Lesen verbindet Generationen

Von: Sandra Kinkel
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Für die jungen Leute vom Stiftischen Gymnasium ist der Besuch im Seniorenheim Ehrensache. Gestern haben sie den alten Menschen Weihnachtsgeschichten vorgelesen. Foto: Sandra Kinkel
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Hannelore Esser lebt im Seniorenheim Holzbendenpark. Sie genießt es, dass Schülerin Kathrin Sieger (13) sich für sie Zeit nimmt.

Düren. Es ist mucksmäuschenstill in dem großen Raum im Seniorenheim Holzbendenpark in Düren, als die Kinder der Klasse 6a anfangen, „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen. Nur wenige der Seniorinnen und Senioren, die gekommen sind, singen leise mit. Schon bald lächeln die meisten der alten Herrschaften.

Vor rund einem Jahr haben die beiden Lehrer des Stiftischen Gymnasiums in Düren, Anne Buß und Dr. Achim Jaeger, das Projekt „Leselupe – Bücher verbinden Menschen“ ins Leben gerufen. Seitdem gehen einmal im Quartal „Stiftler“ ins Altenheim, um den Senioren vorzulesen.

Dr. Achim Jaeger erklärt: „Auf unserem Schulhof ist einmal ein Hubschrauber gelandet, der einen Bewohner des Seniorenheimes abgeholt hat. Und da haben sich Schüler gefragt, was eigentlich in dem Heim los ist und wer da wohnt.“ Achim Jaeger und Anne Buß haben erste Kontakte mit Heimleiterin Birgit Strack geknüpft, sehr schnell war die Idee für das Projekt „Leselupe“ gefunden.

Achim Jaeger: „Das Projekt kommt sowohl bei unseren Schülern als auch bei den Seniorinnen und Senioren sehr gut an.“ Eine, die von Anfang mit von der Partie ist, ist Anna Randerath (12). „Ich habe mich hier gemeldet“, sagt die Schülerin, „weil mein Opa auch in einem Altenheim lebt. Und das finde ich schon manchmal ziemlich trostlos.“ Saskia Maletzke hat keine Angehörigen im Seniorenheim, und das ist auch genau der Grund, warum sie sich für das Projekt „Leselupe“ gemeldet hat. „Ich finde es interessant“, sagt die 17-Jährige, „mich mit alten Menschen zu unterhalten. Und die sind auch alle sehr nett.“

Daniela Kirsch hat ihr Vorlese-Engagement sogar ausgedehnt, und besucht gemeinsam mit einer Freundin regelmäßig eine alte Dame. „Die Frau hat überhaupt keine Angehörigen und freut sich immer total, wenn wir sie besuchen. Und uns machen die Gespräche über früher auch viel Spaß.“ Normalerweise besuchen die Vorlesepaten die Seniorinnen auf ihren Zimmern, gestern wurden aber im großen Saal Weihnachtslieder gesungen und Geschichten vorgelesen.

„Ich suche immer alte Geschichten aus“, sagt Kathrin Sieger (13), die sich diesmal für das Gedicht „Von drauß‘ vom Walde komm‘ ich her“ entschieden hat. „Weil manche Leute sich dann noch daran erinnern können.“ Die Schülerin hat Recht, Bewohnerin Hannelore Esser ist ganz entzückt, als sie das Gedicht hört. „Das habe ich in meinem Zimmer“, lacht die alte Dame. „Ich finde es ganz toll, dass die jungen Leute sich für uns Zeit nehmen und hier bei uns vorlesen. Das ist wirklich nicht selbstverständlich.“

Für ihr Engagement haben die Schülerinnen und Schüler vom „Stift“ übrigens auch schon einen Preis gewonnen. Im Rahmen des Wettbewerbs „ABC Düren“, der Projekte zur Leseförderung prämiert, holte das Leselupe-Team den ersten Platz in der Altersstufe „Weiterführende Schule“.

„Etwa die Hälfte unserer 54 Bewohnerinnen und Bewohner“, sagt Miriam Becker, Pflegedienstleiterin des Seniorenheimes, „nehmen an dem Vorleseprojekt teil. Und der Besuch der Kinder und Jugendlichen kommt hier wirklich gut an.“ Frau Becker hat Recht: Die Kinder der 6a singen gerade ihr zweites Weihnachtslied. Und jetzt strahlen alle Senioren.

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