Mehr Dürener trennen sich von ihren Waffen

Von: Andreas Bongartz
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Düren. Am vergangenen Donnerstag war es wieder einmal so weit, ein Transporter machte sich von der Asservatenkammer der Dürener Polizei auf den Weg zum Landesamt für zentralpolizeitechnische Dienste in Duisburg.

An Bord eine brisante Fracht: An die 400 Gewehre und Pistolen sowie weitere verbotene Waffen rollten ihrer finalen Bestimmung, dem Hochofen entgegen. Eine von zwei jährlichen Verschrottungsaktionen der Dürener Polizei, wobei die Zahl der unbrauchbar gemachten Waffen dieses Mal weitaus höher ausfiel, denn üblicherweise liegt diese im Schnitt bei etwa 200 bis 300. Der Grund: Bei der Dürener Polizei melden sich mehr Bürger, die ihre Pistolen, Revolver oder Gewehre abgeben wollen.

So wurden dort in den ersten drei Monaten diesen Jahres bereits 89 Waffen abgegeben, während es im ersten Quartal 2008 nur 49 Waffen waren, wie Polizeisprecher Willi Jörres auf Anfrage mitteilt. Erklären kann man sich diesen Anstieg bei der Polizei nicht wirklich, es liegt allerdings ein Verdacht nahe: „Wir vermuten, dass den Leuten durch die Ereignisse von Winnenden bewusst geworden ist, dass sie zu Hause noch Waffen rumliegen haben, wo vielleicht etwas passieren könnte”, meint Jörres.

Eine Vermutung, die Helmut Kranz, Verwaltungsangestellter des Kreises und bei der Polizei für die Asservation zuständig, bestätigen kann: „Mittlerweile kommen hier und da Leute zu uns, die ihre Waffen wegen dem Amoklauf in Winnenden abgeben wollen.”

Auch im Waffengeschäft Braun in Hambach kann man feststellen, dass mehr Waffen abgegeben werden: „Der Trend geht schon nach oben”, sagt Ingrid Braun. Sie gibt allerdings zu bedenken: „Ich denke, dass viele, die ihre Waffen abgeben, noch keine Waffenschränke haben.”

Denn mit der gesetzmäßig vorgeschriebenen sicheren Aufbewahrung von Waffen sind erhebliche Kosten verbunden, wie Oberkommissar Karl-Heinz Kupsch, bei der Dürener Polizei für das Waffenwesen zuständig, zu berichten weiß: „Der einfachste Waffenschrank kostet 200 Euro, ein Blockiersystem schlägt mit 150 Euro pro Waffe zu Buche. Diese Kosten sind sicherlich auch eine Motivation, Waffen, die vorher ein tolles Erinnerungsstück waren, abzugeben.” Es sind nämlich weniger Sportschützen oder Jäger die ihre Waffen abgeben, als vielmehr solche, die über ein Erbe in den Besitz dieser gekommen sind.

Es sind auch diese „Uraltrückbestände” die Kupsch in punkto sicherer Aufbewahrung Kopfschmerzen bereiten. „Wir sprechen diese Leute an, suchen sie auf und überprüfen die Waffenaufbewahrung.” Und vielleicht ist eben diesen Leuten aufgrund der Ereignisse von Winnenden und Landshut auch bewusst geworden, dass es sicherer ist, ihre Waffen bei der Polizei abzugeben.
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