Düren - Mehrsprachigkeit kann Bereicherung oder Belastung sein

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Mehrsprachigkeit kann Bereicherung oder Belastung sein

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Diplom-Sprachheilpädagogin Ursula Pelzer, Diplom-Psychologe Stephan Floß, Logopädin Sarah Rixen und Oberarzt Dr. med. Stefan Grothe stehen als Gesprächspartner zur Verfügung. Foto: ctw

Düren. Das Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) am St. Marien-Hospital informiert anlässlich des europäischen Tags der Logopädie über mehrsprachige Entwicklung bei Kindern: Das Aufwachsen mit zwei oder mehr Sprachen ist für viele Kinder und ihre Familien Alltag.

Das Phänomen Mehrsprachigkeit ist so vielfältig wie die Menschen, die sie leben. So trennt eine Familie die Sprachen konsequent nach Personen oder Situationen, andere Familien mischen die Sprachen bunt.

Vielfältige Faktoren

Mehrsprachigkeit kann sowohl als Bereicherung als auch als Belastung erlebt werden. In einer Sprache fühlen sich Familien wohl und heimisch, in der anderen Sprache nicht. Die sprachliche Entwicklung wird von vielfältigen Faktoren beeinflusst, unter anderen Emotionen, soziale Umgebung, eigene Ressourcen, Förderung durch Eltern und Institutionen. So verwundert es nicht, dass einige Kinder mehrere Sprachen mühelos erlernen, während es anderen Kindern schwerfällt.

Im SPZ am St. Marien-Hospital werden zunehmend Kinder vorgestellt, die Auffälligkeiten in der mehrsprachigen Entwicklung zeigen. Grundsätzlich stellt sich hier im Rahmen der Diagnostik die Frage, ob eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt oder ein Sprachdefizit, weil das sprachliche Angebot oder die sprachliche Förderung fehlt. Entsprechend müssen die Therapeuten klären, ob eine spezifische Therapie notwendig ist oder ob eine allgemeine Sprachförderung, wie sie zum Beispiel in den Kindergärten mittlerweile flächendeckend angeboten wird, ausreicht.

Die Beantwortung dieser auf den ersten Blick einfachen Frage ist auch für die Fachleute nicht immer leicht, wird jedoch in den letzten Jahren durch einen großen Erfahrungsschatz und neue wissenschaftliche Erkenntnisse präziser möglich. Ein Anhaltspunkt ist der Wortschatzspurt, der in allen Sprachen zwischen dem 18. und 24. Lebensmonat erfolgt.

Frühzeitig reagieren

Sprechen Kinder im Alter von zwei Jahren weniger als 50 Wörter, ist dies ein Hinweis auf eine Sprachentwicklungsstörung, auf die möglichst frühzeitig reagiert werden sollte. Dabei sollten im ersten Schritt eine medizinische Abklärung und eine Sprachdiagnostik erfolgen. Daran anschließend kann bei Bedarf entsprechend den Bedürfnissen von Kind und Familie aus verschiedenen Möglichkeiten ausgewählt werden, wie etwa Schulungen der Eltern (z. B. Heidelberger Elterntraining) oder Teilnahme an einem Eltern-Kind-Programm.

Im Sozialpädiatrischen Zentrum am St. Marien-Hospital hat sich das Eltern-Kind-Programm etabliert: Hier treffen sich Eltern und Kinder unter Leitung von zwei Sprachtherapeutinnen einmal wöchentlich im Rahmen der sogenannten Late-Talker-Gruppe. In Anlehnung an Christoph Kolumbus, den Entdecker Amerikas, hat die Gruppe den Namen „Columbinis“, im Sinne von „gemeinsam auf dem Weg zur Entdeckung der Sprache“.

Auf spielerischem Weg

Die Eltern erleben gemeinsam mit ihren Kindern auf spielerischem Weg in einer Kleingruppe von sechs Kindern, wie Sprachförderung aussehen kann. Hilfestellung leistet dabei auch „Ko-Therapeut Nili“ – eine Nilpferd-Handpuppe. Dabei ist für die Sprachtherapeutinnen das gemeinsame Erleben von Eltern und Kind ein zentraler Baustein der Sprachförderung. Im geschützten Rahmen wird die Kompetenz der Eltern hinsichtlich der Sprachförderung gestärkt.

Für nähere Informationen stehen die Therapeuten des Fachbereichs Sprachtherapie gerne zur Verfügung. Ansprechpartnerinnen sind Ursula Pelzer, Telefon 02421 805-285 oder per E-Mail: upelzer.smh-dn@ct-west.de, und Sarah Rixen, Telefon 02421 805-2798 oder per E-Mail: srixen.smh-dn@ct-west.de.

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