Düren/Langerwehe - Leben schenken - auch an Ostern

Leben schenken - auch an Ostern

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Jens Jagdfeld (30) von der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Langerwehe ist seit 13 Jahren Feuerwehrmann. Bei Einsätzen hat der Diplom-Ingenieur schon häufiger einem Menschen das Leben gerettet. Foto: Sandra Kinkel
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Dr. Felicitas Hennecke (51) ist Onkologin am Krankenhaus Düren. Sie betreut Menschen, die schwer krank sind. Foto: Sandra Kinkel
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Magdalene Sanders arbeitet seit 21 Jahren als Hebamme. Mathi (links) und Lia sind beide am Mittwoch auf die Welt gekommen. Foto: Sandra Kinkel

Düren/Langerwehe. An das Pfingstfest vor vier Jahren erinnert Dr. Felicitas Hennecke sich noch oft zurück. Damals kam ein junger Mann zu ihr in die Ambulanz am Krankenhaus Düren. Der junge Mann hatte akute Leukämie, schwebte in großer Lebensgefahr.

„Der Mann wäre in 48 Stunden verblutet“, sagt die 51-jährige Onkologin. „Aber wir konnten ihn retten. Heute geht es ihm gut, und er feiert immer noch an Pfingsten seinen zweiten Geburtstag.“

Ostern ist das Fest der Auferstehung, das Fest des Lebens. Grund genug für die „DN“, drei Menschen zu porträtieren, die anderen schon einmal das Leben gerettet haben. Neben der Onkologin Hennecke sind das Hebamme Magdalene Sanders und Feuerwehrmann Jens Jagdfeld.

Dass Felicitas Hennecke, stellvertretende Chefärztin am Krankenhaus Düren, Onkologin geworden ist, konnte sie sich als junge Ärztin nie vorstellen. Und auch heute wird sie oft gefragt, wie sie diese Arbeit tun kann. Hennecke: „‚Da sterben doch so viele‘ ist ein Satz, den ich oft höre. Aber zum Glück gehen immer wieder auch Patienten gesund nach Hause.“

Trotzdem, so Felicitas Hennecke weiter, sei auch ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, Menschen in ein würdevolles Sterben zu begleiten. „Das bedeutet, den Menschen als Ganzes zu sehen und eben nicht nur seine Krankheit. Das bedeutet, die Angehörigen mit einzubeziehen und auch zu versuchen, Probleme fernab der Krankheit zu lösen. Hennecke: „Manchmal gibt es einen Bruder, zu dem seit Jahren kein Kontakt mehr besteht. Oder Ehepartner, die nicht loslassen können. Diese Dinge versuchen wir dann zu klären.“

Natürlich, so die Ärztin weiter, würde sie am liebsten jeden Patienten gesund machen. „Aber es ist für mich genauso befriedigend, wenn es mir gelingt, jemanden dabei begleitet zu haben, friedlich und mit sich im Reinen zu sterben. Das kann auch ein Stück geschenktes Leben sein.“ Felicitas Hennecke sieht sich übrigens nicht als Lebensretterin. Überhaupt nicht. „Ich bin eher dankbar, wenn ich helfen konnte.“

Feuerwehrmann aus Langerwehe

Schon eher Lebensretter – zumindest im Sinne von Felicitas Hennecke – ist Jens Jagdfeld aus Langerwehe. Der 30-jährige Ingenieur für Versorgungstechnik ist seit 13 Jahren Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Langerwehe und hat schon mehr als einmal bei einem Einsatz Menschen das Leben gerettet. Und sein eigens dabei riskiert. „Wenn die Einsatzbenachrichtigung kommt“, sagt Jagdfeld, „weiß man ja zunächst nicht, was einen erwartet. Und an der Einsatzstelle muss alles sehr schnell und sehr konzentriert gehen.“

