Leseaktion zum Tag der Mehrsprachigkeit

Von: Burkhard Giesen
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Gebannt lauschen die Kinder den Vorlese-Paten. Am Tag der Mehrsprachigkeit wurde in Deutsch, Arabisch, Polnisch, Russisch und Türkisch Foto: Burkhard Giesen

Düren. Ulrich Vollmer hat ein passendes Bild parat: „Stellen Sie sich eine Seerose vor. Je besser die Wurzel ausgebildet ist, desto besser das Wachstum und die Blüte.“ Vollmer ist Pädagoge, Lehrer. Das Bild von der Seerose hilft zu erklären, warum es für Kinder, deren Muttersprache für uns eine Fremdsprache ist, sinnvoll ist, erst die Muttersprache zu erlernen, um darauf aufbauend Deutsch zu erlernen.

Blumig formuliert heißt das: „Der Erwerb einer weiteren Sprache, zum Beispiel Deutsch, lässt sich als die Bildung eines Ablegers der Muttersprache darstellen. Auf der Basis der Wurzeln der Muttersprache kann sich bei günstigen Rahmenbedingungen auch eine zweite Sprache bzw. eine zweite wunderschöne Blüte entwickeln“, erklärt Vollmer, der 27 Jahre als Lehrer an der Peschschule tätig war und inzwischen beim Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Düren arbeitet.

Das Bild von der Blüte sollte man im Hinterkopf haben, wenn es um die Frage geht, wie man Kinder mit Migrationshintergrund gezielt fördern kann. Galt Jahrzehnte lang die Losung, dass die Eltern zu Hause mit den Kindern Deutsch reden sollen, damit die Kinder die Sprache schnell lernen, ist man heute davon überzeugt, dass die Kinder um so schneller die deutsche Sprache erlernen, je höher das Niveau ihrer Muttersprache ausgebildet ist.

Gefördert wird das an Grundschulen und im Sekundarbereich I mit dem so genannten Herkunftssprachlichen Unterricht (HSU). So wird beispielsweise an der Peschschule in türkisch, portugiesisch und spanisch unterrichtet, an der Mutter-Theresa-Grundschule in albanisch.

Der HSU-Unterricht ist freiwillig und findet nachmittags. Die Anzahl der Sprachen variiert, derzeit sind es neun. „Kinder und Eltern müssen einen höheren Einsatz zeigen“, sagt Vollmer. Aber der Einsatz lohnt sich: „Kinder, die im HSU-Unterricht leistungsstark sind, verbessern sich auch im normalen Unterricht“, weiß Vollmer.

Wichtig ist allerdings noch ein ganz anderer Punkt: die Kinder werden gestärkt. Sie erfahren, dass ihre Muttersprache Anerkennung findet, sie finden so selbst Anerkennung, weil ihre Muttersprache in der Schule als Fremdsprache gewertet wird.

Bei gemeinsamen Vorleseaktionen, so wie gestern als Ergebnis der Interkulturellen Woche öffentlich auf dem Dürener Marktplatz, sind noch andere positive Nebeneffekte zu beobachten: die deutschen Kinder können plötzlich beobachten, dass ihre vermeintlich schwachen Mitschüler Dinge beherrschen, die sie selbst nicht können – zum Beispiel eine fremde Sprache verstehen.

Überhaupt, so Vollmer, sei es interessant zu beobachten, dass Bildungskonzepte, die ursprünglich für Kinder von Migranten gedacht waren, auch den deutschen Kindern helfen würden. Vollmer stellt nämlich fest, dass auch bei deutschen Kindern die sprachliche Kompetenz deutlich rückläufig sei.

„Gegenseitiges schätzen lernen“, sagt auch Gudrun Petry vom Kommunalen Integrationszentrum, steht also im Vordergrund. Erst recht, wenn möglicherweise die Heimatsprache in der Hierarchie „weit unten“ stehe. Rund 300 Kinder haben gestern an dem ersten „Tag der Mehrsprachigkeit“ in Düren teilgenommen. Und sie waren nicht die einzigen, die begeistert waren. „Das war richtig toll“, freute sich auch Vorlese-Patin Ursula Otte und strahlte dabei über das ganze Gesicht.

Weitere Informationen gibt es unter www.kreis-dueren.de/kreishaus/amt/integration/

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