Düren - „Mit dem Stress kommt die Ruhe”

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„Mit dem Stress kommt die Ruhe”

Von: Sandra Kinkel
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Zapfen, was das Zeug hält: Je
Zapfen, was das Zeug hält: Jennifer Dreßen arbeitet seit elf Jahren im großen Ausschankbetrieb ihrer Eltern auf Rummelplätzen in ganz Deutschland. „Etwas anderes wäre für mich nie in Frage gekommen.”

Düren. Jennifer Dreßen muss Nerven wie Drahtseile haben. Und ein absolut sonniges Gemüt. Und absolut multitaskingfähig sein. Es ist Dienstag Abend auf der Annakirmes, 21.30 Uhr. Die 27-Jährige hat vor ziemlich genau elfeinhalb Stunden angefangen zu arbeiten und ist immer noch allerbester Laune. Jennifer Dreßen arbeitet im großen Ausschankbetriebes ihres Vaters, genauer gesagt in der legendären Karussellbar. Und das seit ihrem 16. Lebensjahr.

Jennifer Dreßen zapft Bier. Und sorgt zwischendurch auch noch dafür, dass die Gläser für Cola, Limo und Wein nicht leer werden.

Von einem Sieben-Minuten-Pils kann Jennifer Dreßen nur träumen. Sie zapft im Akkord. „Ich weiß nicht, wie lange ich für ein Pils brauche”, lacht die junge Frau. „Zwischendurch auf die Uhr gucken kann ich wirklich nicht.” Aber ich. Fünf Sekunden hält Jenny, wie sie von ihren Kollegen genannt wird, ein Glas unter den Zapfhahn, dann kommt das nächste. Der Hahn geht nie aus, das Bier fließt quasi ununterbrochen. In Windeseile baut Jennifer Dreßen eine Pyramide aus vollen Biergläsern. Fünf Stockwerke sind dabei das Maximum.

Die Gläser werden von Kellnern zu den durstigen Kirmesbesuchern gebracht. Zwischendurch hat die junge Wirtin Bestellzettel im Blick, lacht und plaudert mit den Gästen und nimmt auch noch Bestellungen auf. „Noch ist es ja gar nicht voll”, sagt sie, obwohl die Bude brummt und sich immer mehr Menschen um die Theke drängeln. „Voll ist es erst, wenn überhaupt keiner mehr rein passt.” Und dann, so Jenni, fange die Arbeit auch erst richtig an, Spaß zu machen. „Mit dem Stress kommt die Ruhe. Dann kann ich mich erst so richtig konzentrieren.”

Mittlerweile haben sich drei Männer an der Theke aufgebaut und erzählen Witze, ziemlich deftige. „Das ist kein einfacher Job für eine Frau”, sagt Jennifer Dreßen, „man muss sich schon einiges anhören. Und eindeutige Angebote gibt es auch. Man muss einfach sehr tough sein. Und auch schon mal weghören können. Sonst geht man unter.” Für Jennifer Dreßen ist das kein Problem, im Gegenteil. Ihre Augen funkeln, wenn sie den Männern Paroli bietet - und der Zapfhahn läuft immer noch. „Grundsätzlich sind die Dürener aber ganz nette Menschen. Ich bin wirklich immer furchtbar gerne hier.”

Jennifer Dreßen liebt ihren Beruf, auch wenn sie zu Kirmeszeiten täglich 15, 16 Stunden arbeitet. Denn auch die Tochter des Chefs hilft wie alle anderen beim nächtlichen Aufräumen, wenn die Kirmesbesucher längst im Bett sind. „Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Wir sind ein Familienunternehmen, und hier ist mein Platz.” Sprichts und zapft weiter. Aber nicht ohne sich zwischendurch ein Gummibärchen in den Mund zu schieben. „Die müssen einfach sein”, sagt Jennifer Dreßen. „Das ist meine ganz persönliche Nervennahrung.” Und die kommt heute bestimmt auch zum Einsatz. Denn donnerstags sind auf dem Rummel besonders viele Gruppe und Betriebe unterwegs. „Das ist wirklich unser Großkampftag”, sagt Jennifer Dreßen. „Und dann wird es hier so richtig voll. Ich freu mich schon drauf.” Sohn freut sich, wenn Mama wieder Zeit hat

Jennifer Dreßen ist 27 Jahre alt und Mutter eines vierjährigen Sohnes. „Der freut sich, wenn die Annakirmes vorbei ist”, lacht die junge Frau, „weil ich dann wieder Zeit für ihn habe.”

Wenn sie nicht arbeiten muss, ist Jennifer Dreßen kein großer Kirmesgänger. „Ich bin dann sehr froh, wenn ich einmal nichts hören muss, sondern einfach nur mal ein bisschen Zeit für mich habe und entspannen kann.”
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