Schmidt - Letzter „Arbeitstag” der Hüterin des gedruckten Wortes

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Letzter „Arbeitstag” der Hüterin des gedruckten Wortes

Von: Anneliese Lauscher
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53 Jahre lang hat Luise Huth die Katholische öffentliche Bücherei in Schmidt geleitet. Am Samstag gab es zum letzten „Arbeitstag” Blumen. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Niemand kennt sich so wie sie in dem vielfältigen Angebot der Bücherei in Schmidt aus. 53 Jahre lang hat Luise Huth die Katholische öffentliche Bücherei geleitet, am Samstag war ihr letzter „Arbeitstag” in diesem ehrenamtlichen Dienst.

In den Kisten dürfen die Kinder in Ruhe stöbern, Bilderbücher und so genannte Erstlesebücher liegen bereit, außerdem Kinder-Sachbücher. Es war immer ein Anliegen von Luise Huth, die Kinder früh mit dem Lesen vertraut zu machen und ihnen viel Interessantes anzubieten. Dazu hatte sie während ihrer 35-jährigen Tätigkeit als Lehrerin in Schmidt reichlich Gelegenheit.

Und heute kommen die Enkel ihrer ersten Schülerinnen und Schüler zu ihr in die Bücherei. Sie kennt sie alle. „Ein gutes Kinderbuch ist das, welches die Kinder gerne lesen”, meint sie, und das treffe nicht auf alle preisgekrönten Kinderbücher zu.

Natürlich kennt sie nach so vielen Jahren den Geschmack ihrer Kunden. Von jedem, der eintritt, weiß Luise Huth auch sofort auswendig die Kundennummer. Und immer hat sie eine gute Empfehlung parat, sei es im breiten Spektrum der Jugendliteratur, der Bestseller, der politischen Bücher oder der immer noch beliebten Heimatromane.

Es gibt zudem immer wieder Renner, die rasch von Hand zu Hand gehen. Ken Follet zum Beispiel oder Harry Potter. Aber jeder darf ein Buch solange behalten, bis er es ausgelesen hat - und das gegen einen sehr geringen Obolus.

Die Bücherei, die anfangs in der Schule untergebracht war, ist im Laufe der Jahre zweimal umgezogen, zuerst ins Pfarrsälchen und dann in die jetzigen Räumlichkeiten im Haus des Gastes. Auch das Angebot hat sich gewandelt, natürlich ist die Literatur freier geworden. Frau Huth erinnert sich noch gut, dass einmal ein Kunde sich über ein Buch beschwert habe, das sei „zu offen” gewesen. „Er ist in seiner Aufregung zum Pastor Bayer gegangen”, erzählt sie lächelnd.

Ihr selbst gefallen Krimis. „Agatha Christie hätte noch mehr schreiben sollen”, meint sie. Von Reich-Ranicki hat sie alles gelesen, und Thomas Mann mag sie immer noch. Aber sie fühlt sich nicht an eine bestimmte Sparte gebunden: „Es gibt gute Frauenliteratur und lesenswerte Biografien.” Sie hat nach ihrer Pensionierung noch ein Fernstudium in Literatur gemacht, so sehr waren Bücher immer ihre Leidenschaft.

Luise Huth wird in diesem Jahr 90 Jahre alt, und nun kann sie nicht mehr lesen. Aus der Zeitung wird ihr vorgelesen, und sie hört viele Rundfunksendungen. Sie freut sich, dass sie acht Frauen gefunden hat, die im Team ihre Nachfolge antreten. „Die sind zuverlässig und kompetent”, das weiß sie genau.
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