Kreis Düren - Kaum WLAN, keine Tablets: Grundschulen werden nur schleppend digital

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Kaum WLAN, keine Tablets: Grundschulen werden nur schleppend digital

Von: Anne Welkener
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Der alte Computer ist in den Grundschulklassenräumen noch Standard,... Foto: imago/photothek
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...der Tablet-PC aber noch Zukunftsmusik. Dass sich daran etwas ändern muss, scheint allgemeiner Konsens zu sein. Über den Weg hin zur Digitalisierung der Grundschulen gehen die Meinungen jedoch auseinander. Foto: imago/MITO
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Tanja Küsgens ist seit 2015 beim Verband Bildung und Erziehung Vorsitzende im Kreis Düren. Foto: Rose
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Anna Helene Lürken ist Schulamtsdirektorin des Kreises. Foto: Rose

Kreis Düren. Zuhause gibt es W-Lan, Smartphones und Tablet-PCs – in der Schule einen alten Computer pro Klasse. So sieht der Alltag vieler Grundschüler in der Region aus. „Die Ausstattung an den Grundschulen im Kreis Düren ist durchweg schlecht“, kritisiert Tanja Küsgens. Die 40-Jährige ist Vorsitzende des Kreisverbandes Düren im Verband Bildung und Erziehung (VBE) und selbst Lehrerin an einer Grundschule.

Sie bemängelt, dass es größtenteils kaum funktionierendes WLAN gebe, dass keine Klassensätze an Tablets zur Verfügung stünden und dass es vor Ort vor allem an Expertise mangele. „Man hat Glück, wenn sich ein junger Kollege aus privatem Interesse heraus mit solchen Themen auskennt, aber Zeitkontingente, damit sich Lehrer fortbilden können, gibt es nicht.“

Und Küsgens geht noch weiter: An den meisten Schulen gebe es nicht einmal genug Rechner für die Lehrer. Schließlich sollten am Arbeitsplatz auch ausreichend Arbeitsmittel zur Verfügung stehen, betont sie. „Von einer optimalen Ausstattung an Grundschulen sind wir weit entfernt.“

Um die Digitalisierung an Grundschulen voranzutreiben, sind im Programm „Gute Schule 2020“ des Landes explizit Finanzmittel für diesen Zweck vorgesehen. Daher sind die Schulen verpflichtet, Medienkonzepte zu erstellen, auf deren Basis die Kommunen als Schulträger für die entsprechende Ausstattung sorgen sollen.

Ein solches Konzept hat Leiterin Alice Undorf für die Regenbogenschule Vettweiß bereits der Gemeinde vorgelegt. Sie sagt ehrlich: „Bei dem Thema schwimmen wir.“ Das Schulministerium möchte nach eigenen Angaben „das Lernen mit digitalen Medien schrittweise fest in den Lehrplänen verankern“. Ohne zu wissen, wie das aussehen wird, sollen Alice Undorf und ihre Kollegen aber nun schon Konzepte vorlegen.

Auch eine Kollegin an einer anderen Schule, die anonym bleiben möchte, kann sich mit der Metapher des Schwimmens sehr gut identifizieren. „Genau so fühlt sich das an! Als würde die Landesregierung sagen: ,Es ist noch nicht alles in trockenen Tüchern, wir wissen selbst noch nicht, wo die Reise hingeht, aber macht ihr Schulen doch schon mal ein Konzept!‘“ Und auch hier zeigt sich für Tanja Küsgens der Mangel an Fortbildungen: „Wie sollen wir Medienkonzepte schreiben und sagen, was wir an Ausstattung brauchen, wenn sich die Kollegen nicht auskennen?“

Sie hört aus vielen Lehrerzimmern, dass es kein Verständnis dafür gibt, dass jede Grundschule ihr eigenes Medienkonzept entwickeln muss. „Wieso kann man nicht ein Konzept für NRW erstellen, alle Grundschulen gleich ausstatten und die Lehrer flächendeckend ausbilden? Einen gewissen Grundstock oder einige Standards muss es an jeder Schule geben.“ Das gesamte Vorgehen wecke bei einigen Lehrern schlechte Erinnerungen an das Thema Inklusion, sagt Küsgens. „Wie damals müssen wir etwas vorantreiben, ohne die Ressourcen dafür zu haben.“

Einen immensen Unterschied gibt es zu den weiterführenden Schulen. Hier ist die Digitalisierung sowohl in den Unterrichtsinhalten als auch bei der Ausstattung deutlich weiter vorangeschritten. Die anonyme Grundschullehrerin ist der Ansicht: „Es ist schwer, in die Köpfe der Entscheider zu bekommen, dass es auch vor den weiterführenden Schulen eine Schulbildung gibt. Im Fach Englisch haben sie es gemerkt, aber auch bei den neuen Medien dürfen die Fünftklässler nicht bei Null anfangen.“ Tanja Küsgens sieht das auch so: „Es ist häufig das Problem, dass Grundschulen vernachlässigt werden, obwohl gerade in jungen Jahren der vernünftige Umgang vermittelt werden müsste.“

Letzteres würde auch Anna Helene Lürken, Schulamtsdirektorin im Kreis, unterschreiben. Sie versichert aber, dass ein Umdenken zu Gunsten der Grundschulen stattfinden würde. „Was die Schüler nicht früh genug lernen, ist später schwer aufzuholen. Deshalb wird sich da etwas ändern.“ Auch dass Lehrer sich fortbilden müssen, sieht sie als wichtige Bedingung an. „Die Gelder dafür werden kommen“, versichert sie.

Aber wie beurteilt sie den Status quo? Der aktuelle Stand in Sachen Digitalisierung an Grundschulen sei im Kreisgebiet sehr unterschiedlich, ist Lürkens Einschätzung. Das hänge jeweils von technischen Voraussetzung wie der Internetverbindung ab. Fast jede Schule habe einen PC pro Klasse. Eine ganze Klasse, die mit Tablets ausgestattet sei, gebe es im Kreis leider noch nicht. „Meine Nachfolgerin wird darin eine große Aufgabe haben, die Digitalisierung voranzutreiben“, sagt Lürken, die Ende des Monats in Pension geht.

Die Forderung nach einem landesweit einheitlichen Konzept sieht Lürken kritisch. „Jede Schule ist anders. Ein Mindeststandard wäre sicher nicht falsch, aber dann muss vor Ort – in Hürtgenwald, Nidgeggen oder im Nordkreis – geschaut werden, wie darauf aufgebaut wird.“ Einen solchen Mindeststandard gibt es jedoch nicht. Zunächst müssten, so die Begründung von Lürken, die Schulträger und Lehrerschaften abwägen, was sie jeweils vor Ort leisten können.

Einigkeit herrscht bei Küsgens und Lürken, wenn es um die Bedeutung der Digitalisierung geht. Küsgens: „Das ist ein wichtiges Thema, ohne das es nicht mehr geht. Die digitalen Medien sind in der Lebensrealität der Kinder, und das müssen wir in der Grundschule aufgreifen.“

Und Anna Helene Lürken kann das mit einem Beispiel aus ihrem Privatleben untermauern: Ihre Enkelin zeigte ihr neulich, wie sie am Smartphone über Google eine Vokabel für den Englischtest in der zweiten Klasse herausfindet. Lürken: „Das hat mich fasziniert. Das Denken der Kinder wird durch die neuen Medien erweitert. Wir müssen da manchmal etwas hinterherhinkend staunen.“

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