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Künstler erhält Zutritt, gehört aber nicht dazu

Von: jap
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Oliver Trautwein und Dieter Wien(v.l.) gaben dem weltberühmten spanischen Maler Francisco Goya ein Gesicht. Foto: Jana Peterhoff

Düren. Das Theater des Ostens Berlin hat im Haus der Stadt einen großen Stoff auf der Bühne gebracht: „Goya”, ein Schauspiel nach einem Roman von Lion Feuchtwanger über den spanischen Maler Francisco de Goya.

Suchend und intensiv hat sich die Theaterregisseurin Vera Oelschlegel, die gleichzeitig die Königin spielte, mit dem Text und der Inszenierung beschäftigt.

Das Ergebnis ist ein anspruchsvolles, modernes und trotzdem historisch nahes Theaterstück, das etwa 300 Theaterfreunde bewegt und zum miteinander Diskutieren gebracht hat.

Spanien, Ende des 18. Jahrhunderts, düstere Zeiten herrschen auf der Iberischen Halbinsel. Während Westeuropa sich langsam vom Mittelalter erholt, lauern dort die Schatten der Inquisition und später die Schrecken des Krieges. In dieser Zeit gelingt Goya der Aufstieg vom Bauernsohn zum Hofmaler Karls IV.

Ein Malergenie

Seine gefälligen Porträts ermöglichen ihm den Zutritt zu höchsten Adelskreisen. Das unruhige und ehrgeizige Malergenie passt sich zwar an, sehnt sich aber nach einem selbstbestimmten Leben und künstlerischer Freiheit. Dieser Zwiespalt und die Zerrissenheit kennzeichnen Goya. Die Zugehörigkeit zu den höchsten Kreisen gelang ihm nicht, er empfand es auch nicht als erstrebenswert. Das Heldenhafteste ist: Er stellte sich trotz der schlimmen Konsequenzen der grausamen Allianz aus Monarchie und Kirche entgegen.

Der verheiratete Goya hat eine leidenschaftliche Affäre mit der Herzogin von Alba, doch als seine Tochter stirbt, plagen ihn Schuldgefühle. Zu diesem Zeitpunkt ist er schon taub. Seine Ehefrau, zwei seiner Kinder, die Herzogin von Alba und der Freund sterben. Große Verzweiflung und innere Ängste bestimmen nun sein Leben.

Der Kern der Inszenierung ist die zweifache Verkörperung der Hauptfigur. So werden auf der Bühne innere Vorgänge nach außen erfahrbar machen, und auch die Entwicklung der Persönlichkeit des Malers wird gezeigt. Der ältere Goya, hervorragend gespielt von Dieter Wien, ist ruhiger, freier und weise, aber auch müde und desillusioniert, er hält sich zurück. Der jüngere Goya ist leidenschaftlich und ungeduldig. Er versucht zu gefallen und verstrickt sich bis zum Wahn in eine Affäre mit der zweitmächtigsten Frau Spaniens. Oliver Trautwein gab absolut treffend den jungen, unruhigen Malergeist wider.

Die Akteure um das Goya-Paar überzeugten mit hohem darstellerischem Niveau und einer klaren, variantenreichen Bühnensprache. Kein steifes, trockenes Lehrstück, sondern spannend und herausfordernd. Ein Theaterstück gegen alle dunklen totalitären Mächte und für das Leben. „Denn wir leben nur so kurze Zeit auf dieser Erde”, sangen die Schauspieler bevor der große Beifall kam.
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