Düren - Max fühlt sich wohl. Mit zwei Müttern.

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Max fühlt sich wohl. Mit zwei Müttern.

Von: Burkhard Giesen
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Wo fühlen sich Kinder geborgen? Nur bei Vater und Mutter? Der vierjährige Max aus Düren ist mit zwei Müttern glücklich. Foto: dpa

Düren. In wenigen Wochen wird Max vier. Der Knirps kommt gerade aus dem Kindergarten, wuselt durch die Wohnung, isst ein Stück Kuchen. Neulich war Max mit seiner Mami im Baumarkt, um Sand für den Sandkasten zu kaufen.

„Dann kann dein Papa ja den Sandkasten wieder auffüllen“, sprach der Verkäufer zu Max. Auf der Rückfahrt im Auto hat Max dann zu seiner Mami gesagt: „Der Verkäufer hat sich aber geirrt. Das macht doch die Mama.“ Mami? Mama? Max hat zwei Mütter und findet das ziemlich normal. Die beiden Mütter auch.

So normal, dass die beiden Frauen fast schon das Klischee von der kleinbürgerliche Familie erfüllen. „Wir sind die spießigsten Leute, die man sich vorstellen kann: wir haben ein Häuschen gekauft, ein Kind bekommen und fahren im Urlaub an die Ostsee“, sagt Irene B. (alle Namen von der Redaktion geändert), die in Düren als Ärztin arbeitet.

Ihre Lebenspartnerin Nicole A. hat sie vor sieben Jahren kennengelernt. Der Wunsch, später ein Kind zu haben, war für beide selbstverständlich. „Wir haben beide Geschwister, wir sind keine Scheidungskinder. Der Wunsch war einfach, komplett zu sein“, sagt die Ärztin.

Für Max haben die beiden Frauen eine Lebenspartnerschaft begründet. Das war Voraussetzung für das Adoptionsverfahren. Max ist der leibliche Sohn von Nicole A. Die Anwältin ist vor vier Jahren gemeinsam mit ihrer Frau zu einer Klinik nach Dänemark gefahren. „Das ist eine sehr technokratische Situation. Man muss anhand bestimmter Kriterien den passenden Samenspender aussuchen. Wichtig war uns, dass es jemand ist, der bereit ist, später seine Identität preiszugeben“, erzählt die Anwältin. „Man hat uns dort von Anfang an in einer sehr familiären Atmosphäre das Gefühl vermittelt, dass es unser Kind sein wird“, ergänzt ihre Frau.

Ein Gefühl, dass beide beim Jugendamt der Stadt Düren nicht hatten. Zur vollständigen Familie gehörte für beide Frauen eben auch, dass Irene B. Max adoptieren wollte. „Wenn mir etwas passiert wäre, wäre ein gesetzlicher Vormund bestimmt worden. Das wollten wir verhindern“, sagt Nicole A. Die Begutachtung durch das Jugendamt verlief allerdings anders als erwartet.

„Dem Familiengericht lag eine negative Stellungnahme des Jugendamtes vor. Stattdessen hatte man empfohlen, mit der Adoption noch drei Jahre abzuwarten und zu schauen, ob wir dann noch zusammen sind“, erinnert sich die Dürener Ärztin. Dass die Adoption dennoch geklappt hat, hat das Paar dem Familienrichter zu verdanken. Der hielt die Bedenken für ungerechtfertigt und hat das Jugendamt überstimmt. „Das war offensichtlich der erste Fall dieser Art für das Jugendamt. Wir wissen, dass es nach uns bei Freundinnen vollkommen problemlos gelaufen ist“, berichtet Nicole A.

Max hat inzwischen das dritte Stück Kuchen verdrückt, tollt zwischendurch im Garten herum und guckt immer wieder mal den Mann an, der da mit am Küchentisch sitzt und so viele Fragen stellt. Natürlich muss sich Max damit auseinandersetzen, dass er keinen Vater hat. „Findest du das schlimm?“, haben beide Frauen ihn gefragt. Seine Antwort: „Wenn ich einen Papa hätte, hätte ich ja die Mama nicht mehr.“

Beide Frauen sind von Anfang an in ihrem Freundes- und Verwandtenkreis offen mit der Situation umgegangen. Sie wollten nicht, dass Spekulationen entstehen, wer denn der Vater von Max sein könnte. In der Öffentlichkeit stehen wollen sie dennoch nicht – um Max zu schützen. „Natürlich haben wir manchmal Angst vor dem, was von Außen auf ihn zukommt, dass er vielleicht gehänselt wird“, sagt Nicole A. „Und bestimmt wird er uns auch mal sagen, wie Schei... er das findet.“ Für Irene B. wäre aber auch das ziemlich normal: „Ich habe als Jugendliche auch mal überlegt, meine Eltern zu wechseln“, sagt sie grinsend.

Was macht für beide eine Familie aus? Für die Dürener Anwältin ist das einfach: „Familie ist Sorge und Verantwortung. Unabhängig vom Geschlecht.“ Ein Kind brauche unterschiedliche Charaktere in der Erziehung, aber schließlich seien Kinder von Alleinerziehenden ja auch nicht alle Zombies. Und Sorgen machen sich beide Mütter um ihren Sohn wie in allen anderen Familien auch. Da wird das erste Wort (Tatütata) genau so begeistert aufgenommen, wie man fürsorglich überprüft, ob Max beim Spielen im Garten nicht zu viel Sonne abbekommt.

„Wenn ein Kind ein Wunschkind ist, dann Max“, sagt Irene B. und hofft, dass der Junge in einer Gesellschaft groß wird, die akzeptieren lernt, dass es andere funktionierende Formen von Familie gibt. Ein Problem können beide Frauen für Max allerdings nicht lösen: „Seine Freundin wird später zwei Schwiegermütter haben. Da müssen wir dann alle durch“, sagt Irene B. lachend.

Und wenn er mit einem Freund ankommt? „Ich glaube da müsste ich erst mal schlucken. Aber nur, weil er uns dann verlassen wird. Da wird ein Stich durch mein Herz gehen.“

Wie bei allen anderen Müttern auch.

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