Düren - Kippt Düren die Vision vom See?

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Kippt Düren die Vision vom See?

Von: Burkhard Giesen
Letzte Aktualisierung:
indesches meer
Das Indesche Meer im Prospekt: Mit Visionen von Wohnen am See wurde für das Vorhaben geworben. Grafik: Günther Herfs

Düren. Mit Visionen ist das immer so eine Sache. Sie sind schön, können aber dann und wann auch platzen. „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen”, sagte Helmut Schmidt einst. Stadt zum Arzt marschiert die Stadt Düren wegen einer Vision allerdings lieber zum Landesverfassungsgericht.

Am 21. September wird in Münster die Klage der Stadt gegen die Änderung des Braunkohlenplans verhandelt.

Der sieht vor, dass der Tagebau Inden nicht wie ursprünglich geplant mit Erde, sondern mit Wasser befüllt werden soll. Und genau dagegen hat die Stadt Düren ihr Veto eingelegt.

Zunächst auf einen Verhandlungstag ist das Verfahren in Münster terminiert und die Stadt ist optimistisch, den Prozess zu gewinnen. Technischer Beigeordneter Hans Wabbel: „Natürlich rechnen wir uns gute Chancen aus, sonst hätten wir die Klage nicht eingereicht.”

Dabei pocht Wabbel auf die Umsetzung des alten Braunkohlenplans, weil sich die Grundannahmen von damals nicht verändert hätten. Wabbel: „Der alte Plan hätte nicht geändert werden müssen und dürfen.”

Und wenn Wabbel in den neuen Plan schaut, kann er sich ein paar Seitenhiebe nicht ersparen. In wunderschönen Broschüren sei den Menschen ein Vorhaben verkauft worden, was es de facto nicht geben werde. Zum Beispiel die Vision vom Wohnen am See, die mit blumigen Worten beschrieben wird.

„Die Entwicklung im Indeland zu einem attraktiven Lebensraum mit ?Wohnen am Wasser und einem abwechslungsreichen Freiraumkonzept wird für die Standorte Inden, Aldenhoven, Jülich, Eschweiler und Merken weitere, deutliche Entwicklungsimpulse bringen”, heißt es da zum Beispiel unter anderem. Genau die kann Wabbel beim Blick in die neuen Pläne allerdings nicht erkennen.

Im Gegenteil: Rund um den See wird es eine gesperrte Zone geben, sagt er, die einen Zugang zum See weitestgehend ausschließt. Die angedachten Zwischennutzungen des Sees in der Zeit der Befüllung sind damit nahezu ausgeschlossen. Und einen Auftrag für ein entsprechendes Konzept gebe es auch noch nicht.

Wabbel: „Das hat nichts mehr mit den Visionen zu tun, die im Prospekt verkauft wurden.” Und Barbara Steinberg von der Stadt Düren ergänzt: „Je konkreter die bergrechtliche Planung wird, desto konkreter werden auch die Gefahren.”

Zum Beispiel die der Böschungsrutschungen. Hans Wabbel: „Nach den Vorfällen in Nachterstedt und auch bei Schophoven kann mir niemand mehr sagen, dass der Uferbereich frei zugänglich bleiben wird.” Auch nicht nach Fertigstellung der Befüllung, die eine Generation lang dauern wird.

Immerhin geht Wabbel davon aus, dass der Böschungsbereich eine Neigung von bis zu 30 Grad haben wird. Dabei darf man nicht vergessen, dass gerade in der Phase der Befüllung des Sees immense Höhenunterschiede zu überwinden sind. So liegt zum Beispiel selbst nach zehn Jahren Befüllung die Wasserfläche immer noch 60 Meter tiefer, als der Ort Merken.

Wabbel wundert sich aber nach wie vor über noch einen ganz anderen Punkt: Der freiwillige Verzicht auf bebaubare und damit individuell nutzbare Flächen. „Land und Bund sagen dem Flächenfraß den Kampf an und hier sollen dann 1200 Hektar verloren gehen?”, die nach Wabbels Überzeugung doch selbst für RWE spannend sein müssten.

Gerade in Zeiten, in denen die Energieversorgungsunternehmen umdenken müssten. Wabbel: „Auf dieser Fläche könnte doch zum Beispiel irgendwann ein Fusionskraftwerk entstehen. So etwas an anderen Standorten zu realiseren, könnte weit schwerer sein. RWE verbaut sich hier selbst Optionen für die Zukunft.” Oder verwässert sie, ganz wie man es sehen mag.
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