Düren - Mehr Lehrer, mehr Ansehen

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Mehr Lehrer, mehr Ansehen

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:

Düren. Die meisten Hauptschulleiter sehen für ihre eigene Schulform keine Zukunft. Hiesige Pädagogen wünschen sich vor allem eines: bessere Unterstützung.

Stefan Wernerus muss nicht lange überlegen. „Die Politik müsste anders mit uns umgehen”, sagt der Leiter der St.-Josef Hauptschule im Dürener Süden. „Dann hätte unsere Schulform auch eine Perspektive.”

Mehr als 90 Prozent aller Hauptschulleiter in NRW glauben nach einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) nicht an eine Zukunft ihrer eigener Schulform. Wie VBE veröffentlichte, gehen nur 8,9 Prozent der Hauptschulleiter und 10,8 Prozent der Lehrer davon aus, dass die Hauptschule als eigenständiger Bildungsgang erhalten bleibt.

Stefan Wernerus, 39, wundert das nicht. Die Hauptschulen brauchten ein besseres Ansehen und vor allem mehr Lehrer. Zwar habe die Landesregierung eine Qualitätsoffensive ausgerufen, die unter anderem eine Aufstockung des Personales vorsehe. Angekommen sei an seiner Schule freilich nicht viel, sagt Wernerus.

Im Schnitt sind die Klassen an der St.-Josef-Hauptschule 27 Schüler stark. Es gibt aber auch Klassen mit 32 Schülern. „Ideal wären 20”, sagt der Pädagoge.

Verbessern, „und zwar deutlich”, müsste sich auch die Arbeit der Eltern. An seiner Schule liege der Migrantenanteil bei 80 Prozent. „Viele kümmern sich nicht um die Schullaufbahn ihrer Kinder.” Von etwa 70 Jugendlichen, die in diesem Sommer einen Abschluss gemacht haben, fanden „zehn bis 15 einen Ausbildungsplatz”. Das sei relativ wenig, sagt Wernerus, an anderen Schulen sehe das anders aus.

Christian Frings, Leiter der Hauptschule in Vettweiß, sieht die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für seine Schüler entspannter, was aber auch daran liege, „dass wir in einem ländlichen Gebiet liegen”. Dass Hauptschulen keinen guten Ruf haben, weiß er. „Sie werden schlecht geredet”, sagt Frings, 64. „Hauptschulen sollten eine Zukunft haben, sie haben es aber wohl nicht.” Mit dem Projekt „Berufseinstiegsbegleitung” sollen Schüler gezielt unterstützt werden, zudem gebe es weitere Angebote, um Schülern den Schritt in eine Ausbildung zu erleichtern. „Wir bieten jede erdenkliche Hilfe”, sagt auch seine Konrektorin Hannelore Böhr und nennt das Programm „Startklar”, bei dem Schüler ihre beruflichen Kompetenzen testen können.

Für Heidemarie Hardacker, Leiterin der Hauptschule in Birkesdorf, ist das Ergebnis der VBE-Umfrage „erschreckend”. Die ständigen negativen Diskussionen schadeten den Hauptschulen, „die doch viel näher an den Schülern dran sind als die meisten anderen Schulen”. Wenn Hauptschulen „mit all ihren Förderprogrammen” der Boden entzogen würde, wer „würde die Schüler dann auffangen?” Die Pädagogin wünscht sich mehr Unterstützung, „Lehrer etwa”. Sie stehe hinter der Hauptschule, „bis zum Ende, wie immer das Ende auch aussehen mag”.
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