Nideggen - Kaum verantwortungsvolle Politik im Sinne der Jugend

Kaum verantwortungsvolle Politik im Sinne der Jugend

Von: Margret Vallot
Letzte Aktualisierung:

Nideggen. Stefan Zentis ist einer der jungen Menschen, die sich sehr für Politik interessieren, die sich einmischen und engagieren.

In Nideggen ist er als Mitglied der Grünen regelmäßig bei den Sitzungen des Ausschuss für Jugend, Soziales und Sport zugegen, hat mit seinen 23 Jahren den Posten eines stellvertretenden sachkundigen Bürgers inne. Seit zwei Jahren ist er Geschäftsführer der Grünen Jugend im Kreis. Er behauptet, dass mit dem Internet eine neue demokratische Kultur möglich wird.

Er habe, sagt Stefan Zentis, großen Spaß an der politischen Arbeit. Auch an der Streitkultur. „Es gefällt mir, mein Lebensumfeld mitgestalten zu können.” Viele ältere Menschen meinten, sie könnten für Jugendliche und junge Erwachsenen sprechen. „Das sehe ich anders. Wenn man zum Beispiel bedenkt, welche Massen von Schulden jetzt angehäuft werden, und wer dafür eines Tages aufkommen muss, dann kann man wirklich nicht von verantwortungsvoller Politik im Sinne der Jugend sprechen.”

Zentis will mit anderen den „Ring politischer Jugend” reaktivieren. Dieser Ring ist ein Zusammenschluss von jungen, politisch Aktiven aller Parteien. Er sei aber in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt worden.

Er glaubt, als Mitglieder von Jugendorganisationen „sind wir keinem Wählerwillen verpflichtet”. Da könne man laut seine Meinung sagen. Für Wahlkämpfe opfere er schon mal einen Urlaub, sagt er. Und jetzt komme er in einem Ausschuss regelmäßig zum Einsatz. „Ein oder zwei Nachmittage pro Woche gehen dabei schon drauf.”

Das größte Problem für junge Leute in der Politik sei „der formale Kram”, da sei man anfangs überfordert. Ohne Hilfe durch ältere Ratsmitglieder hätte er sich das nicht zugetraut. „Man hat wenig Lebenserfahrung und macht viele Fehler. Das frustriert. Aber wer in seiner Freizeit Fußball spielt, der gewinnt auch nicht jedes Spiel.”

Jugendliche sind aktuell genervt vom Bildungssystem mitsamt den Studiengebühren, sie regen sich über Sperrungen im Internet auf oder fühlen sich diskriminiert, weil man sie als Computerspieler für potentielle Amokläufer hält. Zentis spielt selbst gern Spiele am PC, allerdings keine Egoshooter. „Aber mir ist doch klar, dass Egoshooter oder andere Spiele niemanden zum Gewalttäter machen. Von den Jugendlichen spielt diese Spiele fast jeder. Ich finde es lächerlich, da einen Zusammenhang zu Gewalttaten herzustellen.”

Klare Worte. Und weiter: „Wegen der Möglichkeiten, bestimmte Zugriffe auf Seiten im Netz zu verhindern, was aber sehr leicht zu umgehen war, hat die Piratenpartei einen enormen Aufschwung genommen.” Und die Studiengebühren hätten Tausende auf die Straßen getrieben. „Es regt sich Protest, das finde ich ein sehr, sehr gutes Zeichen.”

Das Internet nützt Stefan Zentis wie alle Gleichaltrigen intensiv. Es werde im Netz über alles diskutiert. Jugendliche - auch die, die nicht parteipolitisch organisiert sind - „wenden sich mit Mails an Politiker”. Es gebe Nachrichten-Streams im Internet, da könnten wichtige Reden und Sitzungen im Bundestag und anderswo mitverfolgt werden. „Es gibt politische Plattformen, wo man die Positionen anderer kennenlernen und von deren Wissen profitieren kann.” Gelegentlich verabreden sich die User zu Flashmobs, das ist eine neue Aktionsform, eine Meinungsäußerung, „die ich für sehr kreativ halte”.

Insgesamt sieht der junge Grüne einen Umbruch, „eine moderne Form der Demokratie entsteht gerade”.

Elektronische Möglichkeiten wie Skype und Blogs will der Mann aus Abenden auch für die Lokalpolitik im Nideggener Rat nutzen. Und: „Ich möchte demnächst einen Antrag gestellt, weil ich die Sitzungen des Nideggener Rates live im Internet übertragen möchte. Technisch ist das sehr einfach.”
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