Düren - Mit 35 wieder auf die Schulbank

Mit 35 wieder auf die Schulbank

Von: Sandra Kinkel
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Marcel Esser ist 35 Jahre alt und drückt wieder die Schulbank. Er macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker in Gürzenich - gefördert von der Agentur für Arbeit. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Marcel Esser ist im zweiten Lehrjahr. Im März 2014 macht er seine Abschlussprüfung als Fachinformatiker. Das ist zunächst nichts Ungewöhnliches. Aber Marcel Esser aus Mariaweiler ist 36 Jahre alt, wenn er seine Ausbildung abschließt. Die Ausbildung zum Fachinformatiker ist nicht seine erste Ausbildung.

Der zweifache Vater ist ausgebildeter Kfz-Mechatroniker. „Nach der Ausbildung“, erzählt Marcel Esser, „habe ich zunächst auf die Kinder aufgepasst, weil meine damalige Frau selbstständig war. Und nach drei Jahren habe ich den Sprung zurück in den Beruf nicht geschafft.“

Schon damals wollte Esser eine Umschulung machen, die ist ihm seinerzeit aber nicht bewilligt worden. Esser hat als Fahrer für Krankentransporte und ungelernte Kraft für eine IT-Firma gearbeitet. „Das hat mir irgendwann nicht mehr gereicht“, so Esser. „Ich wollte in der IT-Branche arbeiten. Und ich wollte eine abgeschlossene Ausbildung.“

Unterstützt von der Agentur für Arbeit hat er bei der Dürener Firma NETsec eine auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung zum Fachinformatiker begonnen. Sein Ausbilder Patrick Ghys ist fünf Jahre jünger, Chef Manuel Zimmermann ein Jahr. „Das ist überhaupt Problem“, sagt Patrick Ghys. „Wir begegnen uns auf Augenhöhe.“

„Die Ausbildung ist der Schlüssel zum Schutz vor Arbeitslosigkeit“, sagt auch Sabrina Reichler von der Agentur für Arbeit. „Und in den jungen Erwachsenen steckt viel Potenzial.“ Das sieht auch Manuel Zimmermann so. Und nennt noch andere Vorteile von älteren Lehrlingen. Übrigens arbeiten in dem Gürzenicher Unternehmen drei Azubis, die älter sind als 30 Jahre.

Zimmermann: „Ältere Auszubildende wirken beim Kunden seriöser. Und ihr gesamtes Sozialverhalten ist deutlich besser als das vieler 16-Jährigen.“ In ihrer Firma, so Ghys, sei selbstständiges Arbeiten gefragt. „Und die Azubis müssen auch schon einmal am Wochenende mitarbeiten oder abends ein Buch lesen, um sich Inhalte selbst zu erarbeiten.“

Für Marcel Esser ist das alles kein Problem. Im Gegenteil: „Ich gehe auch gerne zur Berufsschule. Das war früher ganz anders. Aber jetzt weiß ich, wie wichtig das Lernen ist.“ Nach seinem Abschluss hat der 35-Jährige gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Fachkräfte werden im IT-Bereich überall gesucht.

Seine Firma hat bis jetzt immer alle Azubis nach der Lehre übernommen. „Ich bin froh, die Chance zu dieser Ausbildung bekommen zu haben“, sagt er. „Auch wenn ich jetzt natürlich weniger Geld zur Verfügung habe, es war die absolut richtige Entscheidung.“

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