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„Lass hören“: Die Lyrik lebt - auch in Düren

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Günter Kunert (Mitte) hat sich als Ehrengast des Abends vor seiner Lesung ins Goldene Buch der Stadt Düren eingetragen - zur Freude von Bürgermeister Paul Larue und Gerhard Quitmann (rechts) vom Kunstförderverein.
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Die jüngste Dichterin des Abends: Nora Bossong.
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Nancy Hünger hat das Förderstipendium bekommen.
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Manfred Peter Hein ist aus Finnland angereist. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Die Lyrik gibt es nach wie vor. Und sie erfreut sich bester Gesundheit.“ Dieser Satz, mit dem der Berliner Dichter Jan Wagner seine Laudatio für Nancy Hünger begonnen hat, hätte auch das Motto der vierten Auflage von „Lass hören“, der langen Nacht der Poesie am Samstagabend im Haus der Stadt sein können.

Dass die deutsche Lyrik sich allerbester Gesundheit erfreut, dafür gab es bei der Veranstaltung des Kunstfördervereins des Kreises Düren gleich mehrere eindeutige Beweise. Erstens: Das Haus der Stadt war bei „Lass hören“ nahezu ausverkauft – und die meisten Besucher haben das fast fünfstündige Programm auch bis zum Ende durchgehalten.

Zweitens: Die Menschen im Saal waren nicht alle jenseits der Pensionierung. Es waren durchaus auch jüngere Leute, sogar Schülerinnen und Schüler ins Haus der Stadt gekommen. Einige von ihnen konnten sogar am Nachmittag mit einigen der Autoren ins Gespräch kommen.

Drittens: Die sieben Poeten, die in Düren gelesen haben, also Nora Bossong, Manfred Peter Hein, Doris Runge, Nancy Hünger, Günter Kunert, Marion Poschmann und Jan Volker Röhnert zeigten eine riesige Bandbreite dessen, was Lyrik sein kann. Die Jüngste, Nora Bossong, ist erst 30 Jahre, der Älteste, Günter Kunert, immerhin schon 83 Jahre alt. Klar, dass sich hier die Themen, aber vor allen Dingen auch die Sprache der Gedichte deutlich unterschieden, aber auch das hat den Abend so unglaublich spannend und abwechslungsreich gemacht.

Und viertens: Die Menschen hatten Spaß. Zuhörer und Poeten gleichermaßen. „Lass hören“ war ein Abend, bei dem viel nachgedacht, aber eben auch viel gelacht werden durfte.

Thomas Rachel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium, der die Schirmherrschaft über die Lyriknacht übernommen hatte, hatte Recht. „Poesie fördert die Fantasie“, so der CDU-Politiker. „Sie ist die dichteste, anspruchsvollste und gleichzeitig aber auch die subjektivste Art, die Welt in Worte zu fassen.“ Ähnlich sieht das auch Gerhard Quitmann vom Kunstförderverein, selbst großer Lyrik-Fan und Initiator von „Lass hören“. „Lyrik gilt zwar als altmodisch und nicht mehr zeitgemäß. Das Gegenteil aber ist der Fall. Die Sprachgenauigkeit, Effizienz und Verknappung von Gedichten ist doch gerade modern, auch wenn man Emails und SMS denkt.“ Im Gegenteil dazu bräuchten Gedichte allerdings „Hinwendung, Aufmerksamkeit und Geduld“.

Zum ersten mal hat der Kunstförderverein in diesem Jahr ein Förderstipendium Lyrik verliehen. Die Preisträgerin ist Nancy Hünger aus Weimar, die ein Jahr lang jeden Monat mit 500 Euro unterstützt wird. Jan Wagner lobte Hüngers Arbeiten als „klangreiche, bildreiche Poesie“. „Nancy Hüngers Gedichte“, so Wagner, „ziehen alle Register von Sprache. Sie wollen aufs Ganze gehen, nicht verzichten.“

Das trifft auch auf die anderen Dichter des Abends zu. Doris Runge zum Beispiel, deren Texte zum Schmunzeln anregen, aber auch nachdenklich machen. „Blind Date“ zum Beispiel bekommt beim zweiten Vorlesen eine völlig andere Bedeutung, als die Dichterin erklärt, dass sie eigentlich von einem Rendezvous mit dem Tod erzählt.

Oder Manfred Peter Hein, der kommentarlos 30 Gedichte aus 50 Jahren vorgetragen hat – über den Tod seines Vaters am 8. Mai 1945 zum Beispiel oder die Stadt Prag.

Und dann Günter Kunert, Ehrengast von „Lass hören“ 2012. Kunert hat sowohl den Nationalsozialismus als auch das DDR-Regime erlebt, er erzählt in seinen Gedichten seine ganz persönliche deutsche Geschichte. Dabei ist im ein fast schon schelmisches Augenzwinkern nie abhanden gekommen. „Die Lyrik gibt es nach wie vor. Und sie erfreut sich bester Gesundheit.“

Jan Wagner hat es wirklich auf den Punkt gebracht. Besser kann man „Lass hören“, die lange Nacht der Poesie einfach nicht beschreiben. e_SQuSAngemerkt

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