Düren - Martin Schulz' Begeisterung für Europa beeindruckt die Schüler

Martin Schulz' Begeisterung für Europa beeindruckt die Schüler

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:
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Wusste komplizierte Zusammenhänge anschaulich zu erklären: Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments (r.) in der Heinrich-Böll-Gesamtschule.

Düren. Anderthalb Stunden haben am Montag Schülerinnen und Schüler den Ausführungen eines Europapolitikers zugehört. Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, sprach schwierige Themen an, und in der Aula der Heinrich-Böll-Gesamtschule hätte man eine Stecknadel fallen hören, so gebannt waren die Jugendlichen von dem, was Schulz spannend zu berichten wusste.

Sehr ausführlich und ohne abgehoben zu wirken erklärte er zunächst, warum es keinen Sinn macht, wenn europäische Regierungen wieder einzeln und separat mit Großmächten wie China verhandeln. Zu vernünftigen Umweltstandards in der Produktion, zu Klimaschutz und geringerem CO2-Ausstoß lasse sich beispielsweise China nur verpflichten, wenn die Beziehungen mit der gesamten EU und nicht nur mit einem Land auf dem Spiel stehen.

Auch das gefährliche Treiben hemmungsloser Spekulanten, der Hunger in bestimmten Teilen der Welt aufgrund von Vernichtung landwirtschaftlicher Fläche und vieles andere müsse global betrachtet werden. Handel, Klima, Währungsstabilität und Spekulation könne man in den Griff bekommen, „wenn wir uns in Europa zusammenschließen“.

Mehrfach wetterte der prominente Sozialdemokrat gegen „reiche Griechen, die keine Steuern zahlen müssen und in London die teuersten Wohnungen kaufen, während in Athen die Menschen in Mülleimern nach Lebensmitteln suchen“. Und er erklärte auch, was innerhalb Europas falsch gelaufen sei, so dass diese Zustände möglich wurden.

Dass Kompetenzen aus Brüssel zurückverlagert werden müssen in die Länder und Kommunen, verschwieg Schulz keinesfalls. Auch nicht, dass es heutzutage in Deutschland eine gewissen „Europamüdigkeit“ gebe. Schulz sprach vom 2. Weltkrieg, als Nationen sich gegenseitig größtmöglichen Schaden zufügen wollten und scheute sich nicht, von den Erfahrungen zu berichten, die seine eigene Familie in schweren Jahren gemacht hatte.

Die Schüler aus den Klassen 11 bis 13 reagierten auf die Ausführungen mit mehr als freundlichem Applaus. Besonders, als Schulz sich auch noch die Zeit nahmen, Fragen zu beantworten. „Sind Sie für eine Privatisierung des Wassers?“ - „Nein“. „Finden Sie die Bezeichnung Clown für Berlusconi passend?“ - „Nein, Clowns sind sympathische und nette Leute. Das ist Berlusconi nicht.“ Sollte Italien aus der EU austreten?“ - „Das wäre eine Katastrophe.“

Auf viele Fragen ging Schulz ausführlich ein. Zu Griechenland, zum Beitritt der Türkei und zu der Frage, warum eigentlich Politiker immer dicke Dienstautos fahren gab er umfassend Auskunft. Lebendig schilderte er, wie er sein Auto „als fahrendes Büro“ nutzt, und man konnte ein wenig mitbekommen vom stressigen Alltag eines EU-Parlamentspräsidenten.

Wie er es mit Lobbygruppen hält, das wollten die Jugendlichen wissen und vieles mehr. Zum Schluss brachten sie ihn sogar in Verlegenheit: Schüler Max Hellwig, der die Veranstaltung moderierte, überreichte eine Schallplatte aus den 60er Jahren mit Songs von Edith Piaf. Schulz war gerührt und freute sich sehr.

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