Kabarettist Lüder Wohlenberg: Ex-Arzt mit Röntgenaugen

Von: Hannes Schmitz
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„Viele Krankheiten heilen alleine aus, wenn der Arzt nur lange genug wartet.“ Lüder Wohlenberg untersuchte im Komm-Zentrum das Gesundheitssystem.

Düren. Den Arztkittel hat er zwar an den berühmten Nagel gehängt, seinen diagnostischen Blick hat er behalten. Lüder Wohlenberg, ehemals Radiologe am Lendersdorfer Krankenhaus, erwies sich im ausverkauften Komm als ein großartiger Beobachter des Alltäglichen.

Der Kabarettist durchleuchtete mit „Röntgenaugen“ gesellschaftliche Missstände, sezierte mit diebischer Freude das deutsche Gesundheitssystem und raubte gleich zu Beginn so manchen im Saal den Optimismus: „Gesund sein heißt lediglich, nicht richtig untersucht worden zu sein.“

Und dann begann eine Behandlung, die es in sich hatte. Ätzenden Sarkasmus und tiefschwarze Pointen setzte der kabarettistische Mediziner als Heilmittel ein.

Formatfüllend war sein Einzelgastspiel im Komm im Rahmen der „SWD KOMMedy.Abende. Über zwei Meter Körpergröße presste er auf die Kleinkunstbühne, schlüpfte in verschiedene Rollen und überraschte mit Sprachwitz und trockener Ironie einmal mehr die Zuhörer. Arzt und Profi-Patient war er auf den Bühnenbrettern, und hatte er einmal nicht den Bademantel oder Arztkittel an, entpuppte er sich als Philosoph und Entdecker, dem es die Evolution besonders angetan hatte.

Nach einem Rap über den Rücken (kann mich nicht bücken, niemanden beglücken) erinnerte er zynisch angehaucht daran, dass „wir alle Heimatvertrieben aus Afrika sind, die nur nicht mit dem Boot über Lampedusa nach Europa gekommen sind, sondern auf der Flucht vor den Löwen, denen es hier zu kalt war“. Im Gegensatz zu denen, „die noch mit dem Fell in den Bäumen liegen“ wären wir auf eigene Füße gestellt worden, mit einer Wirbelsäule, die den aufrechten Gang abstützen sollte. „Die Evolution“, so kommentierte er belustigt, „hat dabei nicht an Reiner Calmund gedacht“. Sorgen bereitet ihm der Geburtenrückgang.

Nach dem Krieg hätte man sich ins Zeug gelegt, „um die Lücken wieder aufzufüllen“. Das Engagement vermisse er heute und hatte dafür ein populäres umgangssprachliches Wort. Die Geburt wäre heute ein Event, bemerkte er süffisant, mit Schnittchen im Kreißsaal, aber keinen Kaiserschnittchen“. Älterwerden passte ihm auch nicht. Was der Schimmel fürs Brot sei, wäre Diabetes und Alzheimer für die Menschen

Und wenn er dann wieder den Kittel anzog, wurde er zum schwarzen Schaf unter den Halbgöttern in Weiß. Seine Kollegen handelten doch nur noch nach Maximen wie: „Rote Pillen gegen Depression, weiße fürs Schlafen, blaue gegen Erektionsstörungen“ oder mit Blick auf die Pharma-Industrie „Wir haben hier wieder eine tolle Pille, aber uns fehlt noch die Krankheit dafür.“ Überhaupt resümierte er: „Viele Krankheiten heilen alleine aus, wenn der Arzt nur lange genug wartet.“

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