alemannia logo frei Teaser Freisteller

Mehr als 12.000 Notrufe in einem Monat

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
6208392.jpg
Die Leitstelle der Polizei sitzt in der 4. Etage. Aber nicht nur deshalb hat Frank Lüttgen einen guten Überblick über die ankommenden Notrufe. Foto: Burkhard Giesen

Kreis Düren. Es ist ein Notfall. Sie rufen die 110 an. Es klingelt. Und klingelt. Und niemand geht dran. Ein Einzelfall? Nicht unbedingt. Im Bereich des Polizeipräsidiums Aachen beispielsweise sind im Jahr 2012 insgesamt 161.754 Notrufe eingegangen. Davon gelten 6776 Anrufe als so genannte „verlorene“ Notrufe, weil die Anrufer nach fünf Sekunden Wartezeit wieder aufgelegt haben.

Nach 20 Sekunden Wartezeit waren es immerhin noch 3515 Anrufer. Mit anderen Worten: pro Tag wurden im Jahr 2012 im Polizeipräsidium Aachen zehn Notrufe auch nach 20 Sekunden von der Leitstelle nicht angenommen. Einzelfälle?

„Wir nehmen jeden Notruf ernst und nehmen jeden Notruf an“, bekräftigt Willi Jörres, Sprecher der Kreispolizeibehörde in Düren. Und die Zahlen für Düren bestätigen das. „Im Schnitt“, sagt Jörres, laufen unter der Nummer 110 in der Leitstelle jeden Monat 5200 Anrufe ein.“ Die Tendenz sei allerdings eher steigend. Das wird auch bei den aktuellen Zahlen für 2013 deutlich.

Lag man im Januar bei 4806 Notrufen, waren es im Juli genau 6196. Im ersten Halbjahr hat die Polizei für den Kreis Düren 220 „verlorene“ Notrufe gezählt, also 1,2 Notrufe am Tag. Deutlich weniger, als beispielsweise im Polizeipräsidium Aachen.

Dass es überhaupt zu diesen unbeantworteten Notrufen kommt, dafür hat Jörres eine simple Erklärung: „Natürlich hat das auch was mit dem Anruferverhalten zu tun. Es gibt Anrufer, die es nur kurz klingeln lassen und dann wieder auflegen. Und es gibt Spaßanrufer.“ Letztere sollten vorsichtig sein: Selbst wenn man zum Beispiel auf seinem Mobiltelefon die Rufnummernübermittlung unterdrückt, kann die Rufnummer bei der Polizei dennoch erkannt werden. Und das hat Folgen: Anfang August hat die Staatsanwaltschaft Aachen wegen Missbrauch von Notrufen in insgesamt 51 Fällen ermittelt.

Eine weitere Erklärung dafür, dass es zu unbeantworteten Notrufen kommen kann, ist ebenso simpel: Kommt es zu einem Ereignis, bei dem Zeugen den Notruf wählen, sind es im Vergleich zu Zeiten, als Mobiltelefone noch nicht so weit verbreitet waren, heute deutlich mehr Anrufer, die zeitgleich versuchen, Polizei oder Feuerwehr zu alarmieren. Die deutliche Steigerung bei den Notrufzahlen zwischen Januar und Juli hingegen hat einen ganz anderen Grund. Die Polizei hat in den letzten Monaten die Bürger gezielt dazu aufgefordert, auch bei vermeintlich weniger wichtigen Delikten wie zum Beispiel Einbrüchen sich direkt an die 110 zu wenden. Willi Jörres: „Nach unseren Feststellungen wird das auch mehr und mehr angenommen.“ Von etwa 0,5 Prozent „verlorenen“ Anrufen geht man bei der Leitstelle der Feuerwehr im Kreis Düren aus.

So wurden zum Beispiel aktuell im August 5929 Notrufe über die 112 abgesetzt. Auch hier gilt: Etwa ein Notruf am Tag kann nicht beantwortet werden – aus ähnlichen Gründen wie bei der Polizei. Und auch bei der Feuerwehr hat man mit „Spaßanrufen“ zu kämpfen. Walter Weber von der Leitstelle: „Wir achten sehr darauf, dass die Notrufe abgefragt werden.“ Wichtig ist noch ein anderer Punkt: „Sind alle 112-Leitungen im Kreis Düren belegt, gehen die Notrufe automatisch zu den Nachbarleitstellen“, erklärt Josef Kreutzer, Sprecher der Kreisverwaltung. Und: „Eine klassische Überlastung in einem Ortsnetz ist im Kreis Düren nicht möglich, da bei der Leitstelle aus allen Gemeindebereichen Notrufleitungen aufgeschaltet sind.“

Dass das System mit den beiden Notrufen 110 und 112 reibungslos funktioniert, dafür spricht noch ein weiterer Punkt: „Uns ist kein einziger Fall im Kreis Düren bekannt, wo bei einem nicht angenommenen Notruf dem Anrufer etwas zugestoßen wäre“, erklärt Willi Jörres.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert