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Made in Düren: Einer der besten Klavierstimmer der Welt

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Wenn Franz Mohr in Düren ist,
Wenn Franz Mohr in Düren ist, stimmt er die Klaviere in der Musikschule .

Düren/New York. Franz Mohr kann man stundenlang zuhören. Vielleicht sogar tagelang. Und wahrscheinlich würde es keine Sekunde langweilig. Franz Mohr wird am Montag 85 Jahre alt. Und der Chef-Klaviertechniker von „Steinway and Sons” in New York, der in Düren geboren und aufgewachsen ist, blickt auf ein bewegtes, auf ein aufregendes Leben.

Jetzt gerade ist er gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth zu Gast bei deren Schwester in Merzenich. Um von hier aus zu einer großen Schweiz- und Österreich-Tournee aufzubrechen. An Ruhestand ist bei Franz Mohr nämlich überhaupt noch nicht zu denken. „Ich arbeite fast mehr als früher”, schmunzelt der alte Herr, der vor Vitalität, Humor und Esprit nur so strotzt. „In der Musikwelt habe ich meine Aufgabe. Und meine Lebensarbeit ist noch nicht beendet.”

Eigentlich wollte Franz Mohr Geiger werden, er hat auch in Köln und Detmold Musik studiert. „Irgendwann hatte ich dauernd Sehnenentzündungen”, so Mohr. „Und es war klar, dass ich kein Profimusiker würde werden können.” Für Mohr, der mit seinen 24 Jahren damals am Ende seines Musikstudiums stand eine Katastrophe. Aber längst kein Grund, aufzugeben. „Ich habe mich bei einer Klavierfabrik in Wuppertal beworben. Und nach anderthalb Jahren meinen Gesellenbrief bekommen.” Franz Mohr war eben ungeheuer begabt.

1964 ist er dann zu „Steinway and Sons” nach New York gegangen - per Schiff von Hamburg mit seiner Frau, den beiden ältesten Söhnen und elf Koffern. „Als der junge Beamte im amerikanischen Konsulat damals meine Papiere gesehen hat”, erinnert sich Mohr, „hat der zu mir gesagt: Das ist gut, dass Sie Klavierstimmer sind. Da haben sie viel zu tun. Das ganze Land ist verstimmt.”

In New York hat Franz Mohr sich von Anfang an heimisch gefühlt - beruflich und privat. Ziemlich schnell nach seiner Ankunft in den USA wurde Mohr Assistent des damaligen Chef-Klavierstimmers Bill Hupfer. Schon bald hat er dessen Position eingenommen. Weltberühmte Pianisten wie Waldimier Horowitz, Maurizio Pollini oder Artur Rubinstein wollten sich ihre Konzertflügel am liebsten nur von Franz Mohr stimmen lassen. Einige hat sogar auf ihren Konzertreisen um die ganze Welt begleitet.

„Ich weiß gar nicht, ob ich ein besserer Klavierstimmer bin als andere”, sagt Franz Mohr und lacht wieder sein unnachahmliches Lachen. „Aber ich liebe Menschen und kann gut mit ihnen umgehen. Auch wenn sie etwas schwierig sind wie einige der Pianisten.” Er habe einfach einen guten Draht zu den Künstlern. „Und das ist enorm wichtig.”

Seit dem er in New York lebt, ist Franz Mohr jedes Jahr einmal in Deutschland. „Das hatte ich meinen Eltern versprochen”, sagt er. „Meine beiden Brüder sind im Krieg ums Leben gekommen, und es war für meine Eltern sehr schwer, dass ich mein Glück in Amerika gesucht habe.” Und auch heute noch ist er einmal im Jahr an der Rur. Dann geht er gemeinsam mit seiner Frau ans Grab der Eltern. Und besucht immer auch die Dürener Innenstadt. „Wir gehen an die Orte, die wir früher so geliebt haben”, sagt er. „Das muss einfach sein.”

Franz Mohr ist ein glücklicher Mann, der im Leben alles erreicht hat, was er erreichen konnte. „Es ist alles gut so wie es ist”, sagt er. Noch heute, so Mohr, sei Amerika wirklich das viel zitierte „Land der unbegrenzten Möglichkeiten”. „Wer hier fleißig, strebsam und ehrlich ist”, so der Mann mit dem nahezu perfekten Gehör, „kann man hier alles schaffen.”
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