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Kinderbetreuung: „Plan muss in Schublade liegen”

Von: Ottmar Hansen
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Düren. Steht die Stadt Düren in etwas mehr als einem Jahr vor einer Klagewelle von Eltern, die ihr Kind im Alter unter drei Jahren in einem Kindergarten unterbringen wollen und in Düren keinen Platz bekommen?

Ab 2013 ist die Stadt gesetzlich gezwungen, zumindest für 35 Prozent besagter Kinder einen Betreuungsplatz vorzuhalten. Doch das Geld für die benötigten Anbau- und Umbauarbeiten an den Kindergärten fehlt. Wie berichtet, gibt es für Düren vom Land statt der benötigten acht Millionen Euro nur 1,6 Millionen Euro. Das Land wird zwar, wie Grünen-Fraktionssprecherin Verena Schloemer jetzt mitteilte, die Mittel kommendes Jahr um 40 Millionen (auf insgesamt 350 Millionen) aufstocken, doch für Düren wird davon wohl nur ein geringerer sechsstelliger Betrag abfallen.

Irre Bedingungen

Johannes Veith, Kreisvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO), warnt die Stadt allerdings davor, die Neubauvorhaben einfach aufzuheben. Veith: „Die Bauprojekte sollten lediglich ausgesetzt werden. Zumindest die Planungen müssen weiter laufen. Wenn es dann doch noch weitere Zuschüsse gibt, kann man gleich mit dem Bau beginnen.” Die Bedingungen des Landesjugendamtes an Bauten für die U3-Betreuung sind gewaltig.

AWO-Fachbereichsleiterin Elfried Nöldgen listet auf: Der Kindergarten müsse einen Wickelraum, einen Schlafraum, einen Mehrzweckraum (früher Turnhalle), Ruheräume (ist nicht der Schlafraum), multifunktionale Räume, Gruppenräume sowie spezielle Toiletten vorweisen können, alle Türen und Fenster müssen mit Sicherheitsglas ausgestattet sein, hinzu kommen funkgesteuerte Brandschutzvorrichtungen. Nöldgen: „Pro Kindergartengruppe sind im Außenbereich 300 Quadratmeter Spielfläche vorgeschrieben. Natürlich auch mit Spielgeräten für Unter-Dreijährige.”

Bei diesem Aufwand dauern die Planungen für einen „simplen” Anbau relativ lange. Veith: „Alleine für den Zuschussantrag und den Bauantrag gehen vier Monate ins Land. Mit viel Glück steht der Bau in zehn Monaten, manchmal dauert es aber auch eineinhalb Jahre.” Schon aus diesem Grund sei es unverzichtbar, dass die Planungen für die neuen Kindergartengruppen zumindest auf städtischer Ebene weiter voran getrieben würden, bis neues Geld fließt. Die Arbeiterwohlfahrt verfügt derzeit über drei Kindergärten in Düren, in denen Kinder unter drei Jahren betreut werden können. Die AWO hat in Düsseldorf Anträge für weitere fünf ihrer insgesamt 15 Kindertagesstätten gestellt.

„Kampf wird ausbrechen”

Angesichts der geringen Zuschüsse des Landes hat Johannes Veith weitere Befürchtungen: „Die Einrichtung, die ab 2013 keine U3-Plätze anbieten kann, wird wegen fehlender Kinder spätestens nach drei Jahren geschlossen werden müssen.” Außerdem sei ein Kampf der Kindergartenträger um die verbliebenen 1,6 Millionen Euro vorauszusehen. Veith: „Dann wird es politisch! Es wird zu einer Ungleichbehandlung kommen, bei der einige Kindergärten auf Dauer gesichert werden und andere nach zwei bis drei Jahren kaputt sind. Vor allem die Kindergärten in den Randgebieten der Stadt haben eine geringere Chance, zu überleben.”

Verena Schloemer fordert, nach Lösungen zu suchen, die kostengünstiger sind. So könne man vielleicht Grundschulen, die nicht mehr ausgelastet sind, mit Kindergärten zusammen legen.

Jugendamtsleiter Manfred Savelsberg teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, dass seine Behörde bis zum 25. Januar eine Prioritätenliste für den Kindergartenausbau in den Stadtteilen vorlegen werde, die dann im Jugendhilfeausschuss beraten werde.
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