Kölner Vergewaltigungsfall: Pille danach in Düren „kein Problem“

Von: kin
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Düren. „So ein Fall wie ihn das Vergewaltigungsopfer in Köln erlebt hat“, ist Eva-Maria Eschbach, Leiterin der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“ in Düren sicher, würde in Düren nicht passieren. „Hier wird keine Frau abgewiesen. Auch nicht in einem Krankenhaus in katholischer Trägerschaft.“

Vermutlich hat Eva-Maria Eschbach Recht. Das Krankenhaus Düren an der Roonstraße und auch die beiden CTW-Häuser in Jülich und Birkesdorf haben eine Kooperation mit dem Weißen Ring, in allen drei Kliniken kann eine anonyme Spurensicherung durchgeführt werden. Die gesicherten Spuren bekommen eine Geheimnummer und werden 20 Jahre im gerichtsmedizinischen Institut in Köln aufbewahrt, damit das Opfer auch noch zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten kann. Anonyme Spurensicherung ist also im Kreis Düren kein Problem, was aber ist mit Verabreichung der Pille danach?

Im Kreis Düren sind im vergangenen Jahr 28 Vergewaltigungen bei der Polizei angezeigt worden, 2011 waren es 32 Fälle und 2010 26. „Wir haben“, so Eva-Maria Eschbach, „neun Frauen im vergangenen Jahr nach einer Vergewaltigung betreut. Und alle wollten die Pille danach.“ Grundsätzlich, so Eschbach weiter, sei es auch kein Problem, die in Düren zu bekommen. Das bestätigt auch Christoph Lammertz, Sprecher des Krankenhauses Düren an der Roonstraße. „In unserem Haus wird im Schnitt jeden zweiten Tag im Notdienst die Pille danach verschrieben. Natürlich nicht nur Vergewaltigungsopfern.“

Im St.-Marienhospital in Düren-Birkesdorf gibt es auch Fälle, in denen Frauen die Pille danach bekommen haben. Diese Fälle sind aber hier die Ausnahme und nicht die Regel, wie CTW-Geschäftsführer Bernd Koch auf Anfrage der „DN“ erklärt. „Das liegt dann aber unmittelbar – bei medizinischer Indikation – in der Interpretation des behandelnden Arztes“, so Koch. Wenn eine Frau beispielsweise direkt nach der Vergewaltigung ins Krankenhaus käme, und noch keine Schwangerschaft vorliegen könne, könne die Pille danach verabreicht werden. „Immer unter genauer Prüfung aller somatischen und psychosozialen Aspekte.“ Unter Umständen liegt dann eben kein Schwangerschaftsabbruch, sondern Schwangerschaftsverhütung vor.

Anders sieht es aus, wenn die Vergewaltigung schon länger zurückliegt. Bernd Koch: „Dann können wir die Pille danach nicht geben. Kein Vergewaltigungsopfer wird abgewiesen, wir vermitteln die Patientinnen, die ansonsten bei uns die komplette medizinische Versorgung bekommen, weiter.“ Koch hält das für die potenziellen Vergewaltigungsopfer auch für zumutbar. „Es ist an sieben Tagen in der Woche in Düren möglich, innerhalb von zwei bis drei Stunden die Pille danach problemlos zu bekommen. Manche Frauen haben auch das Bedürfnis, über diese Entscheidung etwas gründlicher nachzudenken.“

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