Kabarettist Hagen Rether bietet beste Unterhaltung

Von: Jana Peterhoff
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Hagen Rether brachte seine Zuh
Hagen Rether brachte seine Zuhörer gekonnt zum Lachen. Es gab aber auch nachdenkliche Passagen. Foto: Jana Peterhoff

Düren. „Die Wirklichkeit ist viel krasser als jede Verschwörungstheorie”, sagt er. „Tradition ist, wenn der Bahnhof in München zwei Wochen nach dem Oktoberfest sauer riecht”, sagt er.

Und der türkische Opa, der seit 20 Jahren den Bahnhof kehrt, denkt sich, was für eine überlegene Kultur. Das sagt er auch. Im Anzug mit Weste, mit glatt gekämmten, zum Zopf gebundenen Haaren, klare Stimme, ruhiger Geist, ungezähmte, scharfe Zunge.

Hagen Rether trat in Düren vor einem komplett ausverkauften Haus der Stadt auf. Komiker wollte er nie werden, eher Bauingenieur, sagte er. Seine Eltern hätten ihn fast dazu gezwungen, in das Komikercollege zu gehen, sagte er.

Ganze drei Stunden unterhielt der deutsche Kabarettist mit musikalischer Ausbildung das Publikum mit niveaureichem Humor und scharfzüngigem Witz. Er brachte außer Bananen, seinem schwarzen Flügel und einem Poliertuch auch beste politische Satire mit. Das Dürener Publikum amüsierte sich köstlich.

Hagen Rether war hinter allen her: Politiker, Kirchenvertreter, Parteien, Lobbyisten, Medien, Chinesen, Metzger, Kapitalisten und Banken. Auch den Dalai Lama hat er nicht ausgelassen. Facebook ist die Stasi von heute. Und das Volk kriegt weiter Brot und Spiele, bevor es sich abends in den Schlaf „sandramaischbergt”.

Sein Programm „Liebe 2” wälzte sich durch die Geschichte und die Politik. Noch direkter und authentischer war er im zweiten Teil: Er unterhielt, sprach aber auch Wahrheiten aus und rüttelte die Anwesenden wach. Er übte sich erfolgreich in gesellschaftlicher Kritik und bekam große Zustimmung. Vorurteile gegenüber andere Religionen, Maßlosigkeit, Konsumwahn und andere tägliche Katastrophen sprach er mit Courage an.

„Wir brauchen das Rad nicht immer wieder neu zu erfinden.” Ereignisse und Fehler aus der Vergangenheit sollten seiner Meinung nach helfen, gewisse Muster zu erkennen, um dieselben Fehler in Zukunft zu vermeiden. Und er bewegte sich sprachlich sehr geschickt auf der Spitze des Messers - mal erntete er Lachen, mal stilles Nachdenken, mal Beifall. Wie ein Psychotherapeut hielt Hagen Rether der Gesellschaft den Spiegel vor. Er ist sogar viel weiter gegangen: Er bezog Position und bewies dabei eine großartige Haltung.

Und dabei traf er nicht nur den richtigen Klavierton, sondern auch den Nerv des Publikums. Auch Jolanta Steffens aus Düren hat viel gelacht. Sie war aber gleichzeitig überrascht, „wie schrecklich wenig wir alle nach diesem Abend zum Lachen haben.” Er appellierte nicht an den Verstand, sondern sprach direkt die Herzen der Menschen an. Die Stimme unseres Gewissens, Hagen Rether, war im Dienste der Liebe unterwegs. Ein Integrationsprediger, dem die Zukunft der Kinder wichtig ist. Schließlich kämpfte er mit allen Mitteln der Rethorik für eine bessere Welt.
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