Hürtgen - Manfred Billig kennt sich mit Pferden aus wie kaum ein Zweiter

Manfred Billig kennt sich mit Pferden aus wie kaum ein Zweiter

Von: Margret Vallot
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Beeindruckend: Familie Billig züchtet in Hürtgenwald Trakehner und Haflinger. Foto: Margret Vallot

Hürtgen. Das Gestüt Hürtgenwald, an der B399 zwischen Hürtgen und Vossenack gelegen, hat den Namen der Gemeinde in Kreisen von Pferdezüchtern und -liebhabern weit über die Region hinaus bekannt gemacht.

Und zwar mit Zuchterfolgen wie Staats- und Verbandsprämien, Kreis- und Landessiegern, mit Hengstkörungen, bei Stuten- und Hengstleistungsprüfungen und Teilnahmen an Deutschen Fohlenchampionaten. Alles Erfolge, die in den letzten Jahren Schlag auf Schlag kamen.

Wie ist das möglich? Das fragten die „DN” den Seniorchef des Gestüts, Manfred Billig (71). Mit Pferden kennt Billig sich aus wie sonst wenige weit und breit. Seit über 40 Jahren bestimmen sie sein Leben. Zunächst in Schlich, seit 1991 in Hürtgen, wo derzeit 120 Pferde auf 1800 Quadratmetern in Ställen, Boxen und Laufboxen untergebracht sind.

25 bis 30 Fohlen werden dort im Jahr geboren, nachdem sich die Züchter-Familie vorher tage- und nächtelang intensiv Gedanken gemacht hat zu der Frage: Welcher Hengst passt denn nun am besten zu welcher Stute?

Manfred Billig, in Langerwehe geboren, sitzt unter den Portraits von „drei Urmüttern”. Das sind drei edle Pferde, von denen im Grunde alle anderen abstammen. Eine von ihnen, die westfälische Staatsprämienstute „Mona”, eine Haflinger-Stute, lebt noch. Sie ist 30 Jahre alt, berichtet der Seniorchef.

1991, als die Familie das Objekt zwischen Hürtgen und Vossenack kaufte, gab es nur das Wohnhaus und einen kleinen Stall. Die Eltern und sechs Kinder setzten sich ein, es wurden moderne Stallungen gebaut, und es gab damals außer den Pferden noch Schweine, Kühe, Enten, Gänse und Kaninchen. 1994 hat sich die Familie ganz auf die Pferdezucht konzentriert.

„Züchten heißt nicht vermehren, sondern ist immer der Versuch, etwas Besseres schaffen”, stellt Billig klar. Dahinter steht der Drang, das Optimale zu erreichen: an Schönheit, Knochengerüst, Bewegung in Schwung und Takt. Aber auch an Menschenbezogenheit, Zuverlässigkeit, Ausdauer, Rittigkeit, Gutmütigkeit und Charakterfestigkeit.

Ein noch so schönes Pferd, das sich nicht gefahrlos reiten lässt, das sich nicht unterordnen kann oder den Umgang mit Menschen nicht liebt, gilt nicht als Zuchterfolg. Im Gegenteil. Auch Pferde, die zu Krankheiten neigen, die Fohlen mit schiefen Beinen oder schlechtem Sehvermögen oder Schäden an Knochen und Gelenken zeugen, gelten als Misserfolg, den es unbedingt zu vermeiden gilt. „Im Laufe der Zeit immer perfekter” werde so idealerweise eine Pferdefamilie, erzählt Billig aus seinem Alltag.

Vor drei Jahren hatte die Familie Glück: Man erstand einen Trakenerhengst, „der eigentlich schon seit zehn Jahren tot war”. Dieser Hengst hatte einst Leistungsprüfungen in München gegen viele Mitbewerber grandios gewonnen, war aber nach einem schweren Unfall fast zugrunde gegangen. Billigs ahnten, dass das Tier „erstklassige Gene” hat.

Man kaufte den fast vergessenen Hengst und schaffte es, ihn wieder fit zu machen. Heute ist „Rastenberg” 18 Jahre alt und hat in den letzten Jahren „hervorragende” Fohlen gebracht. Die wachsen jetzt in Hürtgenwald und im ganzen Bundesgebiet heran.

Manfred Billig kommt ins Schwärmen, wenn er an die wundervollen Tiere denkt, deren Vater „Rastenberg” ist. „Ein Geschenk des Himmels” nennt er den Hengst, der allerbeste Eigenschaften gleich reihenweise vererbt. Gerade dieses Jahr habe er ein Fohlen gebracht, das zu den drei Besten des Rheinlandes zählt (die „DN” berichteten).

Damit pro Jahr 25 bis 30 Fohlen geboren werden, braucht man 35 bis 40 Zuchtstuten. Man züchtet nach dem Mutterstamm. Das heißt: Man arbeitet nach der Mutterlinie, die Fohlen werden auch nach der Mutter benannt. Die jungen Pferde werden im Gestüt Hürtgenwald auch ausgebildet. „Dessur, Springen, Vielseitigkeit - die Veranlagung bekommen wird schnell heraus.”

Stundenlang kann der Züchter Geschichten von Pferden erzählen: wie schwer die Trennung manchmal fällt und wohin die Tiere verkauft werden. Die Zucht von Pferden „ist kein gutes Geschäft”, sagt er und fügt an: „Es sei denn, man hat hin und wieder einen Überflieger.”

Manfred Billigs besondere Liebe gehört einem Haflinger namens „Stüber”. Das ist ein Pferd, „mit dem würde ich die letzte Schnitte Brot teilen”. Dieses Pferd habe ihn in jeder Form verstanden, als er sich nach schwerer Krankheit allmählich wieder den Tieren zuwenden konnte. Er erzählt, wie außergewöhnlich gut sich „Stüber” seinen Handicaps angepasst hatte und mit welcher Zuneigung der Hengst noch heute an seinem Herrn hängt.

Wer schöne Pferde sehen will, kann kommen

Die Trakehner sind eine der bedeutendsten deutschen Pferderassen. Sie sind vor allem im Dressur- und Vielseitigkeitssport erfolgreich. In vielen Zuchtbereichen wurden sie zur Veredelung der Rassen genutzt.

Die Haflinger sind ursprünglich Gebirgspferde, die heute in erster Linie als robuste Familien- und Freizeitpferde eingesetzt werden. Sie sind als Fahrpferde begehrt. Ihren Ursprung haben sie in Südtirol. Weißes Langhaar kennzeichnet sie.

Wer schöne Pferde besichtigen will, ist im Gestüt Hürtgenwald willkommen. Rund 60 Tiere sind derzeit aber immer auf den Wiesen.
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