Düren - Mit dem Rollstuhl in die Schule

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Mit dem Rollstuhl in die Schule

Von: Andreas Bongartz
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Die Integration von Kindern und Jugendlichen im Rollstuhl an den allgemein bildenden Dürener Schulen gestaltet sich mitunter schwierig, viele Einrichtungen haben keinen Fahrstuhl im Haus. Foto: Archiv/ddp

Düren. Der Zwölfjährige Nicholas hat einen besonderen Stand in seiner Klasse an der Realschule Wernersstraße. Er ist der Klassenbeste, vor allem Mathe und Sprachen liegen ihm, in Englisch hat er eine eins. Und Nicholas hat das Asperger-Syndrom, eine leichte Form des Autismus.

Dass Nicholas ganz normal am Unterricht teilnehmen kann, war aber gar nicht so einfach. Für die Aufnahme an einer Regelschule musste seine Mutter lange kämpfen, die meisten Schulen waren nicht bereit, ihren Sohn zu unterrichten. Man nehme kein Kind auf, das für die anderen Schüler Stress bedeute, hieß es etwa an einem Gymnasium.

Wenn Eltern von Kindern mit Behinderung eine integrative Beschulung für ihr Kind wünschen, stoßen sie oftmals auf Probleme. Sei es nun Widerstand seitens der jeweiligen Schule, oder sei es, dass die Rahmenbedingungen für einen gemeinsamen Unterricht mit Kindern ohne Beeinträchtigung fehlen. Dies soll nun bald der Vergangenheit angehören: Deutschland hat in diesem Jahr die UN-Konvention über die Rechte Behinderter ratifiziert, wonach allen Schülern mit einem geistigen oder körperlichen Handicap das Recht zugesprochen wird, zusammen mit ihren gesunden Altersgenossen unterrichtet zu werden. Bis 2011 soll das umgesetzt werden.

Wie sieht es derzeit an Dürener Schulen mit integrativem Unterricht aus? Eine Reihe von Schulen bieten so genannten Gemeinsamen Unterricht an (siehe Infobox), dort gibt es extra für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung einen Sonderpädagogiklehrer, außerdem werden die Kinder mehrere Stunden von Förderschulkräften betreut.

Die Heinrich-Böll-Gesamtschule unterrichtet momentan 13 sprach- und lernbehinderte Kinder im Gemeinsamen Unterricht. Bei anderen Beeinträchtigungen könnte es allerdings problematisch werden, gibt Schulleiter Hermann Josef Geuenich zu: „Mit blinden Kindern haben wir keine Erfahrung.” Mit Kindern im Rollstuhl ginge es gar nicht. „Die meisten Räume sind nur über Treppen zu erreichen.”

Ein Problem, das es in vielen Schulen gibt, so auch am Stiftischen Gymnasium. Das bietet zwar keinen Gemeinsamen Unterricht an, nimmt aber von Fall zu Fall Kinder mit Handicaps auf. So habe man bereits hör- und sehbehinderte Kinder unterrichtet, sagt der stellvertretende Schulleiter Herbert Erkner. Durch technische Mittel, Hörgeräte und Mikrofone beispielsweise, könne man diese Beeinträchtigungen gut ausgleichen. Ein schwieriger Fall sei der einer Schülerin gewesen, die nach einem Unfall vom Hals ab querschnittsgelähmt war.

„In diesem Fall hat sich die Feuerwehr sehr verdient gemacht, die sie mit Hilfe eines Raupenfahrzeugs die Treppen hochgeschoben hat.” Ein großer Aufwand, der sich allerdings ausgezahlt hat: „Die Schülerin hat ihr Abitur gemacht, da waren wir alle ganz stolz drauf”, so Erkner.

Diese Probleme würde es am Kreuzauer Gymnasium nicht geben., Schulleiter Wolfgang Röther hat an seiner Schule einen Fahrstuhl. Erfahrungen hat man dort bereits mit einem sehbehinderten Schüler gemacht, für den extra ein Brailleschrift-Drucker zur Verfügung gestellt wurde. Die UN-Konvention sei für ihn vom Ansatz her völlig in Ordnung, sagt Röther. Eine Unterstützung durch Förderschulkräfte sei aber unabdingbar, um den behinderten Kindern voll gerecht zu werden.

Dass sich mit der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen der Unterricht an allgemeinbildenden Schulen in den nächsten Jahren ändern wird, davon geht Schulrätin Kathleen Schmiegel aus: Der Gemeinsame Unterricht würde weiter ausgebaut werden. Bereits jetzt schon werde er jedes Jahr erweitert, dem müssten die Schulen Rechnung tragen. „Einige Schulen müssen nachgerüstet werden. Gleichwohl kann es eine umfassende Barrierefreiheit an allen Schulen nicht geben.
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