Lendersdorf - Kammerchor und Kammerorchester stimmen auf das Osterfest ein

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Kammerchor und Kammerorchester stimmen auf das Osterfest ein

Von: Bruno Elberfeld
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Johannes Esser (Mitte), Bachorchester und Bachchor der Cappella Villa Duria sowie sechs Solisten überzeugten in der Lendersdorfer Pfarrkirche St. Micahel mit der Johannespassion auf höchstem Niveau. Foto: Bruno Elberfeld

Lendersdorf. Das Ende an den Anfang zu stellen bietet sich an, wenn dieses Ende einen Eindruck davon gibt, was vorher passiert ist: Hätte es in der Pfarrkirche St. Michael in Lendersdorf zwischen Altarraum und den Kirchenbänken einen Theatervorhang gegeben, wäre er nach diesem Konzert sehr oft auf- und zugegangen.

Die Finger beider Hände hätten nicht gereicht, um zu zählen, wie oft der Leiter der Cappella Villa Duria, Johannes Esser, und die Solisten den Weg zwischen Sakristei und Publikum zurücklegen mussten, um den verdienten Applaus entgegen zu nehmen.

Kurzum: Das Kammerorchester und der Kammerchor der Cappella Villa Duria sowie sechs Solostimmen hatten Johann Sebastian Bachs Johannespassion (BWV 245) präsentiert. Die Besucher auf den harten Kirchenbänken hatten gut zwei Stunden ausgeharrt, in sich gekehrt, jeden Applauses beraubt – denn für die Dauer des Konzerts war Ruhe angesagt. Sie mussten einem Geschehen lauschen, das an Dramatik kaum zu überbieten ist: der Passion Jesu nach dem Evangelisten Johannes, meisterlich vertont von Johann Sebastian Bach.

Am 7. April 1723, an einem Karfreitag, war die Passionsmusik zum ersten Mal in Leipzig aufgeführt worden. Wie die Annalen berichten, war das Publikum vor 290 Jahren überrascht und ergriffen. Mit Recht, konnten die Besucher in der Pfarrkirche in Lendersdorf bestätigen, denn das Geschehen um diesen Jesus von Nazareth bleibt auch zwei Jahrtausende nach seinem Tod ein Drama. Johann Sebastian Bach nun hat es verstanden, diese Dramatik musikalisch umzusetzen.

Bachchor und Bachorchester der Cappella Villa Duria, den sechs Solisten, Jens Lauterbach, Tenor (Evangelist und Arien), Harald Martini, Bass (Jesus), Katharina Bergrath, Sopran (Magd und Arien), Almuth Herbst, Alt (Arien), Reinhard Meyer, Tenor (Servus) und Wolfgang Tombeux, Bass (Petrus, Pilatus und Arien) gelang es unter der Leitung Essers, die Menschen im Kirchenviereck zu beeindrucken.

Eigentlich muss nicht erwähnt werden, dass da jeder Ton „saß“, dass die Instrumente des Kammerorchesters wie ein einziges harmonisches Groß-Instrument den Kirchenraum fluteten. Ähnliches ist vom Kammerchor zu berichten. Auch er agierte wie aus einem Guss, in voller Harmonie, fantastische Männer- und Frauenstimmen im Dienste des Ganzen. Im Zusammenspiel waren Chor und Orchester einfach nur gewaltig, gewaltig wie eine riesige Königs-Orgel, bei der alle Register gezogen sind. Die Solisten, insbesondere Tenor Jens Lauterbach in der Rolle des erzählenden Evangelisten, leisteten mit ihren klaren Stimmen ein immenses Pensum. Die Dialoge zwischen Solisten und Chor wurden zu Hörgenüssen.

Neben all dieser Perfektion aber stand die Empathie, die Bach in seinem „Drehbuch“ fordert. Auf der einen Seite die Todesmaschinerie der Römer und der abgrundtiefe Hass der jüdischen Führungsschicht, von Instrumenten und Stimmen in lauter Erregung interpretiert, auf der anderen Seite wird dieser dramatische Hass von Chorälen aufgefangen, wird in himmelsstürmende Gebete verwandelt, verwandelt in die Hoffnung, wie sie die Christen in aller Welt am Ostersonntag mit der Auferstehung feiern. „…wie gedrängt, wie durchaus genial, namentlich in den Chören, und von welcher Kunst…“, so beschrieb Robert Schumanns die Johannespassion Bachs.

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