Düren - Konrad-Adenauer-Park: Idylle oder Angstraum in Düren?

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Konrad-Adenauer-Park: Idylle oder Angstraum in Düren?

Von: Burkhard Giesen
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Wildwuchs, klagen die Anwohner – das ist so gewollt, sagt der DSB. Sarah Fuchs: „In allen Parks setzen wir bewusst auf einzelne Flächen, die weniger stark gepflegt werden, um etwas für die Insekten zu tun.“ Foto: Giesen
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Idylle oder Angstraum? Bei der Neugestaltung des Adenauerparks fordern Anwohner mehr Anstrengungen in punkto Sicherheit. Die Stadt sagt Hilfe zu. Foto: Giesen
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Dauerthema: entfernte Gullydeckel und Glasscherben. Foto: Ruegenberg

Düren. Als Ende Mai die Stadt ihre Planung für die Umgestaltung des Konrad-Adenauer-Parks den Bürgern vorgestellt hat, hielt sich die Begeisterung der Anwohner in Grenzen. Das nicht, weil sie gegen die von der Stadt angestrebte Aufwertung des Parks sind – sie vermissen in dem vorgelegten Konzept vielmehr entscheidende Begleitmaßnahmen, die Themen wie Sicherheit, Ordnung und Pflege berühren.

Dabei definieren Planer und Anlieger ihre Vorstellungen durchaus ähnlich. Die Stadt will die Aufwertung des öffentlichen Raumes und des Wohnumfeldes erreichen, eine Steigerung von Lebens- und Wohnqualität erzielen, die soziale Sicherheit verbessern. Denn: Insgesamt wirke der Park finster und unübersichtlich. Sogar von „derzeit existierenden Angsträumen“ ist in einer Sitzungsvorlage die Rede.

Anwohner wie Thomas Ruegenberg oder Hans Drenkhahn sehen das nicht viel anders. Sie wünschen sich eine Aufwertung ihres unmittelbaren Wohnumfeldes. Womit sie sich nicht zufriedengeben wollen ist, dass man sich nur über die planerische Gestaltung des Parks unterhält. Ruegenberg: „Uns geht es nicht darum, die Umgestaltung des Adenauerparks zu torpedieren.

Wir begrüßen es sogar, dass der Park auf Vordermann gebracht wird. Vielmehr würden wir aber gerne sehen, dass das Projekt auf nachhaltige Füße gestellt wird.“ Und mit der geforderten Nachhaltigkeit meint Ruegenberg nicht nur die künftige Pflege des Parks. Seine Liste dessen, wo die Stadt eingreifen müsste, ist lang und reicht von Verschmutzung durch Hundekot, regelmäßig im Park entfernten Gully-Deckeln, herumliegenden Scherben über nächtliche Lärmbelästigung und Partys und Einbrüche entlang des Parks bis hin zu Autorennen auf den umliegenden Straßen.

Schauplatz krimineller Machenschaften

Hinzu komme, dass am Adenauerpark mit Drogen gehandelt werde. Ruegenberg und Drenkhahn haben den Eindruck, dass entsprechende Beschwerden bei Polizei und Ordnungsamt keinen Erfolg haben. Ruegenberg: „Wir reden hier nicht über einmalige Vorfälle, das sind wiederkehrende Probleme.“ Er würde sich wünschen, dass Polizei und Ordnungsamt verstärkt Streife fahren würden. Beim Thema Hundekot in den Parkanlagen kann Ruegenberg nicht verstehen, dass niemand kontrolliert, ob der Leinenzwang eingehalten wird. Ein „Park-Ranger“, der keine Befugnisse habe, könne da nicht helfen, meinen Ruegenberg und Drenkhahn.

Sie haben noch andere Beispiele, die verdeutlichen können, warum sie sich nicht Ernst genommen fühlen und was auch den Begriff des „Angstraumes“ vielleicht klarer werden lässt. Mehrfach sei Anwohnern ein Mann aufgefallen, der immer wieder an verschiedenen Stellen am Park aus dem Auto heraus Kinder anspreche. „Wir haben das der Polizei gemeldet und auch das Autokennzeichen durchgegeben. Eine Rückmeldung haben wir nie erhalten“, moniert Ruegenberg.

