man das Datenmaterial überhaupt? Kennt man die Infrastruktur des Stadtteils, ist es für Verwaltung und Politik möglich, handelnd einzugreifen – zumal die Daten eigens in Stadtteilkonferenzen vorgestellt werden. Ina Ruick: „Man kann zum Beispiel Baugebiete für junge Familien gezielt in Stadtteilen bereit stellen, in denen zu wenige junge Familien leben.“

Dabei ist insbesondere die Politik gefragt, die richtigen Schlüsse aus den aufbereiteten Daten zu ziehen. Ein Beispiel: In Zeiten, in denen mangels Kindern Schulen geschlossen werden müssen, könnte es genauso sinnvoll sein, gezielt die Schulen zu stärken, die für junge Familien ein Auswahlkriterium waren, sich in einem Ortsteil anzusiedeln. Umgekehrt würde es aber auch Sinn machen, Schulen in Ortsteilen mit weniger jungen Familien zu erhalten, damit sich die Altersstruktur nicht noch weiter verändert. „Die Politik hat einen Handlungszwang, das ist manchmal auch ein großes Dilemma, weil Politiker natürlich nicht nur nach demographischen Aspekten entscheiden können“, weiß Ina Ruick.

Aber nicht nur die Politiker stürzen sich auf das Zahlenwerk. Die Wohlfahrtsverbände oder Kirchen greifen ebenso zu, wie das Jugendamt selbst. Ina Ruick: „Die Verbände können mit unserem Zahlenmaterial schnell sehen, in welchem Stadtteil es Sinn macht, weitere Angebote zu unterbreiten.“ Eine Erfahrung, die Birgit Franz und Ina Ruick in ihrem eigenen Amt auch schon gemacht haben. Wenn man sich um Alleinerziehende kümmern möchte, sollten Angebote wohnortnah ins Leben gerufen werden – das hat man zum Beispiel mit dem „Schnuller-Café“ in der Paradiesstraße umgesetzt, ein Treff der alle 14 Tage gut angenommen wird.

Oder: „Beim Thema Kinderarmut versuchen wir, mit Mikro-Projekten in den einzelnen Stadtteilen gezielt zu helfen“, berichtet Birgit Franz. Das übergeordnete Ziel ist klar: gleiche Lebensbedingungen für alle Dürener. „Eine Mischung von verschiedenen Charakteren, Schichten und Altersgruppen“, sagen Ina Ruick und Birgit Franz, „gibt einem Stadtteil Struktur, weil man voneinander profitiert und soziale Kompetenz erreicht.“ Und Ina Ruick fügt hinzu: „In Holland gibt es Wohndörfer für Senioren. Stellen Sie sich das vor: nur Senioren in einem Stadtteil. Sie sehen keinen der jung ist, kommen das nicht raus. Ich möchte da nicht leben.“ Ina Ruick und Birgit Franz arbeiten derzeit mit Hochdruck an der neuen Sozialraumanalyse. Die soll mit dem neuesten Zahlenmaterial in der zweiten Jahreshälfte 2014 erscheinen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert