Mit Ohrenmaß zum Vize-Weltmeistertitel im Goalball

Von: Isabelle Hennes
Letzte Aktualisierung:
Michael Feistle, von Geburt an
Michael Feistle, von Geburt an blind, ist Vize-Weltmeister im Goalball.

Vettweiß-Kelz. Toreschießen, das war schon immer Sache von Michael Feistle. Heute schießt er keine mehr, wirft dafür aber um so mehr: Feistle ist jetzt in Colorado Springs, USA, Vize-Weltmeister im Goalball geworden.

Goalball? Noch nie gehört? Das traf auch auf Feistle selber zu, als er das Torball-Spiel vor drei Jahren kennen gelernt hat.

Feistle ist 18 Jahre alt und kommt aus Kelz, Gemeinde Vettweiß. Zur Schule geht er in Marburg, auf das Internat der Carl-Strehl-Schule. Die Schule bietet sehbehinderten Schülerinnen und Schülern besondere Förderung im Schwerpunkt „Sehen”. Außerdem gehört zur Carl-Strehl-Schule das einzige Gymnasium für blinde und sehbehinderte Schülerinnen und Schüler im deutschsprachigen Raum. Feistle wohnt dort in einer selbstständigen Wohngruppe, bei der zwei Mal die Woche ein Betreuer vorbeikommt, um nach dem Rechten zu sehen.

„Eigentlich kommt er nur, um zu sehen, ob wir das Haus auch stehen lassen”, sagt Feistle und lacht. Ab und zu reist er von Marburg nach Kelz, um seine Eltern zu besuchen.

An der Carl-Strehl-Schule wird auch samstags noch unterrichtet, deshalb lohne sich die 250 Kilometer lange Fahrt nicht so häufig. Feistle ist 2009 im Rahmen einer Orientierungswoche nach Marburg gekommen, seitdem spielt er Goalball.

„Ich habe mich einfach informiert, was man dort an Sport machen kann”, berichtet Feistle. Nachdem er einige andere Sportarten ausprobierte hatte, unter anderem auch Blindenfußball, war schnell klar: Goalball ist sein Ding.

Feistle ist von Geburt an blind - sein Sehvermögen liegt bei nur fünf Prozent, er hat sieben Augenkrankheiten. Er nimmt es mit Humor: „Der Mix machts.” Was seine sportliche Karriere betrifft, hat er gut lachen: jetzt steht ein zehntägiges Trainingscamp mit der deutschen Herren-Nationalmannschaft an, bevor es zur Europameisterschaft nach Dänemark geht, um die Qualifikation für die Paralympics im kommenden Jahr zu erreichen.

Der fünfte Platz würde in Dänemark reichen, aber Feistle „will lieber auf Nummer sicher gehen, und versuchen, zu gewinnen.” Schließlich seien die Erwartungen hoch: 2007 holte die Mannschaft den Titel, 2009 wurde sie Dritter.

Marburg ist so etwas wie eine Goalball-Hochburg in Deutschland. Hier haben die beiden Bundestrainer Johannes Günther und Stefan Weil in den letzten drei bis vier Jahren einiges auf die Beine gestellt.

Außerdem gibt es die SSG Blista Marburg, ein Sportverein, mit einer Goalball-Abteilung. Sechs von sieben Nationalspielern spielen und trainieren bei der SSG Blista in Marburg, und beide Nationaltrainer sind gleichzeitig die Trainer des Vereins - ein Vorteil, sowohl für die Spieler als auch für die Trainer.

„Es macht einfach Bock, mit den beiden zu trainieren”, berichtet Feistle. Es werde viel gelacht, und die Spieler hätten ein super Verhältnis zu den Trainern. Beim Training stehe vor allem der Muskelaufbau, Ausdauer- und Krafttraining im Vordergrund, denn Goalball ist ein sehr körperbetontes Spiel. „Mir gefällt das Kämpferische am Goalball sehr gut”, sagt Feistle. Vier Mal pro Woche geht Feistle zum Training. Die Meisterschaftsspiele werden im Turniermodus ausgespielt.

Dann sind rund 250 Leute in der Halle mit dabei. Über mehr Zuschauer würde sich Feistle freuen: „Nur, weil es Blinde spielen, heißt es ja nicht, dass da nichts bei rum kommt.”

Nach dem Abitur möchte Feistle im Wirtschaftsbereich oder im Sportmanagement arbeiten. Ob er studieren möchte, weiß er noch nicht. Goalball sei zwar kein Profi-Sport, mit dem Geld verdient werden könne, „aber es macht Spaß, und das reicht.”

Die Spieler tragen undurchsichtige Brillen

Beim Goalball besteht jede Mannschaft aus drei Spielern. Damit für alle Spieler die gleichen Wettbewerbsbedingungen herrschen - die Spieler haben oft unterschiedliches Sehvermögen - trägt jeder Spieler eine Skibrille mit schwarz gefärbten Gläsern und einer speziellen Polsterung.

Gespielt wird mit einem speziellen Ball, der mit Glöckchen präpariert ist. Auf dem Feld befinden sich Linien, die für die Spieler ertastbar sind und ihnen zur Orientierung dienen.

Nähere Infos unter www.ssg-blista.de und www.kelz-nrw.de.

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