Mit Leidenschaft jüdischen Spuren gefolgt

Von: ale
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Drove. Heinrich Bölls Essay „Die Juden von Drove” aus dem Jahre 1984 gab den Anstoß, dass sich der Geschichtsverein intensiv mit der Geschichte der Juden von Drove befasste. Nach aufwändigen Recherchen wurde am Samstag das Buch „Sie waren Nachbarn, Freunde, Kameraden. Zur Geschichte der Juden von Drove” von Dr. Reiner Nolden, Karl-Josef Nolden und Klaus Schnitzler vorgestellt.

Im Pfarrheim hatten sich interessierte Personen eingefunden, unter ihnen Pfarrer Georg Scherer sowie der Leiter des Schul- und Kulturamtes der Gemeinde Kreuzau, Erich Graßmann. Die weiteste Anreise hatte Dr. Dirk Steen aus Vleteren in Westflandern (Belgien) auf sich genommen, er wurde besonders herzlich begrüßt.

Er hat mit Hilfe des Geschichtsvereins den Stammbaum seiner Frau, die jüdischer Abstammung ist, erforscht. Tatsächlich konnte man belegen, dass die Ururgroßmutter seiner Frau 1786 in Drove getauft wurde - das ist auch im jetzt erschienenen Buch nachzulesen. Man spürte aus den Vorträgen der drei Autoren, mit welcher Leidenschaft sie den Spuren der früheren jüdischen Mitbürger gefolgt sind.

Karl-Josef Nolden wusste lebhaft von Telefonaten zu erzählen, die er bis vor wenigen Jahren mit einem sehr betagten Juden namens Hirschfeld geführt hat. Dieser hatte seine Kindheit in Drove verbracht, war als Jugendlicher der Verfolgung entkommen und hätte im hohen Alter am liebsten „in Drover Platt” mit Karl Josef Nolden gesprochen.

Klaus Schnitzler, der jahrelang Archive durchsucht, Akten und Urkunden studiert hat, um sich ein Bild der jüdischen Familien in seiner Heimat zu machen, belegt in dem lesenswerten Buch, dass in Drove auffällig viele Juden gelebt haben, und zwar in echter Integration, in einem völlig normalen Zusammenleben mit den Christen. Aus dem 18. Jahrhundert gibt es hierzu kaum Aufzeichnungen, da erst mit der französischen Besatzung 1799 die ersten Bürgerlisten erstellt wurden.

Dr. Rainer Nolden, der im Stadtarchiv von Trier tätig ist und den die Geschichte der Drover Juden seit jeher interessierte, schrieb unter anderem einen Beitrag, der die Historie der Juden im Rheinland und speziell die der jüdischen Gemeinde in Drove beschreibt.

Über seine Motivation sagt er: „Wir stellen hiermit die Ergebnisse in der Hoffnung vor, dass sie nicht das gleiche Schicksal erleiden, wie die meisten Grabinschriften auf dem jüdischen Friedhof von Drove, die bereits für immer vergangen und verloren sind.” Das reich bebilderte Buch ist im Verlag Hahne und Schloemer mit 750 Exemplaren erschienen und zum Preis von 9,95 Euro beim Geschichtsverein Drove erhältlich.

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