Düren - Merkener Wirt: „Wir haben mit Neonazis nichts am Hut”

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Merkener Wirt: „Wir haben mit Neonazis nichts am Hut”

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Der Merkener Wirt Hans-Peter Vitzer. Foto: inla

Düren. Hans-Peter Vitzer schäumt auch am Dienstag, fast zehn Tage nach dem Vorfall, noch vor Wut. „Unmöglich ist das, ich bin hinterrücks reingelegt worden.” Vitzer, 63, haut mit der flachen Hand auf den Tisch. „Was haben diese Leute uns da nur angetan?”

Und dann erzählt der Gastronom seine Geschichte: Ein paar Tage vor dem 23. Mai erhält er einen Anruf. „Sie vermieten doch einen Saal”, sagt eine freundliche Stimme.

„So ist es”, sagt Vitzer und vereinbart einen Gesprächstermin mit dem Mann. Der kommt wenig später mit einer Begleitung, beide gut gekleidet und nett, wie Hans-Peter Vitzer sich erinnert.

Sie wollen den Saal für ein Treffen mieten, ein Treffen „der Kameraden Aachener Land”, so gibt es Vitzer wieder.

Die kennt er nicht. Ob sie etwas mit der Bundeswehr zu tun hätten, fragt er die Männer. So ähnlich, hätten sie gesagt. „Ich dachte, es seien so etwas wie Reservisten”, sagt Vitzer.

Er vermietete seinen Saal. Als dann am besagten Samstag die „ersten drei Männer” in seine Merkener Kneipe kamen, wusste er Bescheid. „Sie trugen Kampfstiefel, Kampfjacken, viele mit Glatze.”

Wenig später rief ein befreundeter Polizist bei Vitzer an. Der Beamte war von Nachbarn informiert worden. Vitzer erzählte, er sei getäuscht worden.

Sofort stellte er seine Gäste zu Rede. Nach Angaben der Antifa Düren handelt es sich unter anderem um Mitglieder der Kameradschaft Aachener Land.

Landrat Wolfgang Spelthahn bestätigt, dass es um ein Treffen von Leuten der rechtsextremen Szene ging. Seine Behörde sei im Vorfeld nicht informiert gewesen. Während des Treffens, das friedlich blieb, hielten sich Zivilpolizisten in Vitzers Kneipe auf.

Bis zum heutigen Tag hat der Gastronom unter den Folgen zu leiden. „Letzte Woche hatten wir kaum Gäste. Ich habe doch nicht gewusst, an wen ich da vermiete. Und als die einmal da waren, ist es zu spät gewesen.”

Täglich erhalte er Anrufe, im Dorf würden seine Frau und er geschnitten. Vitzer: „Ich will mich ausdrücklich bei der Bevölkerung entschuldigen. Wir sind hintergangen worden. Mit Rechtsextremen haben wir nichts, aber auch gar nichts am Hut.”

Die rechte Szene sucht offenbar derzeit nach einem Versammlungsort. Eine in der Vergangenheit genutzte Kneipe ist mittlerweile geschlossen.
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