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Luftreinhalteplan: Nebeldüsen gegen Belastung durch Feinstaub

Von: Ottmar Hansen
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Die Schaufelradbagger im Tagebau werden künftig mit Hochdruckdüsen unter Wasser gesetzt, damit möglichst wenig Feinstaub frei gesetzt wird.

Düren. Der Luftreinhalteplan für die Region um den Tagebau Hambach ist zum Jahreswechsel in Kraft getreten. Durch zahlreiche Maßnahmen soll die Belastung der Menschen mit Feinstaub möglichst rasch verringert werden. Feinstaub ist für das menschliche Auge zwar kaum sichtbar, gerät aber beim Einatmen bis in Lunge und Bronchien. Über die Blutbahn können auch andere Organe geschädigt werden.

 Untersuchungen haben erwiesen, dass bei einer langfristigen Erhöhung der Feinstaubkonzentration in der Umgebung die Wahrscheinlichkeit, an Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu versterben, um ein Drittel zunimmt.

Seit längerer Zeit wird deshalb die Feinstaubkonzentration an einer Station in Niederzier gemessen. Nachdem die Feinstaubkonzentration im Jahr 2004 an 48 Tagen über dem Grenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft lag (erlaubt sind 35 Überschreitungstage im Jahr), wurde ein Aktionsplan für den Tagebau Hambach aufgestellt. Rheinbraun als Betreiber ergriff etliche Gegenmaßnahmen. In den Folgejahren wurde der Grenzwert dann auch eingehalten.

Im Jahr 2010 mussten jedoch wieder 41 und im Jahr 2011 46 Überschreitungstage registriert werden. Der Grund für den neuen Luftreinhalteplan, der jetzt in Kraft getreten ist. Erneut sollen Maßnahmen zur Reduzierung der Feinstaubbelastung ergriffen werden. Die Messungen in Niederzier haben ergeben, dass die Überschreitung der Grenzwerte meist dann erfolgte, wenn der Wind aus nordöstlicher Richtung wehte. Und dort liegt nun einmal der Tagebau.

In besagter Windrichtung liegen vor allem der Bandsammelpunkt und die Kohleverladung des Tagebaues. Weitere Industrieanlagen, der Straßen- und Schienenverkehr sowie die Abgase aus den Schornsteinen der Häuser in und um Niederzier oder die Landwirtschaft tragen laut Luftreinhalteplan hingegen nur marginal (jeweils ein Prozent) zur Feinstaubbelastung bei. Der größte Teil stammt aus dem so genannten „regionalen Hintergrund“, der sich nicht so genau eingrenzen lässt. Der Tagebau Hambach ist demnach mit rund 20 Prozent an der Feinstaubbelastung beteiligt.

Um einer Bestrafung durch die Europäische Union zu entgehen, sei es „dringend erforderlich, weitere Maßnahmen zur Reduzierung der Feinstaubbelastung zu ergreifen“, so die zuständige Bezirksregierung in Köln. Im Luftreinhalteplan listet der RP zunächst auf, welche Maßnahmen im Zuge des Aktionsplanes 2004 bereits ergriffen wurden. So hat Rheinbraun bereits zahlreiche Sprühanlagen in Betrieb genommen, die die Transportbänder anfeuchten. Feinstnebelkanonen im Bereich des Kohlebunkers sind bereits in Betrieb. Fahrzeuge, die in den Tagebau oder wieder heraus müssen, werden ebenfalls mit Wasser besprüht. Auf befestigten Flächen sorgen Spezialkehrmaschinen für Sauberkeit. Alle Mitarbeiter wurden darin geschult, Staubfreisetzung möglichst zu unterbinden.

Darüber hinaus hat RWE Power jetzt zusätzliche Maßnahmen geplant: Nach einem positiven Test an Bagger 292 sollen nun auch die Schaufelradbagger 293, 289 und 260 mit Hochdruckdüsen unter einen Wasserschleier gesetzt werden. Die Ein- und Ausfahrt in den Gewinnungsbereich des Tagebaues wird über ein Einbahnstraßensystem geregelt.

Die Ausfahrt erfolgt über eine so genannte „Nasse Straße“ mit Unterbodenwäsche. Neue Wetterstationen sollen erfassen, wenn die Gefahr für Feinstaubbelastung besonders hoch ist. Alle Bandanlagen im gesamten Tagebau werden bedüst. Vor allem am Bandsammelpunkt werden neue Staubbindemaschinen mit Sprühnebeln zum Einsatz kommen. Gleiches gilt für die Bandschleifenwagen und Kohlebagger im Kohlebunker.

Damit die Bedüsung auch im Winter funktioniert, soll eine Magnesium-Chlorid Lösung als Staubbindemittel eingesetzt werden. Die Bandübergabestellen mit ihren Kohlebrechern sollen umbaut (eingehaust) werden. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, müsse man nach weiteren Wegen suchen, die Feinstaubbelastung in den Griff zu bekommen, so das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV).

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) hat bereits weitere Verbesserungen vorgeschlagen. Unter anderem die gesamte Abdeckung der Kohlebahn mit Planen, Staubschutznetze entlang ihrer Trasse oder eine Teilstilllegung des Abbaubetriebes während ungünstiger Wetterlagen. Bei allen Maßnahmen muss allerdings beachtet werden, dass die bessere Luft nicht mit einem erhöhten Lärmpegel erkauft wird. In regelmäßigem Turnus wird die Bezirksregierung die Auswirkungen des Luftreinhalteplanes überprüfen. Interessenten können den Plan im Internet unter www.bezreg-koeln.nrw.de einsehen.

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