Kunst aus Düren reist stressfrei in die Ferne

Von: Margret Vallot
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Sieht sich im Depot des Leopol
Sieht sich im Depot des Leopold-Hoesch-Museums Kunstwerke sehr genau an: Restauratorin Sandra Schäfer. Sie wird immer dann engagiert, wenn ein Bild Düren verlässt und die Reise in ein anderes Musum antritt. Foto: Margret Vallot

Düren. Tausende Bilder bewahrt das Leopold-Hoesch-Museum in seinem Mauern auf. Sie bilden einen wertvollen Schatz. Einige Kunstwerke sind so wichtig und berühmt, dass die Museumschefs anderer Kunsttempel sie gern mal ausleihen würden.

Dann erreicht die Dürener eine Leihanfrage, und die wird nach Möglichkeit positiv beantwortet. Nur: Für das Kunstwerk beginnt jetzt eine stressige Zeit.

Der größte Teil der Bilder befindet sich im Depot des Museums und fühlt sich bei konstant 18 Grad Raumtemperatur und 55 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit pudelwohl. Das Depot sei für die Öffentlichkeit tabu, erklärt Kurator Markus Mascher, „und das ist keine Schikane”. Jede Person, die reinkommt, bringt Staub mit, und es verändert sich durch die Atemluft die Luftfeuchtigkeit. Das würde bedeuten: Gefahr für die Bilder, von denen im allerschlimmsten Fall die Farben abplatzen.

Wenn ein Bild auf Reisen geht, wenn es also das wohltemperierte Depot oder die Ausstellungsräume des Leopold-Hoesch-Museums verlässt, wird eine Spezialfirma eingeschaltet. Die Spedition bringt 24 Stunden bevor der Transport beginnt eine so genannte Klimakiste ins Museum. Diese Kiste ist isoliert und muss sich im Museum „akklimatisieren”. So in die richtige Temperatur gebracht, nimmt die Kiste das Bild auf, und los geht die Fahrt.

Nein, halt. Vorher kommt noch Diplom-Restauratorin Sandra Schäfer ins Haus und waltet ihres Amtes. Sie schaut sich vor dem Verpacken die Kunst Zentimeter für Zentimeter an und protokolliert alle Auffälligkeiten und kleinen Schäden. Dieses Zustandsprotokoll wird sie wieder zur Hand nehmen, wenn das Kunstwerk zurückkommt. Dann wird noch einmal sehr genau hingeschaut und verglichen, ob die Kunst auch heil in Düren angekommen ist.

Aktuell geht in diesen Tagen ein Bild der berühmten Malerin Paula Modersohn-Becker von Düren aus nach Karlsruhe auf die Reise. Es soll in der Städtischen Galerie Karlsruhe vom 11. November bis zum 17. Februar im Rahmen einer großen Ausstellung („Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker und Worpswede”) gezeigt werden. Ausnahmsweise dürften die „DN” ins Depot und die Restauratorin beim Begutachten des kleinen Kunstwerks beobachten.

Wenn das Werk in Karlsruhe ankommt, ist übrigens - wie immer bei reisenden Bildern - jemand aus Düren anwesend. „So ein Bild zu verschicken, das ist aufwendig und teuer”, erklärt Mascher. Je weiter weg desto mehr Aufwand und Kosten: Nach Bonn zu reisen ist preiswerter als beispielsweise nach Madrid, wo Flug und Übernachtung für den Mitreisenden fällig werden. Wie mit dem Bild verfahren wird, dass wird übrigens alles im Leihvertrag festgehalten. Auch, dass immer der Leihnehmer die Kosten für den komplizierten Transport und die Arbeit der Restauratorin zu zahlen hat.

In Karlsruhe angekommen wird Paula Modersohn-Beckers Arbeit (Birkenstamm am Moorgraben, 1901, Öl auf Karton, 39,5 x 55 cm ) nicht einfach flott ausgepackt und aufgehängt. Oh nein, sie muss sich in der Klimakiste erst mal 24 Stunden lang an die neue Umgebung gewöhnen. „Das Schlimmste wäre ein rapider Wechsel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit”, sagte Mascher. „Ein Schock für das Bild” wäre das, den sich der Kurator lieber nicht vorstellen möchte.

Zuletzt wurde ein Werk von Emil Nolde (Großer Mohn, 1908, Öl auf Leinwand, 73 x 87,7 cm ) ausgeliehen. Das Werk ist mittlerweile wieder heil aus Berlin an der Rur angekommen. Jedenfalls hängt es jetzt im Neubau des Hoesch-Museums in einem der oberen Säle und sieht kein bisschen gestresst aus.

Paris, Basel, Rotterdam, Bonn, Wuppertal, Emden

Ausgeliehen wurde ein Werk des Malers Emil Nolde mit dem Titel „Großer Mohn”, 1908, Öl auf Leinwand, 73 x 87,7 Zentimeter. Es wurde vom 22. April bis zum 20. August 2011 in der Ausstellung „Max Liebermann und Emil Nolde. Gegner und Gartenfreunde” in der Liebermann-Villa am Wannsee gezeigt.

Es gab zudem eine Ausleihe nach Paris in die Pinacothèque de Paris. Weitere Kooperationspartner im Rahmen des Leihverkehrs waren jüngst das Kunstmuseum Basel, das Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam, das Louisiana Museum of Modern Art im dänischen Humlebaek, das Kunstmuseum Bonn, das Von der Heydt-Museum in Wuppertal oder die Kunsthalle Emden.

Mit all diesen Nachfragen wird deutlich, wie wichtig und wertvoll die Werke sind, die das Leopold-Hoesch-Museum und damit die Bürger von Düren ihr Eigen nennen dürfen.

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