Kaffee und Kuchen mit Dietmar Nietan

Von: Sandra Kinkel
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Ein Bundestagsabgeordneter zum Kaffee zu Gast: Heinz Blees (links) und Karin Weisweiler hatten SPD-Mann Dietmar Nietan im Rahmen der Aktion „Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“ eingeladen. Foto: Sandra Kinkel

Düren. Der Nachmittag bei Heinz Blees und Karin Weisweiler in Merken ist für den SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan ein echtes Heimspiel. Acht Bekannte haben Herr Blees und Frau Weisweiler eingeladen, um mit Nietan zu diskutieren, alle sagen „wir“, wenn sie von der SPD sprechen. Die Herrschaften sind bekennende SPD-Wähler. Überzeugungsarbeit muss Nietan hier nicht leisten.

Der 49-jährige Sozialdemokrat ist im Rahmen seiner Aktion „Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“ in Merken zu Besuch. Sechs solcher „Kaffeetermine“ hat er schon hinter sich, 23 Einladungen liegen noch vor ihm. „Das ist keine bundesweite SPD-Aktion“, erklärt Nietan.

„Ich kenne keinen Kollegen, der so etwas auch macht.“ Es sei ihm wichtig, so der Sozialdemokrat, mit den Menschen „vernünftig ins Gespräch zu kommen“ Und das kann man in so einem Rahmen sehr gut.“ In Merken geht es auch gleich zur Sache, Nietans Aufforderung „Feuer frei: Sie dürfen mich alles fragen und zur Schnecke machen!“ ist eigentlich überflüssig.

Es geht um die Einführung von Hartz IV, den Rücktritt von Oskar Lafontaine nach 186 Tagen als Finanzminister und der Rente mit 67. „Jetzt soll bei der Rente mit 67 wieder zurück gerudert werden“, sagt ein älterer Herr. „Aber wer hat die denn eingeführt?“ Die Antwort von Nietan kommt prompt: „Franz Müntefering. Die SPD. Ich weiß, dass wir Fehler gemacht haben, aber die Partei hat ihre Lektion gelernt. Ich hoffe, dass wir eine neue Chance bekommen.“

Karin Weisweiler hat den Tisch liebevoll gedeckt, mit Blümchen aus dem Garten und allem, was dazu gehört. Jetzt bringt sie Pflaumenkuchen, Obsttorte und Erdbeerboden, den Kuchen, den Dietmar Nietan mitgebracht hat. „Okay“, lacht der, „dann machen wir jetzt eine Kuchen-Schaufel-Pause.“ Am Tisch wird es still, aber nur kurz.

„Wie ist das eigentlich mit der Linkspartei?“, fragt eine Frau. „Kommt die als Koalitionspartner für die SPD in Frage? Das wäre für mich ein Grund, nicht SPD zu wählen.“ Auch hier bemüht Nietan sich um eine ehrliche Antwort. „Ich bin keiner der rigoros sagt: Niemals mit der Linkspartei, weil es genügend Überschneidungen gibt. Aber im Augenblick ist die Linkspartei auf Bundesebene kein verlässlicher Partner. Eine Koalition wäre für unsere Partei politischer Selbstmord.“

Es gibt keine Tabus an diesem Nachmittag. Es geht um die Solidaritätsrente, den Ausbau von Straßen und Mindestlohn – alles Dinge, die die SPD in ihrem Parteiprogramm stehen hat. „Soziale Gerechtigkeit ist mir wichtig“, sagt Dietmar Nietan. „Aber diese Dinge müssen finanziert werden. Deswegen wollen wir den Spitzensteuersatz für Spitzenverdiener auf 49 Prozent erhöhen.“ In Merken ist das kein Problem. In der Runde gehört keiner zu den Spitzenverdienern.

Ziemlich genau eine Stunde lang hört Nietan zu, nimmt die Menschen ernst, diskutiert auf Augenhöhe. Die Aktion „Sie machen den Kaffee, ich bringe den Kuchen mit“ ist für ihn sehr gelungen. „Zum einen esse ich gerne Kuchen, zum anderen gehören Reden, Streiten, Kommunizieren zur Politik.“ Echte Ablehnung gegenüber der sozialdemokratischen Politik habe er bei den Menschen, die er bisher besucht hat, noch nicht erlebt, aber deutliche Skepsis. „Ich muss Überzeugungsarbeit leisten,“ sagt er. „Die Menschen haben den Glauben in die Politik verloren.“

Die „Kaffee-und-Kuchen-Nachmittage“ sind nicht Nietans einzigen Wahlkampftermine, er macht Hausbesuche, Podiumsdiskussionen. Dass er einen sicheren Listenplatz hat, spielt für ihn keine Rolle. „Ich habe genau so viele Wahlkampftermine wie bei der Wahl, als ich den Wahlkreis direkt holen musste“, sagt er. Im Übrigen gäbe es immer noch die rechnerische Möglichkeit, dass sein Listenplatz eben doch nicht hundertprozentig sicher ist. „Darüber denke ich aber im Augenblick nicht nach. Das kommt erst am Wahlsonntag.“

Bis dahin hat der zweifache Familienvater noch jede Menge Termine. Viel Zeit bleibt da nicht. „Wahlkampf macht mir aber auch Spaß“, sagt Nietan, und wer ihn bei der Kaffeerunde beobachtet hat, glaubt ihm das auch sofort. „An einem Abend hatte ich ab 20 Uhr keine Termine mehr“, schmunzelt Nietan.

„Dann musste ich Möbel nach Maastricht transportieren.“ Hier hat Nietans 18-jährige Tochter Marie gerade angefangen zu studieren. Und so groß kann der Wahlkampfstress gar nicht sein, dass der Vater da nicht gerne mit anpackt.

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