Düren - Kabarettist Hagen Rether hat eine ganz eigene Sicht der Dinge

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Kabarettist Hagen Rether hat eine ganz eigene Sicht der Dinge

Von: Bruno Elberfeld
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Hagen Rether am Flügel im Haus der Stadt. Foto: Bruno Elberfeld

Düren. „Dann komm‘ ich mal!“ Hagen Rether betritt mit etwa fünfminütiger Verspätung die Bühne im Haus der Stadt. Sofort steigt der Kabarettist aus Essen in ein brandheißes Thema ein: Waffenlieferungen an Kurdistan, ja oder nein, Waffenlieferungen an die Saudis, Handelsboykott Saudi Arabien oder gar gegenüber den USA?

Folgen: Im Winter würde dann wahrscheinlich gefroren, amerikanische Filme, amerikanische Literatur, amerikanische Musik, alles Dinge, auf die Hagen Rether und mit ihm viele Bundesbürger nicht allzu gerne verzichten würden. Aber wann wächst im Land der Empörer, in Deutschland, die Wut, wann werden Männer oder Frauen zu Wutbürgern? Antwort: Wenn „Wetten, dass…?“ mit Markus Lanz auf der Kippe steht.

Sehr aufschlussreich auch Rethers Gedanken über die Zeitfenster, die den Menschen in Deutschland zur Verfügung stehen: Mit 17 Jahren Abitur, recht früh. „Dann können die noch nichts“, meinte Rether. Oft folgt ein Soziales Jahr, sehr löblich. „Mit 63 Jahren Rausschmiss mit der Rente, danach laufen sie dann – denn die Menschen werden immer älter – 30 Jahre mit Stöcken durch den Wald. Was soll das?“, lautete Rethers Grundfrage an diesem Abend.

„Haben Sie Sommerreifen?“ Dieser zunächst sinnlos anmutende Satz unterbrach immer wieder den Gedankenfluss des Kabarettisten. „Wie wird das Wetter?“, hätte er auch fragen können. Zurück zur Biografie des Normalbürgers: „Lasst die Menschen doch bitte so lange arbeiten, wie sie möchten! Stellen Sie sich einen Karajan oder Picasso vor, die mit 65 Jahren oder früher hätten aufhören müssen!“

Warum machen die Leute keinen Urlaub zu Hause? Zurzeit als es noch ein Briefgeheimnis und Achselhaare gab, gab es vielleicht 14 Tage Muße. Doch heute müssten es dreimal zwei Wochen sein. Was das denn solle? Ganz einfach: die Menschen hätten, so Rether, panische Angst vor Langeweile. Rether appellierte an die Menschen im Haus der Stadt, Verantwortung zu übernehmen. „Schauen Sie nicht zu den Ackermännern dieser Republik! Werden Sie erwachsen. Es geht um Sie ganz persönlich!“, ereiferte sich Rether. Menschen könnten ihre Welt in ihrem Lebensbereich verändern, kleinschrittig. Nicht die Zornigen veränderten die Welt, sondern die Mutbürger.

Hagen Rether lockerte dann immer wieder die von Ernst geprägte Atmosphäre durch Anekdoten aus dem persönlichen Leben auf, erzählte Witze, räkelte sich auf dem Bürostuhl vor dem Flügel, nippte immer wieder mal an seinem Mineralwasser, futterte geräuschvoll Bananen und putzte minutenlang den Flügel, wobei er aber den Kontakt zu den Menschen im Saal niemals verlor.

Der Kabarettist ist bekennender Vegetarier, obwohl sein Opa immer wieder gesagt hatte, jeder Mensch habe Reißzähne. Dass dann natürlich der Umgang des Menschen mit Tieren und Umwelt nicht gut wegkam, ist zu verstehen. Internationale Politik, Sozialpolitik in Deutschland, nichts ließ Rether aus. In der Pause zeigten sich einige Besucher verunsichert. „Das hätte er alles in viel kürzerer Zeit erzählen können!“, glaubten einige. Sie erinnerten sich offenbar nicht an das „Versprechen“ Rethers, dass er sie drei Stunden langweilen wolle. Was soll das? Ganz einfach: Rether gab den Männern und Frauen genügend Zeit, sich über seine Worte Gedanken zu machen. Das sollte das.

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