Stattdessen stelle man fest, dass diese Person sich auch weiterhin immer wieder in Parknähe aufhalte. Das macht nicht nur Ruegenberg selbst, der eine vier- und eine zweijährige Tochter hat, Angst. „Uns fehlt inzwischen ein bisschen das Vertrauen, dass Polizei und Ordnungsamt schnell reagieren“, fügt er noch hinzu. Dabei wäre es doch sinnvoller, präventiv zu agieren, das würde mehr Sicherheit für die Anwohner erzeugen.

Dabei agiert die Polizei präventiv, ohne, dass die Anwohner das unbedingt erfahren. So hat die Polizei im Fall des Mannes, der in Parknähe Kinder anspricht, eine Gefährderansprache vorgenommen, wie Ingrid Königs von der Polizei Düren bestätigt. Sie sagt aber auch, dass weitere Vorfälle nicht gemeldet wurden. „Wenn Anwohner solche Vorfälle weiter wahrnehmen, müssen sie uns über jeden Vorfall informieren, sonst können wir nicht handeln.“

Eines der Probleme: Die Polizei teilt grundsätzlich keine Ermittlungsergebnisse mit. Daraus kann dann bei den Anwohnern der Eindruck entstehen, die Polizei kümmere sich nicht. Ein anderes Problem: „Subjektive Beschreibungen helfen uns nicht immer. Speziell dann nicht, wenn sie nicht gerichtsverwertbar sind“, sagt Königs mit Blick auf das von den Anwohnern gemeldete Autorennen. „Natürlich haben wir Verständnis dafür, wenn Anwohner hier von einem Angstraum sprechen.

Unser Problem ist aber, dass die Anzahl der Delikte das nicht hergibt“, sagt Königs. Beispiel BTM-Delikte: In 2016 gab es drei entsprechende Fälle in diesem Bereich, in 2017 zwei, in 2018 bisher keinen. Ähnlich lautet die Statistik für die Zahl der Einbrüche: zwei in 2016 (einer davon blieb beim Versuch), fünf in 2017 (zwei Versuche), keinen in 2018. Wie sollen die Anwohner jetzt mit ihren subjektiven Ängsten umgehen? Ihren Eindruck revidieren, dass die Polizei nicht handele? „Sie könnten uns gemeinsam gezielt ansprechen und ihre Bedenken und Anregungen schildern. Natürlich würden wir darauf reagieren und mit den Anwohnern das Gespräch suchen“, antwortet Königs.

Zivilstreifen einsetzen

Helfen kann, dass die Stadt in dieser Woche angekündigt hat, den Ordnungsdienst personell weiter zu stärken und Zivilstreifen einzusetzen. Beim Ordnungsamt ist das Problem Adenauerpark bekannt. „Die Vorwürfe treffen zum Teil zu“, reagiert Klaus Heinen von der Stadt Düren. Bei Beschwerden wegen Ruhestörung sei man bisher „in jedem Fall innerhalb weniger Minuten vor Ort“ gewesen. Auch beim Thema der nicht angeleinten Hunde schreite der SOD-Dienst ein: „Letztes Jahr wurden 17 Mal Verwarngelder ausgesprochen – überwiegend wegen nicht angeleinter Hunde“, sagt Heinen und verspricht: „Wir werden den Adenauerpark ab sofort auch in die Kontrollen des Abenddienstes aufnehmen.“

„Das war unsere Intention, dass diese Kräfte auch außerhalb der City eingesetzt werden sollen“, bekräftigt Bruno Voß, Ratsmitglied der Grünen. Seine Fraktion hat in dieser Woche den Park besichtigt, um sich den Stand der Planung erläutern zu lassen, auch mit Blick auf die Frage, ob denn wirklich der alte Baumbestand im Bereich zur Merianstraße größtenteils entfernt werden muss, was von den Anwohnern dort ebenfalls kritisiert wird. Die Bäume als Sicht- und Lärmschutz sollen weitestgehend erhalten bleiben oder ersetzt werden, sagt Voß.

„Die Verwaltung ist dabei, die Anregungen der Bürger in ihre Planung aufzunehmen. Das wird bei einer weiteren Bürgerversammlung im September vorgestellt. Für die Anwohner wäre das eine gute Möglichkeit, auch die Themen Sicherheit und Ordnung anzusprechen“, empfiehlt er. Mit Blick auf die künftige Pflege des Parks sagt Voß: „Wenn wir einen Park neu gestalten, muss uns klar sein, dass wir dem DSB auch das entsprechende Budget zur Verfügung stellen müssen.“

 

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