Kreis Düren - Landstraße statt Fahrradweg: ein Radler klagt

Landstraße statt Fahrradweg: ein Radler klagt

Von: kr/sj
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Zwischen Buir und Golzheim verläuft der Radweg parallel zur Landstraße. Ein Radfahrer fordert , die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben, damit die Straße genutzt werden kann. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Ein Lehrer des Dürener Berufskollegs kaufmännische Schulen pocht darauf, mit seinem Fahrrad auf der Landstraße 327 fahren zu dürfen und nicht auf dem daneben verlaufenden Radweg. Dieser ist mit dem entsprechenden Schild gekennzeichnet, und so kommt die Radwegbenutzungspflicht ins Spiel.

Es geht um rund einen Kilometer auf Kerpener Stadtgebiet. 1000 Meter zwischen Buir und Golzheim, die der Berufsschullehrer Roger Eichler werktags acht Jahre lang mit seinem Sportrad zurückgelegt hat, um nach weiteren zehn Kilometern auf Dürener Kreisgebiet zum Berufskolleg zu gelangen.

Viermal Bußgeld bezahlt

Dieser Kilometer ist Gegenstand einer von Eichler angestrengten Klage: Er pocht darauf, auf der L 327 fahren zu dürfen. Er habe bereits viermal Bußgeld in Höhe von 20 Euro zahlen müssen, erzählt Eichler. Nach der jüngsten der Polizeikontrollen, die zumeist auf Dürener Kreisgebiet stattgefunden hätten, stellte er sein Rad in die Ecke und fährt motorisiert zur Arbeit. Ökologisch sei das nicht, betont der 50-Jährige.

Um doch ordnungsgemäß auf dem Rad zum Berufskolleg unterwegs sein zu können, beantragte er bei der Stadt Kerpen, die Beschilderung zu entfernen. Damit entfiele die Radwegbenutzungspflicht. Die Verwaltung jedoch lehnte das Ansinnen ab. Stadtsprecher Erhard Nimtz berichtet von einem Ortstermin mit Vertretern von Polizei und Stadt sowie dem Radbeauftragten des Kreises. Es bestehe eine Gefahrenlage, so das Ergebnis, da außerhalb des Ortes Tempo 100 auf der L327 erlaubt sei. Eine Reduzierung des Tempolimits widerspreche dem Straßencharakter. Ferner sei der Kurvenbereich kurz vor Golzheim schlecht einsehbar, so dass es beim Überholen gefährlich werden könne. Außerhalb der Ortslage gebe es keine Beleuchtung, und die Straße sei nur 6,50 Meter breit.

Eichler hingegen sieht sich keinen Gefahren ausgesetzt und verweist auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2010, das einem Radler in einem ähnlich gelagerten Fall in Ortsteilen von Regensburg recht gegeben hatte. Auf dem Fuß-/Radweg an der L327 seien morgens häufig Passanten und Hundebesitzer mit ihren Tieren unterwegs, was die von Eichler angestrebte zügige Fahrweise nicht gefahrlos zulasse. Auch sei die Beschaffenheit der Oberfläche – Stoßkanten und weitere Unebenheiten – für dieses Tempo auf dünnen Rennradreifen nicht geeignet, die Wegeführung mache es nötig, die Landstraße mehrfach zu queren.

Dies sei gefährlicher , als von Autos überholt zu werden, findet Eichler. Zudem habe ihm die Stadt Kerpen in ihrem Bescheid noch ein Argument geliefert: Das Verkehrsaufkommen betrage nur rund 2000 Fahrzeuge täglich, heißt es, und werde weiter zurückgehen.

Eichler hat die selbst verfasste Klage gegen den Bescheid dem Kölner Verwaltungsgericht zugestellt. Vom Kreis Düren indes hat er noch keine Antwort auf seinen Antrag, die Radwegbenutzungspflicht aufzuheben. Aus dem Kreishaus hieß es auf Nachfrage, dass Anfang Februar die entsprechende Straße bereist werde. Vertreter von Polizei, Landesbetrieb Straßen NRW und dem Straßenverkehrsamt würden sich vor Ort ein Bild der Situation machen. Die Frage, ob die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben werden kann, hänge auch von Zustand, Breite, Verkehrsfrequenz und Gefährdungspotenzial ab.

Die Entscheidung, die Straße auf für Radfahrer freizugeben, müsse in jedem Fall individuell geprüft werden. Auf das ganze Kreisgebiet bezogen brauche dies Zeit, hieß es aus dem Dürener Kreishaus.

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