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Klinikchef nach 22 Jahren in den Ruhestand

Von: kin
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Dr. Erhard Knauer geht in den Ruhestand. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Er ist ein Mann, der in keine Schublade passt. Unkonventionell, liberal. Den psychisch kranken Menschen immer im Blick. Er ist Chefarzt und Sozialdemokrat, hat bis 1970 in Berlin studiert und die 68er-Bewegung hautnah miterlebt.

Später war er fünf Monate Hausmann, als die älteste Tochter schon geboren und seine Frau noch Studentin war. Sein Markenzeichen ist ein roter Pullover, ohne den man ihn eigentlich nie gesehen hat. Die Rede ist von Dr. Erhard Knauer, der 22 Jahre Ärztlicher Direktor der LVR-Klinik in Düren war. Am Mittwoch wurde der 65-Jährige offiziell verabschiedet.

Nach dem Studium in Berlin und Aachen hat Knauer „zunächst ein bisschen mit der Chirurgie geliebäugelt”, sich dann aber doch für die Psychiatrie entschieden. „Die Chirurgie”, sagt er heute, „galt als Fach mit vielen Diensten. Ich war gerade frisch verheiratet und wollte auch Zeit mit meiner Familie verbringen. Ich habe diesen Schritt nie bereut, war immer mit Leib und Seele Psychiater.”

Wenn er von seiner Zeit in Düren berichtet, erzählt Knauer, dass die Stationen in seiner Klinik mit den rund 700 Plätzen kleiner geworden sind und die Zahl der Mitarbeiter erhöht wurde. Er erzählt von der Gründung dezentraler Tageskliniken in Alsdorf und im Rhein-Erft-Kreis, davon, dass sich die Behandlung mit Psychopharmaka erheblich verbessert habe, und die ambulante Behandlung sehr viel einfacher geworden sei. Die Versorgung von alten Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Demenz ist ihm ein Anliegen, genau wie die Versorgung psychisch kranker Menschen außerhalb der Klinik, die sich durch die Gründung von Vereinen wie „Die Kette” in Düren enorm gesteigert hat.

Aber Erhard Knauer spricht - natürlich - auch vom Maßregelvollzug im Forensischen Dorf und den unangenehmen Schlagzeilen, die seine Klinik in den letzten zwei Jahrzehnten gemacht hat. Völlig ruhig und ohne Emotionen berichtet er, wie der Vater eines Patienten aus Haus 5, dem früheren „Bewahrhaus” in Düren ihn mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hat („Auch das hat mich nie ins Zweifeln gebracht, ob ich den richtigen Beruf habe.”). Er erinnert an den Mord an einer Krankenschwester und den Ausbruch von Bernd Büch, der auf der Flucht erneut getötet hat. Zu Zeiten von Haus 5, so Knauer, habe es bis zu 20 Ausbrüche pro Jahr gegeben. „Viel mehr als später im Forensischen Dorf.” Erhard Knauer glaubt, dass alle 200 Patienten der Forensik therapierbar seien. „Sonst wären sie nicht hier. Jeder, der in den Maßregelvollzug kommt, ist schuldunfähig. Und muss entsprechend behandelt werden.”

Knauer ist überzeugt von dem, was er sagt, und das muss er auch sein. Natürlich, und das sagt er auch, könnten auch Gerichte und Psychiater irren. „Unser Erfolg ist letztlich nur daran messbar, was passiert, wenn wir die Leute entlassen. Aber die Rückfallquote bei Gefängnisinsassen, ist viel höher als bei den Forensik-Patienten, die entlassen werden.” Trotzdem, so Knauer, spüre man deutlich einen gesellschaftlichen Wandel. Früher habe es geheißen, Therapie und Sicherheit. „Heute ist das genau umgekehrt. Für mich ist das ein Rückschritt.”
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