Ob bei einem Verkehrsunfall mit einer eingeklemmten Person, oder bei einem Wohnungsbrand – die Handgriffe der Feuerwehrleute müssen sitzen. „Am Schlimmsten ist“, so Jagdfeld, „wenn an der Einsatzstelle Chaos ausbricht. Das darf eigentlich nicht sein.“ Wichtig sei auch, mit einer gesunden Portion Respekt zum Einsatz zu fahren. „Auch, um sich selbst zu schützen. Aber wenn wir von Anfang an wissen, dass bei dem Einsatz ein Mensch in Gefahr ist, fahren wir schon mit einem ganz anderen Gefühl hin. Wichtig ist auch, dass wir untereinander über die Einsätze sprechen. Vorher und hinterher.“

Einem Menschen das Leben zu retten sei schon ein „tolles Gefühl“. „Wenn man nach einem Verkehrsunfall oft erst ein paar Tage später erfährt, dass der Verunglückte überlebt“, sagt Jens Jagdfeld, „fällt einem schon eine Last von den Schultern. Das ist ein gutes Gefühl.“ Besonders freut Jens Jagdfeld sich, wenn Menschen, denen er geholfen hat, sich später bei ihm bedanken. „Einige machen das, von anderen hört man überhaupt nichts. Aber ein einfaches ‚Danke‘ wäre schon sehr schön.“

„Es ist einfach der Zeitgeist“, sagt Hebamme Magdalene Sanders (44), „dass viele Dinge selbstverständlich geworden sind, und die Menschen sich nicht mehr so oft bedanken wie früher.“

Absoluter Traumberuf

Und trotzdem kann Frau Sanders sich keinen schöneren Beruf vorstellen, als den der Hebamme. „Das ist immer noch mein Traumberuf, sagt sie und erklärt auch gleich, warum. „Ich empfinde es als absolut privilegiert, ein Paar bei so einer intimen Situation wie einer Geburt begleiten zu dürfen.“ Die Atmosphäre bei der Geburt sei eine ganz besondere. „Anfangs ist alles sehr angespannt, dann kommen sehr viele Emotionen und Freude, wenn alles gut gegangen ist. Der schönste Moment ist für mich, wenn ich den Eltern ein gesundes Kind in den Arm legen kann.“

An ihre erste Geburt kann Magdalene Sanders sich noch gut erinnern. Damals hat sie ein Schülerpraktikum im Kreißsaal gemacht. „Als ich das erste Mal dabei war, als ein Kind geboren wurde, habe ich Rotz und Wasser geheult. Aber ich wusste in dem Augenblick auch, dass das genau das ist, was ich später einmal machen wollte.“

Magdalene Sanders sieht sich selbst nicht als jemanden, der Leben schenkt. „Das tun die Eltern. Ich bin nur dabei.“ Die Mutter zweier Söhne (acht und zehn Jahre) überlegt kurz und sagt dann: „Vielleicht schenken wir dann Leben, wenn wir bei einer Komplikation schnell und richtig handeln, und am Ende eben doch alles gut ausgeht. Aber sonst nicht.“ Magdalene Sanders hat in ihrem Berufsleben rund 1300 Kindern bei ihrem Start ins Leben geholfen. „Bei der eigentlichen Geburtshilfe hat sich nicht viel geändert“, sagt sie. „Schon vor 20 Jahren waren wie heute die Väter mit dabei. Was sich aber natürlich geändert hat, sind beispielsweise die diagnostischen Möglichkeiten, die wir heute haben.“

Größere Anspruchshaltung

Und auch die Einstellung vieler Mütter. „Die Anspruchshaltung ist einfach größer geworden“, so Frau Sanders. „Und das sage ich völlig wertfrei, weil es einfach dem Zeitgeist entspricht.“ Es sei für sie schwer nachvollziehbar, wenn Mütter sich einen Kaiserschnitt wünschten oder die Geburt eingeleitet haben wollten, nur weil der Termin gerade gut passen würde. „Die Bereitschaft, sich auf eine normale Geburt einzulassen, ist gesunken. Genau wie die, Schwangerschaftsbeschwerden auszuhalten. An Magdalene Sanders Liebe zu ihrem Beruf ändert das nichts. „Es ist einfach gigantisch, wenn wieder ein Kind bei der Geburt seinen Platz in der Welt findet.“

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