Düren - Martina B.: „Ich hatte panische Angst vor dem Tod”

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Martina B.: „Ich hatte panische Angst vor dem Tod”

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Angst hat viele Gesichter. 10 Millionen Menschen in Deutschland haben Angststörungen, die behandelt werden müssen. Eine Behandlung ist auch in der LVR-Klinik Düren möglich. Ab Montag gibt es eine Ausstellung zum Thema Angst im Bürgerbüro am

Düren. Zuletzt stand jede Woche drei, vier Mal der Krankenwagen bei ihr vor der Tür. Martina B. (Name geändert) hatte Angst. Panische Angst. Vor dem Sterben und vor dem Tod. Die Angst hat die 35-Jährige regelrecht gelähmt. Sie konnte keiner Arbeit nachgehen, kein normales Leben führen.

Seit sieben Wochen wird Martina B. in der LVR-Klinik in Düren behandelt. Und es geht ihr endlich besser.

„Mir ist schlecht”, sagt Martina B. zu Beginn des Gespräches. „Mir ist schlecht, aber ich will meine Geschichte erzählen, um anderen Betroffenen zu helfen.” Martina B. knetet ihre Hände und fängt an zu erzählen. Die Krankheitsgeschichte, von der sie berichtet, ist eine wahre Odyssee. Martina B. ist Angstpatientin, genau wie geschätzte zehn Millionen Bundesbürger hat sie so schlimme Angststörungen, dass sie behandelt werden müssen. Martina B. bekam plötzlich Magenschmerzen, Herzschmerzen, Migräne - und ging zum Arzt. „Jedes Körperteil ist untersucht worden”, erzählt sie. „Ich war beim Herzkatheter, bei der Magenspiegelung. Nie haben die Ärzte etwas gefunden. Ich habe angefangen, an mir selbst zu zweifeln.”

Drei Mal war sie in einer Kur, aber wirklich geholfen hat auch das nicht. „Ich habe vor 15 Jahren in einer Gewaltbeziehung gelebt”, sagt Frau B. „Und ich glaube, dass sich meine Ängste in dieser Beziehung unterbewusst entwickelt haben.”

Das kann sein, muss aber nicht. „Ängste”, so Dr. med. Dipl. Psych. Ulrike Beginn-Göbel, derzeit kommissarische Leiterin der LVR-Klinik in Düren, „können sich auch ohne eine solche Ursache entwickeln.” Angstpatienten, so die Medizinerin, litten unter starken körperlichen Symptomen. „Der Blutdruck steigt, die Leute bekommen Herzrasen, fangen an zu schwitzen, haben Beklemmungen und Atemnot.”

Die Angst versetzt den Körper in höchste Alarmbereitschaft. Dr. Ulrike Beginn-Göbel: „Angstpatienten beobachten ihren Körper sehr genau, haben eine besondere Bereitschaft, sich zu beobachten.” Das führe nicht selten, so die Ärztin, dazu, dass die Betroffenen auch eine Angst vor der Angst entwickeln würden. „Und das ist ein Teufelskreis.” Die Angst von Martina B. ist auch für den medizinischen Laien erklär- und nachvollziehbar. Sie musste miterleben, wie ihr Großvater im Schlaf gestorben ist und wie ihre Mutter nach der Einnahme der falschen Medikamente einen allergischen Schock erlitt. „Danach habe ich mich geweigert, Tabletten einzunehmen. Es ging einfach nicht.”

Bis Martina B. in die Klinik nach Düren gekommen ist. Hier hat sie nach vielen, vielen Jahren ihre erste Tablette genommen. Dr. Ulrike Beginn-Göbel: „Eine Kombination von einer Gesprächs- und einer medikamentösen Therapie ist einfach sehr, sehr sinnvoll. Und natürlich bekommen die Patienten hier bei uns keine Medikamente mit Suchtpotenzial.” Als Martina B. ihre erste Tablette genommen hat, hat sie zwei Stunden vor dem Schwesternzimmer gesessen. „Weil ich Angst hatte, dass etwas passiert. Aber natürlich ist nichts passiert.” Die junge Frau, die aufgrund ihrer schweren Angststörungen seit vier Jahren eine Erwerbsminderungsrente bekommt, fühlt sich in der Klinik in der Meckerstraße sehr wohl.

Das ist für sie ein geschützter Raum, hier hat sie ihre Ängste ziemlich gut im Griff. „Natürlich habe ich immer noch Panikattacken, aber ich kann jetzt damit umgehen.” Martina B. hat in ihrer Therapie gemeinsam mit Dr. Ulrike Beginn-Göbel und Oberärztin Beret Knittel Strategien entwickelt, um ihre Ängste unter Kontrolle zu bekommen. Sie führt Selbstgespräche, hört Musik. „Das hilft mir.”

Sie hat auch schon einige so genannte Belastungstrainings zu Hause in ihrer Wohnung gemeistert, deswegen soll sie auch bald aus der Klinik entlassen werden. Dr. Ulrike Beginn-Göbel: „Das Verlassen der Klinik ist für die Patienten natürlich wieder ein Stressfaktor. Aber wir versuchen einen möglichst fließenden Übergang zu schaffen. Die Patienten müssen auch nach dem Klinikaufenthalt mit der Gesprächstherapie weitermachen.”

Und Martina B. muss auch ihre Medikamente weiter nehmen, vielleicht sogar ihr Leben lang. „Das macht aber nichts”, sagt sie. „Ich habe meine Tabletten akzeptiert.” Martina B. hat es endlich geschafft, ihre Odyssee ist zu Ende.
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