Düren - Liebesbeziehung mit der Kunst

Liebesbeziehung mit der Kunst

Von: Burkhard Giesen
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Nach 35 Jahren als Leiterin des Papiermuseums und des Leopold-Hoesch-Museums will sich Dr. Dorothea Eimert mehr dem Schreiben widmen. Zur Frankfurter Buchmesse soll ein Buch über die Kunst des 20. Jahrhunderts erscheinen. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Natürlich wollte sie in den 35 Jahren auch mal weg von Düren. Geblieben ist Dr. Dorothea Eimert dann doch. Bei ihrem Museum, dem Leopold-Hoesch-Museum. Der Tag eins des Ruhestandes ist mit Arbeit vollgestopft.

„Ich muss noch mein Buch Korrektur lesen, das zur Frankfurter Buchmesse erscheinen soll.” Zwei Bände zu je 256 Seiten, in Deutsch und Englisch. Die Kunst des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt der beiden Bände. Wann sie das geschrieben hat? „Das macht man so nebenbei, wenn man Zeit hat. Nachts und in den Ferien.” Jetzt hat Dorothea Eimert mehr Zeit. Sie will wieder Kunstkritiken schreiben, will ihren „Kopf weiterbilden”, wie sie sagt, und sie geht wieder ins Fitnessstudio.

So sehr, wie Dorothea Eimert an ihrem Museum hängt, so wenig kann man sich vorstellen, dass sie Düren auch mal verlassen wollte. „Wenn man jung ist, will man sich nicht an einen Ort binden; man will etwas leisten, eine höhere Stufe erklimmen. Natürlich wollte ich auch weg.” Sie blieb im beschaulichen Düren, 35 Jahre lang. „Wir hätten die Peill-Stiftung nicht in dieser Form, wenn ich gegangen wäre”, sagt sie. Vielleicht auch nicht den Anbau, den die Peill-Stiftung wesentlich mitfinanziert hat.

„Ich habe es nie bereut, nicht etwas anderes gemacht zu haben. Ich habe erkannt, dass man Düren lieben kann und dieses Museum lieben muss.” Diese Liebesbeziehung wird den Ruhestand überdauern. Ihre ausgeprägte Sammelleidenschaft hat Frau Eimert im Museum ausgelebt; neue Stiftungen und Sammlungen für Düren gewonnen. Egal ob es die Werke von Nolde oder Kokoschka sind: „Diese Kunstwerke erfüllen den Bau mit Kraft. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Leben kann.” Und nach einer kleinen Pause fügt Frau Eimert hinzu: „Ich werde die besuchen gehen, ohne da jemanden zu stören.”

Eine Abschlussausstellung hätte sie gerne noch organisiert gehabt - die schönsten Werke aus dem Bestand des Museums. Das ging zum Öffnungsfest nur rudimentär. Da hing der Nolde neben der Klanginstallation und den Jahresgaben des Museumsvereins, fast unbemerkt.

Als Kind wollte sie Malerin werden und eine Galerie aufmachen. „Die schönsten Bilder hätte ich aber behalten.” Den Kindheitstraum hat sie nie realisiert. Will ihn auch jetzt nicht mehr realisieren. „Bloß nicht Malerin, bloß nicht Galeristin - es gibt genug von der Sorte.” Soll heißen: Bessere als sie. Ihr Metier war nicht das Schaffen von Kunst, sondern eher das Vermitteln zwischen Künstler und Publikum. Und das ist schon schwer genug. Immerhin gibt es genügend Menschen die glauben, dass Kunst etwas Elitäres sei, das man nicht zum alltäglichen Leben benötige. „Menschen an die Kunst heran zu führen, muss schon in den Schulen passieren. Wer als Kind lernt, dass Kunst schön und bereichernd ist, kann sie als Erwachsener genießen”, sagt Frau Eimert. Bei Erwachsenen würde das schon Formen von „praktischer Einzeltherapie” annehmen.

Wünscht man sich da die besondere Ausstellung, die auch schon mal Hunderttausende in den Bann zieht? Ja. Aber die Riesenschlangen werde es in Düren vor dem Museum nicht geben. „Wir haben keine Sammlung mit bedeutenden Werken, aber wir haben eine gute Sammlung von Meisterwerken, die es zu bewahren gilt. Und: Düren hat die PaperArt, die in dieser Form einmalig ist. „Geld für die Künstler hatten wir nicht. Aber wenn Ort und Thema stimmen, dann kommen die Leute.” Als Besucherin wird das demnächst auch Dorothea Eimert sein. Vermutlich ohne dabei jemanden zu stören.
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