Kommentiert: Braucht Düren ein neues Papiermuseum?

Von: Ingo Latotzki
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Braucht Düren ein neues Papiermuseum? Diese Frage hat die örtliche Politik im Kultur- und Bauausschuss mit klarer Mehrheit beantwortet: Ja, Düren braucht ein neues Papiermuseum.

Während sich die CDU mit Bürgermeister Larue geradezu begeistert für den Neubau samt Sanierung aussprach, zeigte sich die „Ampel“-Koalition skeptischer, stimmte dem vorgelegten Konzept aber ebenfalls zu. Dabei muss festgehalten werden, dass die „Ampel“ deshalb zurückhaltender in ihrer Bewertung war, weil nicht geklärt ist, wie hoch die Folgekosten für das Projekt sein werden.

Die Verwaltung konnte diese Zahlen für Unterhalt und mögliches zusätzliches Personal nicht nennen, nicht mal eine Größenordnung. Dies soll nachgereicht werden. Breite Zustimmung also, sieht man einmal von Grünen-Stadtrat Georg Schmitz ab, der den geplanten Neubau mit einem Bunker samt Schießscharten verglich. Eine Einzelmeinung, wie schnell deutlich wurde.

Die CDU empörte sich angesichts der drastischen und sicher unglücklichen Formulierung. Dennoch ist es gestattet, eine solche Meinung zu vertreten. Schmitz war es auch, der nach Besucherzahlen fragte und wissen wollte, inwieweit ein modernes Papiermuseum seine Einnahmen steigern könnte. Zu Letzterem gibt es keine Zahlen, zum ersten Aspekt schon: 5000 zahlende Besucher verzeichnen Hoesch-Museum und Papiermuseum zusammen – das sind etwa 17 Personen am Tag. „Ein Luxus für wenige“, sagt SPD-Fraktionschef Henner Schmidt. 2012 kamen laut Bürgermeister 8500 Besucher.

Damals wurde eine Ausstellung zum Annakirmes-Jubiläum gezeigt, etwas Volkstümlich-populäres also, das deutlich mehr Gäste als sonst anzog. Ein Fingerzeig. Also: Braucht Düren ein neues Papiermuseum? Die Finanzierung ist für die Stadt günstig. Von den 3,7 Millionen Euro Gesamtinvestition zahlt sie 600.000 Euro. Die regionale Wirtschaft steuert 700.000 Euro bei und beantwortet die Frage nach dem Museum wie die Politik mit einem klaren Ja.

Natürlich können Museen Standortfaktoren sein für Kommunen, wenn sie denn Konzepte verfolgen, die vom Publikum auch nachgefragt werden. Das Dürener Papiermuseum hat in dieser Hinsicht noch Luft nach oben, Gleiches gilt für das Hoesch-Museum, auch wenn die Ausstellungen in beiden Häusern in Kunstkreisen als hochwertig eingeschätzt werden. Finanziert werden die Museen aber auch vom Steuerzahler.

Von den 3,7 Millionen Euro für das neue Papiermuseum werden insgesamt 1,4 Millionen Euro von der Allgemeinheit aufgebracht. Genau sie sollte die Angebote auch nachfragen, das ist das Entscheidende und die große Herausforderung, vor der die Verantwortlichen stehen. Gelingt das, würde sich die Frage, ob Düren ein neues Papiermuseum braucht, erübrigen.

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