Düren - Medizinischer Kampf gegen die Uhr auf der Schlaganfall-Station

Medizinischer Kampf gegen die Uhr auf der Schlaganfall-Station

Von: Burkhard Giesen
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Foto: Burkhard Giesen
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Düren. Als es passierte, saß Bodo Mattonet im Garten. Das Datum hat sich bei ihm eingeprägt. Es war der 25. August 2011. „Ich saß im Garten und wollte aufstehen”, sagt Mattonet. Vom Liegestuhl aus mit dem Arm zum Tisch greifen - eigentlich kein Problem. „Aber mein linker Arm funktionierte nicht mehr”, erinnert sich der 76-Jährige.

Als er seine Frau um Hilfe bat, sah sie, dass Mattonets linker Mundwinkel beim Sprechen schief war. Sie reagierte sofort und rief den Notarzt. Die erste Diagnose: Verdacht auf Schlaganfall. „Wir wohnen 300 Meter vom städtischen Krankenhaus entfernt. Da wollte ich natürlich hin”, sagt Mattonet. Es kam aber anders. „Die Notärztin sagte, dass es im Augustinus-Krankenhaus eine Spezialabteilung für Schlaganfall-Patienten gibt und sie mich lieber da hinbringen würde. Ich habe der Notärztin in dieser Situation einfach vertraut”, berichtet Mattonet. Heute weiß er, dass es die richtige Entscheidung war.

Seit dem Jahr 2007 gibt es die Spezialstation bereits, seit Mitte letzten Jahres ist die Station mit vier Betten als so genannte „Regionale Stroke Unit” anerkannt und zertifiziert. „Ein Schlaganfall ist sehr komplex und eben nicht nur ein bisschen Durchblutungsstörung im Gehirn”, sagt Dr. Herbert Wilmsen, Leiter der Abteilung. In der Schlaganfallstation arbeiten die Ärzte nach vorgegebenen Standards, fixiert auf 150 Seiten, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft erstellt wurden.

Für die wichtigste Erkenntnis muss man keinen Blick ins Handbuch werfen: Es muss schnell gehen. „Die medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln ist nur in den ersten drei bis vier Stunden möglich”, erklärt Dr. Wilmsen. Rechnet man die Zeit vom Schlaganfall bis zur Einlieferung auf der Station ab, ist es für die Mediziner ein Kampf gegen die Uhr, um alle nötigen Untersuchungen durchzuführen und die richtige Diagnose zu stellen. Wilmsen: „Wir sehen nach dem Schlaganfall ja auch erst nur die Symptome. Das kann eine Lähmung sein, eine Sprachstörung oder ein Gesichtsfeldausfall. Unsere Aufgabe ist es, die Ursache zu erkennen. Es kann das Herz sein, eine Verstopfung der Halsschlagader oder von kleinen Hirngefäßen. Bei jüngeren Menschen können es aber auch hormonelle oder genetische Störungen sein. Das zu differenzieren, ist unser Job.” Und dafür haben die Mediziner direkten Zugriff auf alle notwendigen Geräte. Oberarzt Dr. Chhay Heang Lay: „Wir können über ein spezielles Verfahren Herz-Rhythmus-Störungen sofort feststellen und auch Flimmern erkennen, das man in einem normalen EKG nicht sieht.” Hinzu kommen Ultraschall-Untersuchungen, um zu erkennen, ob es zu einer Verengung der Halsschlagader gekommen ist sowie Untersuchungen im Computer-Tomographen. „Je früher wir mit der Behandlung für den Patienten anfangen können, desto besser sind die Heilungschancen”, sagt Dr. Lay. Unter 60 Minuten sollte die Zeit zwischen Eintreffen in der Ambulanz und dem - im übertragenen Sinne - ersten Nadelstich liegen. In Lendersdorf sind es im Schnitt 33 Minuten. Dr. Lay: „Zeit bedeutet nicht anderes als den Erhalt von Gehirnzellen.”

745 Patienten sind in 2011 in der Neurologischen Station des Krankenhauses insgesamt behandelt worden, 450 Patienten durchliefen die „Stroke Unit”. Lässt sich der Erfolg der Arbeit messen? Wilmsen: „Die Zahl der Patienten, die frühzeitig nach Hause können, ist größer geworden und die Zahl derer, die nach einem Schlaganfall ins Heim müssen oder versterben, ist geringer.”

Bei Bodo Mattonet ist im August vergangenen Jahres alles glücklich verlaufen. Er war schnell im Krankenhaus und konnte schnell behandelt werden. „Die Ärzte haben bei der Untersuchung festgestellt, dass ich vorher schon zwei- oder dreimal einen leichten Schlaganfall hatte”, erzählt er. Heute ist er wieder top-fit und voll des Lobes über die Ärzte. Auch die anschließende Reha hat Mattonet in Lendersdorf absolviert. Jetzt freut sich Mattonet wieder auf seinen Garten, in dem er künftig länger sitzen wird: „Ich habe mir selbst Grenzen gesetzt und werde kürzer treten.”

Auch Krankenhäuser in Jülich und Linnich profitieren

Die Dürener „Stroke Unit” ist 2011 zertifiziert worden. Derzeit gibt es in der Station vier Betten. Sie soll im kommenden Jahr auf acht Betten erweitert werden.

Wie erkennt man einen Schlaganfall? Für Laien sei das manchmal schwer einzuschätzen, sagt Dr. Herbert Wilmsen. Ein Beispiel: „Wenn man seinen Arm plötzlich nicht mehr heben kann, ist das nicht normal und sollte sofort den Arzt rufen.

Von dem Know-how der Dürener „Stroke Unit” werden künftig auch die Krankenhäuser in Jülich und Linnich profitieren können. Analog zu einem Projekt in Süd-Ost-Bayern können per Internet die Ärzte direkt mit der Dürener Einrichtung kommunizieren. Das Jülicher Krankenhaus soll als Erstes Zugang zu dem Netzwerk erhalten.

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