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Kann man Leerstand in Wohnraum umwandeln?

Von: Burkhard Giesen
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Leerstand in der Innenstadt: Das Schild „Niemals aufgeben“ in der ehemaligen Schlecker-Filiale in der Oberstraße kann man auch umdeuten - Immobilienbesitzer benötigen einen langen Atem, um neue Mieter zu finden. Foto: Burkhard Giesen

Düren. Die untere Etage seines Ladenlokals in der Wirtelstraße hätte Herbert Schunkert längst vermieten können. Da, wo früher S.Oliver ein Ladenlokal besaß, gibt es aber insgesamt drei Etagen. „Mieter zu finden, ist extrem schwierig“, sagt Schunkert.

Eine Erfahrung, die selbst in 1-A-Lagen in Düren viele andere Besitzer gewerblicher Immobilien machen. Wer durch die Stadt geht, entdeckt viele Leerstände. Eigentlich kein neues Phänomen. Mit der Frage, wie man Ladenlokale, die seit längerer Zeit leer stehen, auch anders nutzen kann, will sich die Stadt künftig in ihrem „Masterplan Innenstadt“ beschäftigen.

„Der Auftrag dazu ist vergeben. Das entsprechende Planungsbüro startet jetzt“, erklärt Stadtplaner Marcus Steffens. „Man wird nicht mehr für jedes Ladenlokal einen Nachfolger finden. Das gilt vor allem für die städtischen Randbereiche. Es gilt also, kreative Ideen zu entwickeln“, sagt Steffens, dem Beispiele aus Nachbarkreisen einfallen – etwa die Kita in einem früheren Ladenlokal, oder aber die Umnutzung zu Wohnraum. Ein Thema, dass insbesondere in Köln dank großer Wohnungsnot gerade aktuell. In enger Zusammenarbeit mit der Stadt können dort Besitzer von Ladenlokalen in Kölner Randbereichen, die ihre Immobile in Wohnraum umwandeln möchten, innerhalb von 24 Stunden die entsprechende Genehmigung erhalten.

Ein Beispiel auch für Düren? Vielleicht nicht unbedingt für die Ladenlokale im Erdgeschoss. Markus Steffens weiß allerdings, dass in der Innenstadt auch viele gewerblich genutzte Obergeschosse leer stehen. Eine Einschätzung, die Immobilienbesitzer Herbert Schunkert bestätigt. „Gehen Sie mal durch die Wirtelstraße und schauen auf die 1. oder 2. Etage – da steht sehr viel leer.“ Bei ihm – wie schon erwähnt – auch. Schunkert hat allerdings an seiner Immobilie gearbeitet. Sämtliche Versorgungsleitungen und das Dach hat er erneuert und gleich neuen Wohnraum geschaffen: der bisher nicht genutzte Dachboden wurde zur modernen Maisonette-Wohnung umfunktioniert.

Das dürfte eine sinnvolle Investition sein. Immerhin hat erst vor wenigen Wochen die Bertelsmann-Stiftung in einer Studie festgestellt, dass in Düren insbesondere Wohnungen für Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte fehlen. Warum werden dann nicht mehr leer stehende Büroräume von 150 Quadratmetern einfach in zwei Single-Wohnungen umgewandelt? „Das ist nicht immer so einfach“, sagt Rechtsanwalt Leo Derichs, der in Düren Vorsitzender der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus und Grund ist. Ihm fällt ein Beispiel aus der Kölnstraße ein, wo ein nicht genutztes Obergeschoss sich über mehrere Grundstücke erstreckt. Das macht eine Umwandlung nicht leichter. Ein weiteres Problem aus seiner Sicht: „Nicht jedes Ladenlokal kommt dafür in Frage, weil die Bausubstanz nicht immer geeignet ist.“

Hohe Investitionen können da abschrecken, wenn die zu erzielenden Einnahmen geringer sind, als bei einer gewerblichen Nutzung. Dass Schunkert in seiner Immobile in der Wirtelstraße nicht gleich auch die Obergeschosse in Wohnraum umgewandelt hat, hat einen simplen Grund. Er steht noch in Verhandlungen mit potenziellen Mietern und will sich keine Möglichkeit verbauen.

Allerdings zeigt er sich auch ernüchtert: „Vor 30 Jahren hat man sich um die Wirtelstraße geschlagen. Heute kann man vielleicht noch ein Drittel von dem an Einnahmen erzielen“ sagt er. „Eine Stadt lebt nicht von dem Geranienmarkt, sondern von der Infrastruktur und den Geschäften in der Stadt.“ Die Weichen seien schon vor vielen Jahren falsch gestellt worden, schimpft er auf die Politik.

Die reagiert inzwischen mit den „Masterplan Innenstadt“. Und dürfte sich dabei auch noch anderer Bereiche annehmen müssen. Dass Infrastruktur in Außenbereichen wegbricht, ist keine neue Erfahrung, auf die man reagieren muss – das Aussterben der Tante-Emma-Läden oder das große Kneipensterben hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben. Auf ein weiteres Problem weist auch Leo Derichs hin: nicht mehr genutztes Firmenareal. Darüber verfügt Düren reichlich, wie aktuell die Diskussion um das Hannemann-Gelände zeigt. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen aber auch, wie man damit umgehen kann: aus Becker & Funck ist eine Kulturfabrik geworden, das Gelände der ehemaligen Kettenfabrik am Rurdammweg wird Schritt für Schritt in ein Wohngebiet umgewandelt.

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