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Kabarettistin Anka Zink im Komm: Lässig und pfiffig

Von: Georg Neulen
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Anka Zink führte mit leichter Hand durch ihr Programm. Foto: Georg Neulen

Düren. „Zink Extrem Positiv“ ist seit einem Jahr ein Renner. Beim vierten SWD.KOMMedy.Abend wirkte der aber so frisch, weil Anka Zink ihr Programm so fortschreibt, dass die Ereignisse uns nachhaltig aktuell entgegenkommen.

Ihr Versprechen eines intelligent-emotionalen Erlebnisabends enthält sogar mehr als tolle Geschichten, gute Gefühle und ausgemachten Blödsinn. Es packt die Zuhörer am Nerv des eigenen Erlebens und der Bewältigung gegenwärtiger Herausforderungen über alle Medien mit Spaß und Ernst.

Anka Zink war weniger die angesagte „Mutti des weiblichen Stand-up“ als eine umjubelte schwesterliche Freundin bei der unverkennbar starken weiblichen Übermacht im Saal. Sie serviert einfach mit lässigen Handbewegungen und pfiffigen Formulierungen ihren Schmäh aus dem täglichen Hinhören, dem eigenen Familienleben und dem Frust gegen technisches Neudeutsch. „Fummeln war früher, heute ist twittern“, wie sie aus ihrem später vorgestellten Buch „Sexy ist was anderes“ zitierte.

Nur wenige Privat-Primaten beherrschten in der Flut der Passwörter noch die beiden altmodisch erschließenden „bitte“ und „danke“. Dampf bekam VW, weil „der Betrüger-Chip im Auspuff“ schon lange unsere Werte ruiniere und systemisch sei. Zu den falschen Wahlprognosen wusste sie, dass „nicht sein durfte, was man nicht wollte“.

Viele glaubten zwar nur ans Denken, beachteten aber nicht, woran sie alles glauben: an den Brandschutz, an Haltbarkeitsdaten, an die Nachrichten. Dabei gebe es tagelang scheinbar immer nur ein Thema. Zuletzt die USA-Wahlen, jetzt die Renten, davor die Flüchtlinge.

Das Publikum half mit, diese Kette zurückzuverfolgen über die Griechen, deren Popstar-Minister, die Finanzkrise, die Eurokrise, die Banken, Ebola usw. Wo sei das selbstbestimmte Leben zu finden? Viel bekennten sich als verantwortlich, aber keiner haftet. Das Verursacherprinzip sei aus der Mode gekommen, keiner packt einfach zu mit Besen und Eimer.

Zum Stichwort „1000. Tatort“ entwickelte Anka Zink ein brillantes Kabinettstück der Entlarvung von Klischees und realitätsfernen Details bei der Recherche und Verfolgungsjagd bis in die dunkle Tiefgarage. Dann bekannte sie ihre Toleranz-Allergie gegen den am meisten missbrauchten Begriff der vergangenen Jahre. Weil viele an „was Tolles denken“, wusste sie aus dem Lateinischen, dass tolerare ertragen, erdulden, erleiden heiße und wenig Spaß dabei sei.

Wie viel Missstände solle man „tolerieren und mit Respekt akzeptieren“? Von 170 Kilometer täglichem Stau in NRW bis zum spät servierten Bier und dem gnadenlosen Licht energiesparender Beleuchtungen. Die Zink: „Ich füge mich in den natürlichen Verfall, aber nicht so grell beleuchtet.“ Reizwörter der modernen Welt belebten ihre Analysen und Therapie-Vorschläge: Handy-Phobie, Sicherungs-Programme im Haus, Fitness-Tracker und Essdiktatur gegen die stattliche körperliche Mitte, Geringschätzung der befreienden katholischen Beichte gegenüber der unausweichlichen Datenwelt, Fähigkeit und Gefahren eindringender Drohnen, technische Erweiterugen unserer Sinne.

Wulffs Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“ sei richtig gewesen als vollständiger Satz wie etwa „genau wie ungefähr 40 andere religiöse Richtungen und Bekenntnisse, mit denen wir uns meist gut verständigen und arrangieren können“. Bei den vielen Japanern in Düsseldorf sage man auch nicht: „Der Shintoismus gehört zu Düsseldorf“, sondern erfreue sich an der gelungenen Integration über deren Esskultur.

Für Vieles gebe es geografisch-kulturelle Bedingungen: Kein Schweinefleisch in verderblichem Klima! Bei fehlendem Wasser, Dusche und Shampoo im Wüstensand besser ein Kopftuch über die Haare! Wie Großmutter sagte: „Bei der Arbeit schützt nichts besser vor Staub!“

Den paradiesischen Anfang mit Adam und Eva erzählte die Kabarettistin anschaulich mit dem unterschiedlichen Wirken der Schlange bei der christlichen und der islamischen Darstellung der Verführung. Viel Applaus ließ Anka Zink nochmals betonen, „Zink extrem positiv“ wolle lieber wissen, wofür etwas gut sei statt, was daran nicht tauge.

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