Margit Göckemeyer muss Mehrheiten finden

Von: Burkhard Giesen
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Nach der Freude kommt die Arbeit: Am 21. Oktober ist für Margit Göckemeyer offizieller Dienstantritt in Foto: B. Giesen

Nideggen. Wenn der neue Nideggener CDU-Vorsitzende Markus Fischer von einem Desaster für seine Partei spricht, dann klingt das fast noch harmlos. Die CDU, die in Nideggen früher absolute Mehrheiten eingefahren hat, ohne viel dafür tun zu müssen, hat bei der Wahl über 20 Prozent der Stimmen verloren und ist auf 29,8 Prozent zurück gefallen.

Und gerade mal 19,4 Prozent der Wähler haben beim CDU-Kandidaten Walter Obladen ihr Kreuz gemacht. War er der falsche Mann? Nein, sagt Fischer. „Nur mit seiner Kandidatur konnten wir unser eigenes Profil wahren - und er hat einen guten Wahlkampf gemacht.”

Nur ausgezahlt hat es sich für die Partei nicht. Konsequenzen? „Wir werden uns am Mittwoch zusammensetzen und beraten”, sagt Fischer. Dass dabei Köpfe rollen werden, ist aber eher unwahrscheinlich. Fischer selbst hat die Niederlage nicht zu verantworten. Obladen macht den Schlingerkurs seiner Partei für das miserable Abschneiden verantwortlich. „Das hat uns den Hals gebrochen”, so Obladen, der sich nur in Abenden durchsetzen konnte. So wie umgekehrt auch der parteilose Bürgermeister-Kandidat Rolf Rheinbach, der nur in seinem Heimatort Schmidt siegreich war.

„Ich wünsche Frau Göckemeyer viel Glück. Sie braucht jetzt eine Menge Unterstützung und ich kann nur hoffen, dass man ihr auch die nötige Zeit lässt, sich einzuarbeiten”, gratuliert Rheinbach der Bürgermeisterin, die jetzt seine neue Dienstvorgesetzte ist. Die hat am Wahlabend noch bis 1 Uhr in der Nacht in Nideggen gefeiert und sprüht auch am Montag vor Optimismus.

„Sachlich habe ich nur wenig Dissens zu den Parteien und Wählergruppierungen festgestellt. Es geht oft nur um das Wie?”, sagt sie, wohl wissend, dass die Zersplitterung des Rates ihr die Arbeit nicht leicht machen wird. Aber: „Das wusste ich vorher. Und ich habe Ideen, wie das funktionieren kann.” Glückwünsche kamen am Montag auch von unerwarteter Seite: Heinrich Esser, Vorsitzender der Menschen für Nideggen, die auf Anhieb mit über 15 Prozent der Stimmen und vier Mandaten in den neuen Stadtrat einzogen, sagte über Frau Göckemeyer: „Sie wird eine gute Bürgermeisterin sein.” Lob von einer Wählervereinigung, die immerhin auf Amtsinhaber Hönscheid gesetzt hatte.

Sachliche Politik machen

Dass Gudrun Zentis von den Grünen die neue Bürgermeisterin als „Lichtblick für Nideggen” beschreibt, dürfte wenig verwundern. Sie hat schließlich eifrig für die Kandidatin getrommelt. „Ein Lichtblick, den wir nutzen sollten”, schiebt Frau Zentis hinterher. Und Norbert Klöcker von den Unabhängigen ist ebenfalls mehr als zufrieden mit dem Ergebnis.

„Das Bürgervotum ist klar. Es gibt keine eindeutigen Mehrheiten im Rat. Also wollen die Bürger, dass wir uns alle zusammenraufen und sachliche Politik machen. Und das passt uns sehr gut ins Konzept.” SPD-Fraktionsvorsitzender Wolf-Dieter Keß kann sich nur über die die neue Bürgermeisterin freuen. Beim eigenen Ergebnis sieht es eher düster aus. Obwohl die CDU über 20 Prozent verloren hat, konnte die SPD davon nicht profitieren und verlor sogar noch einmal Stimmen. „Das liegt aber unterhalb des Landestrends”, machte er seiner Partei Mut.

Nahezu gar keinen Wahlkampf hat der noch amtierende Bürgermeister Willi Hönscheid gemacht. Eine eigene Internetseite? Fehlanzeige. Nur ein Flugblatt gab es. Selbst am Wahlabend war Hönscheid nicht im Rathaus. „Ich war zu Hause”, so Hönscheid, der sich persönlich sehr enttäuscht zeigte. Seit mehr als 16 Jahren stand er in Nideggen an der Verwaltungsspitze - genau 51 Tage bleiben ihm noch. „Meine sachliche Arbeit ist nicht honoriert worden. Ich bin davon ausgegangen, dass der Wähler weiß, was er an mir hat.” Vielleicht war er sich zu siegesgewiss.
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