Mit Spielen auf Erfolgskurs: Headup Games aus Düren

Von: Burkhard Giesen
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Vom Juristen zum Geschäftsführer eines Spiele-Verlags: Der Dürener Dieter Schoeller ist mit seinem Unternehmen Headup Games sehr erfolgreich. Foto: B. Giesen

Düren. Der 36-jährige Dieter Schoeller ist Geschäftsführer der Dürener Unternehmens Headup Games – ein unabhängiger Spiele-Verlag, der vor genau vier Jahren gegründet wurde und zuletzt den Deutschen Entwicklerpreis als bestes Verlagshaus für Computerspiele 2012 erhielt.

Vielleicht wäre aus Dieter Schoeller ein guter Rechtsanwalt geworden. Er hätte verworrene Prozesse führen und siegreich beenden können. Statt dessen verschlägt es Schoeller schon mal ins „Jungfrauencamp“, wo er – ganz edel natürlich – die holde Weiblichkeit vor allen Gefahren beschützt, oder er schickt sich an, mit dem Staubwedel in der Hand gleich die ganze Welt vom Bösen – dem Schmutz – zu befreien.

„Ich liebe Spiele seit ich zehn bin“, erzählt Schoeller. Zur Liebe bekannt hat er sich erst deutlich später. Dem Abi folgte das Jura-Studium in Münster – bis zum 1. Staatsexamen. Danach war nicht etwa Schluss mit lustig, sondern es ging erst los. Schoeller arbeitete bei einem Verlag in Düsseldorf und kümmerte sich um das Marketing. Danach war er zwei Jahre in München für das internationale Marketing der Koch Media GmbH zuständig, einer der größten unabhängigen Verleger von Computerspielen in Europa. Von München zog es Schoeller zurück ins Rheinland – als Vertriebsleiter für RTL Games, wieder für zwei Jahre.

Der Schritt in die Selbstständigkeit kam dann 2009. Die Frage nach dem Warum verbietet sich fast, wenn man einer Unternehmerfamilie entspringt. „Mein Vater ist Unternehmer, mein Großvater war Unternehmer. Den Hang, etwas zu organisieren, hatte ich schon sehr früh. Passives konsumieren lag mir nie. Aktives Handeln war für mich immer interessanter“, erklärt Schoeller seine Motivation, das Wagnis Selbstständigkeit einzugehen. Der Umweg über das Jura-Studium hat Schoeller dabei geholfen. „Man lernt dabei, Sachverhalte auf das Wesentliche zu reduzieren. Analytische Ergebnisse helfen in vielen anderen Lebensbereichen.“

Zum Beispiel dann, wenn die unvermeidliche Frage nach Gewalt in Spielen auftaucht. „Computerspiele sind viel mehr, als kleine grüne Männchen totzuschießen. Spiele haben immer mit der einfachsten Art der Konfliktlösung zu tun. Im Prinzip sind es zwei Pixel, die Konflikte durch Dialoge klären sollen. Männer neigen dabei zu einfachen Lösungen, Frauen zu mehr Abenteuerlust“, sagt Schoeller und grinst dabei.

Der Reiz am eigenen Spieleverlag, seinen Antrieb erklärt Schoeller so: „Ich will kein kleines Rädchen in einer großen Maschinerie sein. Statt in einem großen Unternehmen auszusuchen, welches Bild auf das Cover eines Spiels kommt, habe ich hier von Anfang bis zum Ende die Kontrolle.“

Mit drei Mitarbeitern hat Schoeller sein Unternehmen in Düren gestartet, heute hat er sechs Beschäftigte. Dabei tummelt er sich auf einem Nischenmarkt jenseits der massenkompatiblen Spiele-Klassiker. Er sucht unabhängige Entwickler, deren Spiele er vermarkten kann. Und offenbar hat man bei Headup Games ein Gespür dafür, „Spiele mit einem gewissen Charakter“ an Land zu ziehen.

Dieter Schoeller hat selbst zwei kleine Kinder, seine Frau ist Pädagogin. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass er eher auf Spiele mit künstlerischem Anspruch setzt. Immerhin gehören zu den 50 Spielen, die das Unternehmen im Portfolio hat, auch Spiele dazu, die zum besten deutschen Action-Spiel und zum besten Kinderspiel gekürt, beziehungsweise nominiert wurden – und das, obwohl Schoeller keine medienwirksame Kampagne für seine Spiele umsetzen kann. „Wir haben bisher noch kein Spiel angeboten bekommen, was den ‚guten Geschmack‘ überschritten hätte“, wehrt sich Schoeller gegen das Gewaltspiel-Image, das immer dann ein Thema ist, wenn es irgendwo auf der Welt einen Amoklauf gegeben hat.

Und das Genre der Kriegsspiele, bei denen man zum Beispiel die Schlacht im Hürtgenwald nachstellen kann? Schoeller ist da entspannt. Ein Faible für diese Art Spiele hat er nicht. „Ich kann aber den Reiz des Spiels verstehen. Es geht darum, im Team Aufgaben zu meistern. Und letztlich ist das Nachstellen historischer Szenen nichts anderes, als das, was Sie und ich früher als Kinder gespielt haben: Cowboy und Indianer. Das war politisch auch nicht wirklich korrekt. Ich persönlich mag aber eher fiktionale Spiele.“

Dass sein Unternehmen deutlich weniger so genannte „Gewaltspiele“ im Angebot hat, erklärt Schoeller nicht nur mit dem „künstlerischen Anspruch“, den er an Spiele stellt, sondern eben auch mit dem Umstand, dass er eher auf unabhängige Entwicklungsstudios setzt.

Das führt auch dazu, dass Headup Games für jede Altersgruppe die passenden Spiele anbieten kann. Und es führt dazu, dass sich Schoeller auch wahre Perlen aus dem Spielemarkt herauspicken kann. Zum Beispiel das Spiel „Limbo“, eigentlich ein simples Jump-and-Run-Spiel, das von einem Jungen handelt, der im Wald aufwacht und seine Schwester sucht – und das alles in bezaubernden Bildern in Scherenschnitt-Optik.

Dass Headup Games sich in den besetzten Nischen zurechtfindet, wird auch dadurch erleichtert, dass der physische Markt für Spiele wegbricht. Zwar hat Schoeller mit seinen Mitarbeitern für „Limbo“ eine Sonderedition entwickelt, die erfolgreich vermarktet wird, aber das ist inzwischen eher die Ausnahme. Im Vordergrund steht die digitale Distribution. „Wenn ich die Spiele über unsere Webseite anbiete, kann ich mit einem Knopfdruck ein weltweites Publikum erreichen“, erklärt Schoeller. Der Kaufmann in ihm formuliert es so: „Für ein Spiel, das digital verkauft wird, muss ich drei Spiele im Laden verkaufen.“

Und weil Schoeller eben auch Kaufmann ist, tummelt er sich nicht nur im Bereich der Computerspiele, sondern bietet auch Entwicklungen für Smartphones sehr erfolgreich an. Eine Entwicklung, die weitergehen wird: „Mit der Verknüpfung von Fernseher und Internet kann der Nutzer am TV-Schirm künftig interagieren. Das wird in ein paar Jahren ein spannender Markt werden.“

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