Düren - Kleiner Rummel um die Kirmesgeschichte

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Kleiner Rummel um die Kirmesgeschichte

Von: Ingo Latotzki
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Der Dürener Historiker Dr. Horst Wallraff im Leopold-Hoesch-Museum. Das Haus zeigt derzeit die Ausstellung „Die Kunst der Schausteller. 375 Jahre Annakirmes“. Besucher der Jubiläums-Veranstaltung am 9.Juli können sich die Ausstellung nach der Talk-Runde ansehen. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Historiker arbeiten manchmal wie Detektive. Wenn man so will, ermitteln sie, spüren auf, machen sich ein Bild. Horst Wallraff ist Historiker. Derzeit liegen auf seinem Schreibtisch Dokumente und Fotos, dazu jede Menge Blätter, alle mit der Hand beschrieben.

Der promovierte Historiker arbeitet am Thema Annakirmes. Anfang nächsten Jahres wird es in den Geschichtsblättern des Dürener Geschichtsvereines eine umfängliche Veröffentlichung zur Geschichte des Dürener Rummels geben.

Darum forscht Wallraff seit Wochen. Nun ist er auf eine Schrift gestoßen, die für Düren von ziemlicher Bedeutung ist, gelinde gesagt: Er hat eine Urkunde gefunden, die aus dem Jahr 1546 stammt. Dem Schriftstück ist zu entnehmen, dass die Stadt Düren ein paar Kisten Wein an Franziskaner liefere – und zwar in der Kirmesnacht zu St. Anna. Wie gesagt: 1546 war das. Die Urkunde stammt aus dem Landesarchiv Düsseldorf. Bisher galt als erste urkundliche Erwähnung der Annakirmes das Jahr 1638, weshalb dieses Jahr auch der 375. Geburtstag gefeiert wird. Muss die Dürener Geschichte nun umgeschrieben werden?

„Eigentlich ja“, schmunzelt Historiker Wallraff. Wenngleich er sofort relativiert: „Es war nie ganz klar, wann die Annakirmes zum ersten Mal stattgefunden hat.“ Es muss zwischen 1501 und 1638 gewesen sein. 1501 wurde das Annahaupt nach Düren gebracht, daraus entwickelte sich „nach dem 26. Juli, dem Annafest, ein Pilgerfahrtstag, eine eintägige Kirmes, die wohl später die Bezeichnung Annenmarkt führte“, wie Hans Zens in seinem Buch über die Annakirmes notiert. Zens, ehemaliger Platzmeister, hat 1988, zum 350. Geburtstag, zusammen mit dem Dürener Journalisten Rudi Böhmer, die Historie des Rummel anekdoten- und bildhaft herausgearbeitet.

Es ist auch deshalb schwer, einen exakten Geburtstag der Kirmes zu nennen, weil es 1543 in Düren einen großen Stadtbrand gab, bei dem alle Unterlagen vernichtet wurden. Blieb bisher der Ratsbeschluss von 1638, den auch Professor August Schoop in seinen „Quellen zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte der rheinischen Städte“ erwähnt. Auf Bitten der damaligen Dürener Kaufleute wurde auswärtigen Leinen- und Tuchmachern untersagt, ihre Waren auf einem Markt anzubieten. Sie machten ihre Angebote nämlich nicht nur am 26. Juli, sondern auch drei Tage davor und danach. Damals bot die Kirmes natürlich keine Unterhaltungselemente. Das ging eigentlich erst Anfang des 20. Jahrhunderts los. 1900 etwa wurde in den USA der Autoscooter erfunden – und kam schnell auch nach Düren. Seit 1897 findet die Kirmes auf dem heutigen Platz statt.

„Die Kirmes war immer auch ein Spiegel des Zeitgeistes“, sagt der Historiker Horst Wallraff. 1948 etwa berichten die Aachener Nachrichten von „einer Fresskirmes“. Verständlich, der Krieg war gerade drei Jahre vorbei.

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