Kabarettist Jürgen B. Hausmann hält Dürener Publikum den Spiegel vor

Von: Axel Keldenich
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Jürgen B. Hausmann und das überdimensionale Ei: Der Kabarettist aus Alsdorf lieferte zwei Stunden brillante Wortspiele auch mit dem Ei. Foto: Axel Keldenich

Düren. Man nehme: Ein über-mannshohes dickes Osterei als einziges Requisit auf der Bühne, die alten Geschichten um Osterhasen und bunte Eier, eine geniale Beobachtungsgabe für seine Mitmenschen und die Umwelt und dazu einen kongenialen Musiker wie Harald Claßen als Partner.

Wenn man dann Jürgen B. Hausmann, alias Jürgen Beckers, heißt, hat man schon die wichtigsten Zutaten zusammen, um eine prall gefüllte Arena in Düren knapp zwei Stunden lang bestens zu unterhalten.

Natürlich hat der Mann aus Alsdorf auch ein wenig Glück, dass er hier fast ein Heimspiel hat. So kann er, ohne vorher die Landkarte der Umgebung zu studieren, locker Orte wie Langerwehe, Jülich, Bergheim und Eicherscheid in seine Gags einbauen.

Wobei der Eifelort mit seiner ersten Silbe gleich eine Überleitung zum roten Faden des Abends unter dem Motto „Osterspezial – Eiertitschen“ liefert. Was Beckers aus dem Ostern so wichtigen Zwei-Buchstaben-Wort Ei an Witzen, Wortspielen und Bezügen herausholt, verblüfft bis zur letzten Zugabe. Und wenn ein so absolut sauberer Komödiant wie er dann auch ab und zu einmal kurz unter die Gürtellinie gerät, nimmt ihm das wirklich niemand übel.

Ein bewährtes Erfolgsrezept ist es, den Leuten einfach den Spiegel vorzuhalten. Dem Zuhörer wird auf humorvolle Weise dargebracht, was er selbst an kleinen Fehltritten immer wieder erlebt. Und wenn dann mitunter das Gelächter losgeht, bevor Beckers seinen Satz beendet hat, spielt er den Beleidigten und sagt: „Wenn Ihr schon vorher lacht, brauch ich ja nix mehr zu sagen.“

Okay, dann singt er eben, denn auch das kann er. In den kurzen, knappen und geistreichen Gesangssketchen traut er sich ebenso furchtlos wie humorvoll an Opern und Schlager der 50er-Jahre heran, ja, er macht sogar gleich zwei musikalische Anleihen bei Frank Sinatra. Zur Melodie von „Strangers in the Night“ besingt er seine chaotischen und erfolglosen Abenteuer auf der Herrentoilette beim Entfernen von Sauce-Hollandaise-Flecken aus der Hose. Und der Running-Eier-Gag macht aus Frankie Boys „My Way“ Beckers‘ „Ei way“.

Eine Vorlage in diese Richtung macht natürlich auch die Firma Apple, bei der ja neuerdings alle Produkte mit „I“ beginnen. Was Beckers zu der Frage bringt, wieso der gute alte Eierbecher neudeutsch denn jetzt I-Pod heiße. Überhaupt gebe es für die Jugend heute nichts mehr für „nen Appel un en Ei“, sondern nur noch für „ an apple and an I“. Und wenn es früher am Ostermorgen geheißen habe: „Psst, draußen kommt gleich der Hase“, kommentieren die Jungen das heute mit: „Psst, Opa glaubt noch dran.“

Ab ins Gartencenter

Apropos draußen: Da entdeckt das Ehepaar, das bei Beckers auch in seinen Ostergeschichten Maria und Josef heißt, im Frühjahr immer ganz plötzlich: „Der Garten!“ „Als wär der über Winter weg gewesen!“ Egal, jetzt geht es in das Gartencenter. Wo Beckers sich die nächste Viertelstunde aufhält und wieder zur Verwunderung und zur Belustigung des Saales skurile Szenen entstehen lässt, die aber genau so jeden Tag passieren.

Durch den tosenden Applaus am Ende sind die Zugabenrufe zu hören, und Beckers antwortet: „Ja, isch habet jehört. Mache mer. Harald könntest De Disch noch emal setzen?“ Und dann liefern die beiden noch einen fulminanten Schlussakkord.

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