Nideggen - Maria Stollenwerk lebt die Emanzipation

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Maria Stollenwerk lebt die Emanzipation

Von: Sandra Kinkel
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Heute lebt die alte Dame im Seniorenhaus Kappen in Nideggen. Foto: Sandra KInkel
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Maria Stollenwerk in jungen Jahren an ihrer Nähmaschine. Die heute 100-Jährige hat 1936 vor der Handwerkskammer Aachen ihre Meisterprüfung im Schneiderhandwerk abgeleget.

Nideggen. Dass Maria Stollenwerk eine resolute Frau ist, das merkt man ihr auch heute noch deutlich an. Sie stellt viele Fragen und möchte alles ganz genau wissen. Maria Johanna Barbara, Rudolfine Emilie Stollenwerk – so heißt sie mit vollem Namen – ist im Januar 100 Jahre alt geworden. Das allein wäre schon etwas Besonders, aber Frau Stollenwerk hat 1936, also vor 77 Jahren ihre Meisterprüfung im Schneiderhandwerk abgelegt.

Damals war Maria Stollenwerk die jüngste Schneidermeisterin im Kammerbezirk Aachen, eine der ersten Frauen war sie außerdem noch. Zum Internationalen Frauentag, der am Freitag gefeiert wird, haben die „DN“ Maria Stollenwerk im Seniorenheim in Nideggen besucht, um sich mit ihr über ihre Ausbildungszeit und die Schwierigkeiten, die sie damals hatte, zu unterhalten.

„Meine Eltern hatten einen landwrtschaftlichen Betrieb“, erzählt Maria Stollenwerk, die aus der Eifel stammt, „aber es war immer klar, dass ich auch eine Ausbildung machen musste und nicht einfach nur heiraten sollte. Und das finde ich auch ganz wichtig.“ Sie habe, sagt Maria Stollenwerk, schon immer gerne genäht, da war der Schritt zur Schneiderlehre nicht weit. „Ich bin jeden Tag mit dem Zug nach Walheim gefahren. Das war in den 30er Jahren nicht alltäglich.“ Alltäglich war auch keineswegs der Besuch der Meisterschule. „In meiner Klasse war außer mir nur noch eine weitere Frau. Und das für den ganzen Kammerbezirk Aachen.“

Das ist heute anders, aber noch immer scheint das Handwerk eine deutliche Männerdomäne zu sein. In diesem Jahr haben vor der Handwerkskammer in Aachen insgesamt 284 junge Leute ihre Meisterprüfung abgelegt – nur 42 von ihnen sind Frauen. „Das sind 13 Prozent“, sagt Christoph Classen, Pressesprecher der Handwerkskammer. Dieser Wert sei allerdings ein absolutes Rekordtief, so Classen. Noch vor einigen Jahren habe der Frauenanteil bei etwa 20 Prozent gelegen.

Maria Stollenwerk wollte deswegen unbedingt die Meisterprüfung machen, weil sie Lehrlinge ausbilden wollte. „Ich hatte einen großen Betrieb. Manchmal hatte ich vier Mitarbeiter gleichzeitig. Und immer viel Arbeit.“ Nach dem Krieg habe sie aus Fliegerseide Kommunionkleider genäht, oder Uniformen in zivile Kleider umgenäht. Von Frauenquote oder Emanzipation ist in Maria Stollenwerks Berufsleben nie die Rede gewesen, die Menschen hatten einfach andere Sorgen. Gelebt hat sie die Emanzipation allerdings immer. Sohn Bernd Stollenwerk erklärt das so: „Mein Vater hat auf Montage gearbeitet, meine Mutter war immer auf sich alleine gestellt.“

Ihn und den Bruder habe sie großgezogen, außerdem einen Betrieb geführt und auch noch ein Haus gebaut. „Und das alles alleine“, so Bernd Stollenwerk. „Da muss man sich doch durchsetzen können, wenn man nicht scheitern will.“ Eigentlich, erzählt Maria Stollenwerk, habe sie nie Schwierigkeiten mit männlichen Kollegen gehabt. „Warum denn auch?“, fragt sie heute. „Ich habe meine Meisterprüfung theoretisch und praktisch mit der Note gut bestanden. Und ich habe auch immer gut gearbeitet und hatte sehr viele Kunden. Darauf kommt es doch an.“

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